Was bedeutet Freisein im Alter?

Aussortieren, Entrümpeln, Loslassen – mental, emotional und physisch

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„Das habe ich noch nie versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“ Dieses Pippi-Langstrumpf-Bonmot steht auch der älteren Generation gut. Gerade in der zweiten Lebenshälfte, dann wenn die Kinder aus dem Haus sind, man sich noch nicht zum alten Eisen zählt, der wohlverdiente Ruhestand winkt und die Gesundheit mitspielt … Ja, dann beginnt eine neue Freiheit, die danach schreit, gelebt zu werden. Jetzt heißt es mehr denn je nach Lindgren-Manier: „Ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt.“ Aber, was heißt das konkret? Nach der aus China stammenden Harmonielehre Feng Shui beginnt Freiheit mit Entrümpeln, Ausmisten und Loslassen.1 Nur wer aussortiert, schafft Raum für Neues. Weniger ist im Alter oft mehr. Das gilt für mentalen und emotionalen Ballast genauso wie für physischen. Oder auch sozialen! Freisein im Alter heißt, mit alten Konflikten abschließen, vergeben und Schuldgefühle loslassen, aber auch Erwartungen ablegen. Man muss nicht allen alles mehr Recht machen. Dazu gehören auch Verpflichtungen, die nur Druck erzeugen, aber keine Freude bereiten. Loslassen sollte man auch Menschen, die einem Energie rauben und ein schlechtes Gefühl geben. Gerade jenseits der 60 sind Kontakte wichtig, die einem guttun, Energie spenden und ein positives Lebensgefühl erzeugen. Rocklegende Jim Morrison sagte dazu: „Ein Freund ist jemand, der dir Freiheit gibt, du selbst zu sein“. Auf die seltene Spezies an Freundinnen und Freunden sollte man sich im Alter fokussieren. „Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er lebt aus der Selbstaktualisierung, aus dem Kontakt mit anderen Menschen und aus deren Rückmeldungen“, betont der Würzburger Altersmediziner Dr. Michael Schwab. Wenn soziale und emotionale Kontakte fehlen, komme es zu einer Deprivation: „Der Mensch verarmt psychisch.“ Wichtig sei daher der Erhalt sozialer Strukturen, wie etwa die fünf festen Freundinnen und Freunde, die in den Blue Zones2 beschrieben sind. Jenen Zonen der Welt, wo die Menschen am längsten leben, mit der höchsten Zufriedenheit. „Aussortieren“ also auf allen Ebenen? Ja, irgendwie schon … dazu gehört letztendlich auch, physischen Ballast abzuwerfen. Schränke, Keller und Dachboden leeren, sich räumlich verkleinern, sprich, ein viel zu großes Haus aufgeben, das man nur noch in Teilen nutzt und dessen Pflegeaufwand einen mehr und mehr herausfordert. Solche Entscheidungen fallen zunächst schwer, weil man sich ungern von Liebgewordenem trennt. Mit Erinnerungsstücken ist das so eine Sache: Streng genommen hängen Erinnerungen nicht an einem Gegenstand, der längst ausgedient hat, sie sind im Herzen und bleiben da für immer! Also, weg mit Altlasten! Der Rucksack sollte im Alter leicht sein, damit die Reise komfortabel bleibt. Oder um mit den Worten der Resilienz-Trainerin Isabelle Meid aus Estenfeld zu sprechen: „Loslassen kann im Alter ein sehr heilsamer und lebendiger Prozess sein: Beim Sortieren und Ausmisten nehmen wir uns noch einmal Zeit, Erinnerungen zu begegnen, Vergangenes zu würdigen und bewusst zu entscheiden, was uns weiter begleiten darf. Gleichzeitig entsteht Raum für Neues – und genau das hält uns beweglich: Wenn wir den Blick auch nach vorn richten, neue Möglichkeiten entdecken und unser Leben aktiv weitergestalten, fordern wir unser Gehirn heraus und unterstützen die Flexibilität unseres Nervensystems.“ In diesem Sinne: Auf neu gewonnene Freiheit!

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