Lästig bis lebensbedrohlich

Tropenmediziner Professor August Stich über Läuse, Milben, Zecken und die Asiatische Tigermücke

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Insekten sind nicht „ohne“. Stechen oder beißen sie, kann das die Haut reizen. Insektenstiche können sogar lebensbedrohlich werden. Es gibt stichhaltige Beweise, dass krankmachende Insekten nicht mehr nur in den Tropen beheimatet sind. Die tropische Virusinfektion West-Nil-Fieber etwa, so August Stich, Leiter der Infektiologie am Uniklinikum Würzburg, sei bereits in Deutschland heimisch. Eine über Moskitos übertragene Denguevirus-Infektion hingegen habe es hierzulande bisher noch nicht gegeben, erläutert der Professor. Der Vektor, die Asiatische Tigermücke, stehe jedoch inzwischen auch in Unterfranken bereit. Das Auftreten einheimischer Dengue-Infektionen sei dadurch nur noch eine Frage der Zeit. Noch werden in Deutschland auch nur wenige Zikavirus-Fälle gemeldet: „Allerdings ist von einer Dunkelziffer auszugehen.” In Würzburg sieht August Stich immer wieder mal Patientinnen und Patienten mit dieser Diagnose. Ein altbekanntes Problem hierzulande seien Läuse. „Es gibt mehrere Arten, die den Menschen befallen“, sagt dazu August Stich. Anders als die lästige, aber harmlose Kopflaus könne die hierzulande seltene Kleiderlaus gefährliche Krankheiten wie das Läuserückfall- oder das Fleckfieber übertragen. „Der Befall durch Kopfläuse hat nichts mit schlechter Hygiene zu tun, er kann jeden treffen”, erläutert der Mediziner. Spezielle Shampoos töteten Läuse zuverlässig ab: „Shampoos wirken aber nicht auf die Eier, die sogenannten Nissen, die von den weiblichen Läusen an die Haare geklebt werden.“ Eine Behandlung gegen Läuse müsse deshalb nach acht bis zehn Tagen wiederholt werden, um die dann geschlüpften jungen Läuse zu erreichen, bevor die sich weiter fortpflanzen. „Außerdem muss man die Haare sorgsam mit einem Läusekamm auskämmen, um so viele Tiere wie möglich zu entfernen“, informiert der Tropenmediziner. Die Behandlung sollte für die ganze Familie gleichzeitig stattfinden, um „Ping-Pong-Infektionen“ zu vermeiden. Für besonders schwierige Fälle stehen Tabletten zur Verfügung. Auch Milben können der Gesundheit schaden, sagt Professor Stich: „Am bekanntesten sind die Hausstaubmilben, die eine häufige Ursache von Allergien darstellen.“ Von Bedeutung sei daneben die Trombidiose, eine Erkrankung nach Kontakt mit Grasmilben, die auch als „Erntekrätze“ bezeichnet wird: „Sie tritt meist im Spätsommer und Herbst auf.“ Wo sich die kaum sichtbaren Milbenlarven in die Hornschicht der Haut eingebohrt haben, entstünden juckende Papeln. Wird die Stelle aufgekratzt, kann sich die Haut mit Eiterbakterien infizieren. Die Trombidiose sei laut Stich wenig bekannt. „Das klinische Bild ähnelt anderen allergischen Reaktionen der Haut oder einfach nur dem Bild von multiplen Insektenstichen“, erklärt er. Eine Ärztin oder ein Arzt könne dann auf die Diagnose kommen, erfährt er von der Patientin oder dem Patienten, dass der vor Kurzem durch eine Sommerwiese spazierte. „In den Tropen gibt es im Übrigen Milbenarten, die gefährliche Krankheiten übertragen können“, ergänzt der Arzt. Dass Zecken gefährlich sein können, ist in der Bevölkerung weithin bekannt. In Deutschland übertragen Zecken die behandelbare bakterielle Infektionskrankheit Borreliose sowie die gefährliche Virusinfektion FSME. „Eine Infektion durch Borrelien ist die häufigste von Zecken übertragene Infektionskrankheit in Mitteleuropa“, weiß Stich. Oft verlaufe sie unbemerkt: „Die meisten Patientinnen und Patienten überwinden die Infektion mithilfe ihres Immunsystems.“ Im Frühstadium sei die Borreliose gut mit Antibiotika behandelbar. Die seltenen Fälle einer fortgeschrittenen Infektion gehörten in die Hand erfahrener Ärztinnen und Ärzte. „Allgemein wird die Bedeutung der Borreliose in der Bevölkerung überschätzt“, sagt August Stich. Viele Symptome oder Erkrankungen würden fälschlicherweise auf eine Borrelien-Infektion zurückgeführt, obwohl sie andere Ursachen haben. Neben Borreliose und FSME gebe es laut Stich weitere Krankheiten, die von Zecken übertragen werden, aber hierzulande sehr selten sind. In anderen Ländern sei das anders: „So kennen wir aus dem südlichen Afrika das Zeckenbiss- und aus dem amerikanischen Kontinent das Rocky-Mountain-Fieber.“ Am gefährlichsten sei das durch Hyalomma-Zecken übertragene „Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber“, das in Südeuropa bereits vereinzelt vorkomme.  Durch das sich wandelnde Klima könnten neue Zeckenarten nach Mitteleuropa einwandern. „Außerdem verbessern sich durch erhöhte Temperaturen die Übertragungsbedingungen für neuartige Erreger“, so der Tropenmediziner. 

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