Sich selbst neu „ bewohnen “

Am Benediktushof finden Menschen in der Stille zurück zu sich selbst

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In einer Welt, die kaum noch zur Ruhe kommt, wächst bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Stille. Doch Stille bedeutet mehr als die Abwesenheit von Geräuschen. Wenn äußere Reize zurücktreten, verändert sich die Wahrnehmung nach innen: Studien zeigen, dass die gezielte Reduktion von Sinnesreizen Angst und empfundenen Stress verringern kann. Doch was geschieht, wenn der Lärm des Alltags verstummt – und wir für eine Weile nur noch uns selbst begegnen? Am Benediktushof in Holzkirchen suchen Menschen bewusst einen solchen Raum. Die Nachfrage nach stillen Auszeiten nehme zu, berichtet Geschäftsführer Andreas Hase im Gespräch mit Lebenslinie. Zweckfreie Zeiten und Räume verschwinden zunehmend aus unserem Leben, selbst der Sonntag hat seinen beschützenden Charakter verloren. „Irgendwann taucht das Gefühl auf, wo bleibe ich in all dem?“, so Hase, der seit vielen Jahren auch als Exerzitienbegleiter und Buchautor tätig ist. Der Benediktushof ist kein Kloster im klassischen Sinne mehr, sondern ein 2003 von Willigis Jäger gegründetes Zentrum für Achtsamkeit und Meditation. Die benediktinische Tradition des ehemaligen Klosters ist rund 1275 Jahre alt. Heute bilden Kurse in christlicher Kontemplation und Zen die spirituellen Grundpfeiler des überkonfessionellen Hauses, ergänzt durch viele andere Weisheitstraditionen. Ein inspirierender Ort, um die „Stillen Tage“ für einen Zeitraum von bis zu einer Woche auszuprobieren. In dieser Zeit passiert bewusst wenig: Drei gemeinsame Mahlzeiten im Schweigen geben einen sanften Rahmen vor. „Leichte Mitarbeit im Hause, Meditation, Vorträge und Gespräche können auf Wunsch hinzukommen“, erklärt Andrea Hetkamp, die am Benediktushof unter anderem die Gäste betreut. Langzeitgäste bleiben etwa zwei bis vier Wochen. „Ihr Tagesablauf ist etwas strukturierter. Er umfasst vier Stunden Meditation und fünf Stunden meditative Mitarbeit“, so die ausgebildete spirituelle Wegbegleiterin. Ungewohnte Abläufe können zu Beginn herausfordernd sein, vertraute Rollen bleiben zu Hause. „Viele stellen fest, dass es nicht immer einfach ist, ganz und gar bei dem zu bleiben, was gerade Jetzt ist“, sagt Andrea Hetkamp. „Es wird nicht versucht, diese Erfahrung mit neuer Ablenkung und Angeboten zu vermeiden. Sie wird vielmehr bewusst zugelassen, um Wege zu finden, wieder mit sich selbst in Berührung zu kommen.“ Vorkenntnisse in Meditation sind für eine „Stille Auszeit“ nicht nötig. Niemand müsse im Lotussitz ausharren oder auf Knopfdruck alle Gedanken abschalten, betont Hetkamp. „Es geht darum, mit innerer Ruhe im Augenblick verweilen zu können, ob auf dem Stuhl, auf dem Sitzkissen oder beim täglichen Tun“, ergänzt Hase. Einfache Tätigkeiten in der Näherei, im Garten oder im Haus werden hier zur Unterstützung, zur „meditativen Arbeit“. Aus gutem Grund: Wer ganz bei dem bleibt, was er gerade tut, erlebt die Arbeit und sich selbst anders. Stille im Außen bedeute allerdings nicht automatisch innere Ruhe, wie beide aus Erfahrung wissen. Fallen äußere Ablenkungen weg, könne es im Inneren zunächst lauter werden. Deshalb steht am Benediktushof eine spirituelle Begleitung zur Verfügung. Die Gäste kommen aus allen Altersgruppen und Lebensbereichen. Manche stehen nach dem Studium oder vor dem Ruhestand an einem Übergang. Andere erleben eine Trennung, eine Erkrankung oder den Tod eines nahestehenden Menschen. „Sie alle suchen keine seelische Wellness, sondern Orientierung, Sicherheit und einen geschützten Ort, um sich wieder selbst zu spüren“, umreißt Hase die vielfältigen Motive. Was der Besuch und die damit verbundene Stille bewirken können, zeigt sich für Hetkamp häufig bei der Abreise. „Die Menschen wirken gelöst, ihre Gesichter sind entspannt. Es ist, als würden sie sich selbst wieder anders bewohnen.“ Quelle: 1pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29394251/

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