Auf ewig mutig voranschreiten!

Die Stiftung Juliusspital Würzburg zwischen Ökonomie und Fürsorge. Lebenslinie im Gespräch mit Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth über den Gründer Julius Echter

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V.l.n.r.: Stiftungsgründer Julius Echter mit Stiftungsleiter Walter Herberth. Foto: ©Susanna Khoury

„Wie würde Julius Echter von Mespelbrunn heute entscheiden? Diese Frage müssen wir uns bei allen Entscheidungen die Stiftung betreffend immer wieder aufs Neue stellen“, sagt Oberpflegamtsdirektor und Leiter der Stiftung Juliusspital Würzburg Walter Herberth. Jüngst betraf es den Architektenwettbewerb für die Realisierung des Ärztehauses am Hubland. Hier investiert die Stiftung in ein Gesundheitszentrum, das sie auch betreiben wird, um älteren Menschen im neuen Stadtteil medizinische Versorgung vor Ort anbieten zu können. Dabei habe man sich letztendlich für die Variante entschieden, die möglichst hohe Flexibilität in der Nutzung vorhalten könne, so Stiftungsleiter Herberth. Zuvor sei es die Fusion des Krankenhauses Juliusspital mit der Missionsärztlichen Klinik gewesen. Wohl eine der schwierigsten und weitreichendsten Entscheidungen der Stiftung, zumal Julius Echter den Betrieb eines Krankenhauses als Kernaufgabe in der Verfassung seiner Stiftung benannt hat.

Durch die Ausgliederung des Juliusspital-Krankenhauses erfüllt die Stiftung ihren Auftrag der Krankenversorgung seit 2017 durch die Klinikum Würzburg Mitte gGmbH (KWM). Die Stiftung ist mit rund 66 Prozent der Anteile die größte Trägergesellschaft des KWM und Oberpflegamtsdirektor Herberth ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Das Ringen um den richtigen Weg, sprich die Entscheidung für die Fusion, habe sich über Jahre hingezogen, nicht zuletzt, um sie im Sinne des Gründers Julius Echter zu treffen. „Den Mangel der Zeit zu erkennen und nach Möglichkeit zu beheben“, so schrieb der Fürstbischof seinen Willen in die Statuten der Stiftung.

Als Julius Echter am 12. März 1576 auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof vor den Toren der Stadt den Grundstein für ein Krankenhaus legte, stattete er es als Stiftung mit Ländereien, Wald und anderen Liegenschaften aus, damit es sich bei gutem Wirtschaften auf ewig selbst tragen könne. Dabei bestimmte er auch, dass immer nur so viele Menschen aufgenommen werden dürften, wie es sich die Stiftung finanziell leisten könne, ohne ihre Existenz zu gefährden, erzählt Walter Herberth.

„Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit müssen gewährleistet sein. Das war und ist der Ewigkeitsanspruch der Stiftung Juliusspital“, so der Oberpflegamtsdirektor. Die sozialen Aufgaben der Stiftung Juliusspital Würzburg werden durch die wirtschaftlichen Grundlagen, die Julius Echter geschaffen hat, auch heute noch getragen. Die Stiftung zählt zu den größten Landwirten und privaten Waldbesitzern des Freistaates Bayern. „Sie verfügt über rund 1.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen. Mit 180 Hektar Rebfläche rangiert das Juliusspital auf Platz zwei der Weingüter in Deutschland. Der Forstgrundbesitz in der Vorrhön und im Spessart liegt bei über 3.300 Hektar Waldfläche. Immobilien, Liegenschaften, Tagungszentrum und gastronomische Angebote generieren zusätzlich wirtschaftliche Einnahmen“, berichtet Herberth.

Die damit verbundene Verantwortung sei immens. Dennoch wolle man das Erbe des Gründers nicht nur verwalten, sondern mutig voranschreiten und sein Vermächtnis in die Zukunft tragen, damit es auf ewig helfen und heilen könne, sagt Walter Herberth. „Weiterentwickeln und Gestalten braucht Mut!“ Aber nur so sei die Stiftung zukunftsfähig, weiß der besonnene und gleichzeitig anpackende Leiter. Das galt auch für die Gründung der Palliativstation, der ersten für Unterfranken, im Krankenhaus Juliusspital für die Herberth seine Vorgänger loben möchte, Rainer Freiherr von Andrian-Werburg (2001 bis 2009), Dr. Georg Schorn (1993 bis 2001) und Leo Rettner (1975 bis 1993). Auch hier sei der Mangel der Zeit augenscheinlich gewesen, da sterbenskranke und sterbende Menschen keine ausreichende Betreuung in der Region gefunden hätten.

„Sich dem Thema zu widmen war auch eine finanzielle Herausforderung, die schwer einzuschätzen war“, erinnert sich Herberth. Aus einer Palliativstation sind nun zwei geworden. Dazu kam die Palliativ-Akademie und die ambulante Palliativversorgung für ein Einzugsgebiet von rund 500.000 Menschen.

Bisheriger Schlusspunkt des Engagements der Stiftung Juliusspital Würzburg in der Betreuung von Menschen am Lebensende ist die Eröffnung des Hospizes in der Sanderau in Würzburg 2013. Julius Echter wäre zufrieden und vielleicht auch ein bisschen stolz gewesen!

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