Schinkenwurzel für intakte Haut

Die Nachtkerze ist Heilpflanze des Jahres 2026.

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Man kann sie zu Wildreis essen oder in die Suppe tun: Die herzhaft-süßliche Wurzel der Nachtkerze, sagen Fans der Pflanze, erinnert an rohen Schinken. Die „Oenothera biennis“, wie die Gemeine Nachtkerze von der Wissenschaft genannt wird, schmeckt jedoch nicht nur lecker. Sie habe auch Potenzial für die Gesundheit. Aus diesem Grund kürte sie der „Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim“ zur Heilpflanze des Jahres 2026. Während etwa die Brennnessel rein optisch als nicht sonderlich vorzeigbar gilt, fasziniert die Nachtkerze durch ihre leuchtend gelben Blüten. Die Pflanze habe es aber auch in sich. Das entdeckten Würzburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits in den Achtzigerjahren. Das aus ihren Samen gewonnene Öl enthält demnach Gamma-Linolensäure. Insgesamt besteht das Öl der „Oenothera biennis“ bis zu 75 Prozent aus essentieller Linol- und bis zu zwölf Prozent aus Gamma-Linolensäure. Beide Fettsäuren werden als mehrfach ungesättigt bezeichnet und gehören den Omega-6-Fettsäuren an. Auch Weizen oder Sonnenblume zum Beispiel enthalten die für die Haut so wichtige Linolsäure. Das aus der Nachtkerze gewonnene Öl bietet jedoch eine ungewöhnliche Komposition mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Aufgrund ihres chemischen Aufbaus seien diese besonders reaktionsfreudig am Stoffwechsel beteiligt, so die Würzburger Forschenden. Vor allem Gamma-Linolensäure ist für die Funktion und Regeneration der Haut wichtig. Bei Schuppung, Hautirritationen und Hauttrockenheit sei eine Kombination aus innerlicher und äußerlicher Anwendung der Nachtkerze sinnvoll. Insgesamt birgt die im Volksmund einst „Schinkenwurzel“ genannte Pflanze viele kostbare Inhaltsstoffe, als da sind Flavonoide, Vitamin E sowie Schleim- und Gerbstoffe. Was sie genau enthält und wie die Inhaltsstoffe interagieren, müsste noch intensiver erforscht werden. Gewonnen wird das Nachtkerzenöl durch Kaltpressung der Samen. Für ein Gramm Öl sind rund 20.000 Samen nötig. Weil in einer Fruchtkapsel nur ungefähr 200 Samen stecken, kosten die Fläschchen und Kapseln so viel.  Inzwischen liegen jahrzehntelange Erfahrungen mit der Nachtkerze vor, weshalb die Europäische Arzneimittelagentur anerkennt, dass Nachtkerzenöl bei juckender, trockener Haut innerlich wie äußerlich hilft. Sie benennt konkret die Arten „Oenothera biennis“ und „Oenothera lamarckiana“. Arzneimittel mit Nachtkerzenöl sollten nach Empfehlung der Agentur allerdings erst ab einem Lebensalter von zwölf Jahren angewendet werden, da Nebenwirkungen nicht völlig ausgeschlossen seien. Zu den Nebenwirkungen zählen Magen-Darm-Beschwerden wie Verdauungsstörungen oder Übelkeit sowie allergische Reaktionen.

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