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Der Lebensweg mit einer neuen Hüfte oder einem neuen Knie beginnt nicht erst im Operationssaal. Diese Philosophie verfolgt das Würzburger Fast-Track-Konzept des Impuls Gesundheits- und Rehazentrums und der Orthopädie Chirurgie Würzburg (OCW). „Der Patient wird von einem interdisziplinären Behandlungsteam vor, in und nach der Operation betreut“, erklärt PD Dr. Manuel Weißenberger, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Mitentwickler des Konzepts. Alle Behandlungsschritte sollten möglichst reibungslos ineinandergreifen, um die Betroffenen früh wieder auf die Beine zu bringen. Der erste Baustein ist die sogenannte Prähabilitation. Bereits nach der Entscheidung für einen Gelenkersatz üben Patientinnen und Patienten das Gehen mit Unterarmgehstützen, kräftigen ihre Muskulatur und trainieren Koordination und Stabilität. „Wer die Abläufe kennt und wichtige Bewegungen schon vor dem Eingriff geübt hat, fühlt sich nach der Operation weniger überfordert“, betont Dr. Tobias Reindl, Ärztlicher Leiter des Impuls Reha- und Gesundheitszentrums. Auch auf die Einstellung von Begleiterkrankungen wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck werde geschaut. Bei Bedarf ergänze eine Ernährungstherapie die Vorbereitung. Termine für Physiotherapie oder Lymphdrainage nach dem Krankenhausaufenthalt werden auch schon vorher bei Impuls geblockt, um keine Versorgungslücke entstehen zu lassen. Bei der Operation selbst setze Weißenberger auf minimal-invasive, muskelschonende Verfahren. Beim Hüftgelenkersatz könne über eine natürliche Muskellücke operiert werden, sodass keine Muskeln beschädigt werden und der Blutverlust gering bleibt. Bereits kurz nach der OP stehen die Patientinnen und Patienten unter Anleitung auf und gehen erste Schritte an Krücken. Die frühe Mobilisation reduziere auch das Risiko von Folgekomplikationen wie Thrombosen und Lungenembolien. Ebenso wichtig sei die die jeweilige Patientin, für den jeweiligen Patienten die am besten passende Prothese: Auch individuell angefertigte Implantate können beispielsweise bei starken O- oder X-Beinen, ungewöhnlichen Größen oder nach knöchernen Deformierungen zum Einsatz kommen. Entscheidend bleibe jedoch nicht allein das Implantat, sondern auch die Erfahrung der Operateurin oder des Operateurs. Endoprothetik sei „ein Handwerk“, betont Weißenberger. Nach dem Klinikaufenthalt wird die Bewegung schrittweise gesteigert. Dabei kommt unter anderem ein Anti-Gravity-Laufband zum Einsatz. Sportwissenschaftlerin Laura Middendorf erklärt, dass der Körper in einer Druckkammer sanft angehoben und das Gewicht exakt dosiert reduziert werde. „Die Entlastung kann individuell in Ein-Prozent-Schritten eingestellt werden“, so Middendorf. Dadurch können Betroffene gehen, ohne das neue Gelenk vollständig zu belasten. Gleichzeitig werden Gangbild, Muskulatur, Koordination und Ausdauer trainiert. Die Expertin beobachtet, wie die Patientinnen und Patienten sicherer werden, Bewegungsängste verlieren und Vertrauen in den Körper zurückgewinnen. Damit die Fortschritte über die Rehabilitation hinaus erhalten bleiben, setzt das Konzept auf regionale Vernetzung und Eigenverantwortung. „Der große Vorteil einer ambulanten Rehabilitation ist, dass die Rehabilitanden am eigenen Wohnort behandelt werden können“, freut sich Dr. Reusch. Fast Track bedeutet also nicht, möglichst schnell aus dem Krankenhaus entlassen zu werden. Fast Track verbindet Vorbereitung, Operation, Rehabilitation und Nachsorge zu einem gemeinsamen Weg: Sicherheit geben, Komplikationen vermeiden und Schritt für Schritt Mobilität zurückgewinnen. Und das alles aus einer Hand.
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