Ihr Duft erinnert an Lebkuchen, Glühwein und winterliche Schmorgerichte. Doch in den unscheinbaren braunen Knospen steckt weit mehr als winterliches Aroma. „Die Gewürznelken sind die intensiv duftenden, brennend-scharfen Blütenknospen des immergrünen Nelkenbaumes“, erklärt Heilpraktiker Bernhard Späth aus Lohr am Main. Ursprünglich stammt der Baum von den Molukken, den indonesischen Gewürzinseln. Heute wächst er in tropischen Regengebieten auf der ganzen Welt. Seine getrockneten Knospen erinnern an kleine Nägel. Mit der heimischen Nelkenwurz sollten sie jedoch nicht verwechselt werden. Gemeinsam ist beiden Pflanzen der Inhaltsstoff Eugenol. „Genau dieses ätherische Öl ist der naturheilkundlich entscheidende Wirk- und Heilstoff“, betont Späth. Eugenol wirke nach seinen Angaben antimikrobiell, örtlich betäubend, entzündungshemmend, antioxidativ, verdauungsfördernd und krampflösend. Daneben würden die Knospen unter anderem Flavonoide, Gerbstoffe sowie Kalium, Magnesium und Eisen enthalten. „Am besten belegt und regulatorisch anerkannt ist die traditionelle Anwendung von Nelkenöl bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei Zahnschmerzen infolge von Karies“, sagt der Heilpraktiker. Erwachsene können bei starken Zahnschmerzen ein bis zwei Tropfen auf einen Wattebausch geben und punktuell auf die betroffene Stelle auftragen. Das Zahnfleisch sollte dabei möglichst nicht berührt werden, denn das konzentrierte Öl kann die Schleimhäute reizen. Auch das Kauen ganzer Gewürznelken könne helfen. „Das Kauen von ein bis zwei Nelken kann sowohl den Schmerzen am Zahn als auch, aufgrund der antibakteriellen Wirkung, dem Mundgeruch entgegenwirken“, erklärt der Experte. Bei Halsschmerzen, Aphthen oder leichten Entzündungen empfehle sich eine Mundspülung aus zehn Tropfen Nelkenöl und 200 Millilitern lauwarmem Wasser. Sie könne zwei- bis dreimal täglich zum Gurgeln verwendet, sollte jedoch nicht geschluckt werden. Bei Völlegefühl, Blähungen und leichten Krämpfen könnten auch die ganzen Knospen zum Einsatz kommen. Für einen Tee zwei bis drei Nelken mit etwa 200 Millilitern heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. „Bis zu drei Tassen Nelkentee können täglich getrunken werden“, so Späth. Wegen seiner entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften könne der Tee außerdem bei Husten und Bronchitis hilfreich sein. So wirksam Nelken sein können, so wichtig ist ein verantwortungsvoller Umgang. „Die sichere Anwendung erfordert Respekt vor der Wirkstärke, insbesondere beim ätherischen Öl“, warnt Späth. Pures Nelkenöl dürfe nicht auf entzündliche Hautstellen oder Insektenstiche gegeben werden, weil es Brennen und Ausschläge auslösen kann. Auch bei anhaltenden Zahn- oder anderen Beschwerden ersetze das Hausmittel keinen Arztbesuch, so Späth. Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder unter sechs Jahren seien Gewürznelken und Nelkenöl nicht zur Behandlung geeignet. Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bei der Einnahme von Blutverdünnern oder Diabetesmedikamenten sollten zuvor ärztlichen Rat einholen. Für medizinische Anwendungen empfiehlt Späth Produkte aus der Apotheke. „Für die Hausapotheke eignet sich die Kombination aus ganzen Nelken für den Alltag und hochwertigem Nelkenöl für akute Fälle.“
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Kleine Knospe, große Wirkung
Heilpraktiker Bernhard Späth aus Lohr über die Heilkraft der Gewürznelke
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