Älter werden ist längst nicht mehr das, was es mal war

„Mainfranken auf dem Weg zu einer altersfreundlichen Region?“

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Die Protagonisten des 6. Mainfränkischen Gesundheitssymposiums (v.l.): Sebastian Dresbach (Geschäftsführer ZTM), Prof. Dr. Georg Ertl (Ärztlicher Direktor Universitätsklinikum), Sabine Hein (Verwaltungsdirektorin Capio Franz von Prümmer Klinik), Åsa Petersson (Region Mainfranken GmbH), Prof. Dr. Cornel C. Sieber (Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns Universität Erlangen-Nürnberg), Landrat Thomas Bold (Politischer Sprecher des Fachforums Gesundheit). Foto: Rudi Merkl

Jeden Tag gewinnen Menschen in Mainfranken im Durchschnitt sechs Stunden Lebenserwartung hinzu. Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Lebens- und Wirtschaftsraumes Mainfranken spielt deshalb die Gesundheitsversorgung und Lebensqualität besonders im fortschreitenden Alter eine entscheidende Rolle. Wie dies gelingen kann, zeigte das 6. Mainfränkische Gesundheitssymposium, bei dem die Re-gion Mainfranken GmbH am 21. November 2018 Fachexperten eine Plattform für In-formation, Austausch und Dialog bot.

Landrat Thomas Bold, politischer Sprecher der Plattform Gesundheit der Region Main-franken GmbH, begrüßte rund 70 mainfränkische Akteure aus den Bereichen Medizin und Pflege, Infrastruktur und Planung sowie kommunale Netzwerke im Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen. „Insbesondere für die alternde Bevölkerung ist eine zielge-richtete Gesundheitsförderung wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität. Die Region Mainfranken GmbH setzt sich in ihrer Funktion als Regionalentwicklungsgesellschaft dafür ein, die Rahmenbedingungen auch im Gesundheitsbereich zu verbessern“, so Landrat Bold.

„Die steigende Lebenserwartung durch den medizinischen und technischen Fortschritt müssen wir als Chance sehen. Diese Sichtweise kommt heutzutage noch zu kurz.“, so Dr. Christine Schwendner, Leiterin des Referats Demenzstrategie des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Sie kennt die positive Entwicklung der letzten Jahre, weist jedoch zugleich auf die damit einhergehende steigende Zahl an Menschen mit Pflegebedarf hin. 60% dieser Menschen werden in Bayern zuhause be-treut. Die Unterstützung und der Austausch mit den Angehörigen in Form von Bera-tungsstellen, Helferkreisen oder haushaltsnahen Dienstleistungen sind dabei von gro-ßer Bedeutung.

Prof. Dr. Cornel Sieber, Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns sowie Lehr-stuhlinhaber für Innere Medizin und Geriatrie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, ist einer der weltweit führenden Forscher im Bereich „Biomedizin des Alterns“. „Der demografische Prozess ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforde-rung. 60 Prozent der 60-Jährigen habe mindestens eine chronische Erkrankung.“ Die Bevölkerungsgruppe der „Älteren“ sei extrem heterogen. „Es gibt nicht den alten Pati-enten“, so Prof. Dr. Cornel Sieber. Die Behandlung verlange deshalb eine umfassende Betrachtung. Dabei steht die integrative Versorgung im Fokus. Voraussetzung hierfür sei ein interdisziplinäres Team aus Arzt, Physiotherapeut, Pflegedienst, Psychologie und Sozialpädagogen.

Wie eine erfolgreiche Umsetzung aussehen kann, zeigen bereits regionale Ansätze. „Jedes Krankenhaus muss sich in den nächsten Jahren auf eine steigende Zahl von Pati-enten im hohen Alter einstellen. Rund 30% der Patienten im Uniklinikum sind 70 Jahre oder älter. Die Geriatrie wird in Zukunft rasant an Bedeutung gewinnen“, so Prof. Dr. Georg Ertl, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg und fachlicher Sprecher der Plattform Gesundheit der Region Mainfranken GmbH. Mit dem Projekt „Altersgerech-tes Krankenhaus“ stelle sich das Uniklinikum bereits auf die neue Situation ein. Neben baulichen Anpassungen seien vor allem die verstärkte Konzentration auf die Bedürfnis-se der älteren Patienten sowie die Fortbildung der Mitarbeiter wichtige Handlungsfel-der. Erfolgsentscheiden für das Vorhaben sei die Kommunikation und Zusammenarbeit mit prästationären und nachstationären Versorgern, regionale Kooperation werde des-halb groß geschrieben.

Gerade das private Wohnumfeld bietet eine Reihe von Möglichkeiten, die Selbststän-digkeit pflegebedürftiger Menschen zu erhöhen und somit den Verbleib im eigenen Haus zu ermöglichen. Sebastian Dresbach, Geschäftsführer des Zentrums für Telemedi-zin in Bad Kissingen (ZTM) stellte das Projekt „DeinHaus 4.0“ vor, welches im Master-plan BAYERN DIGITAL II im Bereich Gesundheit und Pflege gefördert wird und intelli-gente Assistenztechnik in den Mittelpunt rückt. „Wir konzentrieren uns auf die Komponenten Sicherheit, Komfort und soziale Teilhabe. Dabei kann der Bewohner mit Hilfe eines Tablets gewisse Steuerungsfunktionen übernehmen. In Kooperation mit einem regionalen Hersteller werden bereits Musterhäuser geplant“, so Sebastian Dresbach.

Ein wichtiges Thema sind vor allem die Akzeptanz und der Umgang mit verschiedenen Krankheiten. Das KompetenzNetzwerk Demenz setzt genau hier an. „Jeder in der Ge-sellschaft kann auf eine demenzkranke Person treffen, sei es der Verkäufer im Geschäft oder der Polizist auf der Straße“, erläuterte Sabine Hein, Verwaltungsdirektorin der Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau und Mit-Initiatorin des Netzwerkes Demenz. Ziel dieser Allianz sei es, die Hemmschwelle und die Scham in Bezug auf die Krankheit abzubauen und in einem regionalen Netzwerk Erfahrungen im Umgang mit Demenz auszutauschen.

Am Ende der Veranstaltung waren sich die Teilnehmer einig. Die Herausforderung des demografischen Wandels gelte es gemeinsam zu bewältigen. Das Gesundheitssympo-sium biete dabei eine hervorragende Plattform, um die Kompetenzen der regionalen Gesundheitsakteure bekannt zu machen und Kooperationsprojekte zu initiieren.

Die Region Mainfranken GmbH – Hintergründe
Als Standortagentur der sieben mainfränkischen Landkreise, der beiden kreisfreien Städte Würzburg und Schweinfurt sowie der Wirtschaftskammern bündelt die Region Mainfranken GmbH die regionalen Kräfte in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zur Positionierung Mainfrankens im nationalen und internationalen Standortwettbewerb. Durch zielorientiertes Standortmarketing wird Mainfranken für potenzielle Fachkräfte, Investoren und Interessen-ten sichtbar. Gesellschafter der Region Mainfranken GmbH sind neben den beiden kreisfreien Städten Würzburg und Schweinfurt die Landkreise Bad Kissingen, Haßberge, Kitzingen, Main‐Spessart, Rhön‐Grabfeld, Schweinfurt und Würzburg sowie die IHK Würzburg‐Schweinfurt und die Handwerkskammer für Unterfranken.

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