Ohne Anstrengung keine Früchte

Der Würzburger Yoga-Experte Andreas Lutz erklärt, was regelmäßige Übungen bewirken können

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Der Würzburger Yoga-Experte Andreas Lutz. Foto: Ingo Peters

Der Würzburger Yoga-Experte Andreas Lutz. Foto: Ingo Peters

„Mit jedem Tun, jeder Praxis des Ashtanga Yoga hinterlassen wir einen Fingerabdruck im Universum“, heisst es unter Anhängern dieser Richtung. Doch was verbirgt sich hinter Ashtanga Yoga? Für wen ist es geeignet? Und was setzt es in uns in Gang? Die Redaktion der „Lebenslinie“ sucht nach Antworten.

Lebenslinie (L):Was kann Yoga grundsätzlich?

Andreas Lutz (AL): Yoga ist ein Weg, der uns in eine tiefgreifende Transformation führen kann. Über die körperliche Praxis kommen wir zur Ruhe, zu mehr Gelassenheit im Geist und zu emotionalem Erleben.

L: Was hat es im Speziellen mit Ashtanga Yoga auf sich?

AL: Die drei grundlegenden Bestandteile im Ashtanga Yoga sind Vinyasa, Bandha und Drishti. Vinyasa bedeutet atemsynchrone Bewegung, Bandha beschreibt geführte Atemtechnik und Drishti den beschriebenen
Blickpunkt während der Ausführung von Positionen (Asanas). Im Grunde steht Ashtanga Yoga auf dem 2000 Jahre alten Text des Yoga-Sutra von Patanjali, das uns in acht Schritten auf dem Weg voran führt
(siehe Kasten unten).

L: Was heißt „Fußabdruck“ im Bezug auf Ashtanga Yoga?

AL: Alles, was ich denke, fühle und tue, brennt sich in meinem Körper ein. Ob ich acht Stunden am Schreibtisch arbeite, Chips essend fernsehe oder täglich eine uralte Tradition bewusst auf meiner Übungsmatte absolviere, es wird mich mit der Zeit verändern. Wenn ich mich entscheide, mein Leben in die Hand zu nehmen, um es zum Guten hin zu verändern, dann sollte ich mit einem erfahrenen Lehrer ein tägliches Übungsprogramm von 15 bis 20 Minuten starten und sehen, was passiert.

L: Für wen ist das überhaupt geeignet?

AL: Jeder kann Ashtanga Yoga üben – außer faule Menschen. Das sagte schon Patthabi Jois, der Ashtanga Yoga in den Westen brachte. Natürlich sollte man körperlich und geistig gesund sein. Das Gros der Menschen ist zwischen 25 und 65 Jahre alt.

L: Geht das auch mit krankheitsbedingten Einschränkungen?

AL: Die typischen Zivilisationsprobleme wie Rückenschmerzen, Verspannungen oder Bluthochdruck werden durch Ashtanga Yoga positiv beeinflusst. Natürlich sollte der Lehrer medizinisch wissend und ausgebildet sein. Man kann keine grundlegenden Änderungen erwarten, wenn man zweimal pro Woche ein paar Übungen absolviert. Nur eine tägliche Übungspraxis schafft Veränderung. Ashtanga Vinyasa Yoga ist die Mutter aller dynamischen Yoga-Stile und erfreut sich deshalb so großer Beliebtheit. Der Schüler ist von
Anfang an angehalten, selbständig zuhause zu üben, um so unabhängiger von einer Schule oder einem Zeitplan zu sein. Das führt zu großer, persönlicher Freiheit und stärkt das Vertrauen in uns selbst.

Das Interview mit Yoga-Lehrer Andreas Lutz führte die Lebenslinie-Redakteurin Nicole Oppelt.

In den letzten Jahrzehnten wurde oft versucht, Yoga neu zu erfinden. Formen wie Power-Yoga,
Business-Yoga und Ähnliches strömten auf den Markt. Es ist nicht notwendig, das Rad neu zu
erfinden, betont Andreas Lutz (www.andreas-lutz.com). Es sei bereits alles vorhanden. Aber ohne Anstrengung keine Früchte.

Hier die acht Schritte des Yoga-Sutra von Patanjali:
Yama unser Verhältnis zur Welt
Niyama das Verhältnis zu uns selbst
Asana die körperliche Praxis
Pranayama die Atemtechnik
Pratyahara der Rückzug der Sinne
Dharana die Konzentration, anhaltende Ausrichtung
Dhyana das meditative Erleben
Samadhi die Wahrnehmung unseres wahren Selbst, Glückseligkeit

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