„Freiheit ist unser gemeinsames Geburtsrecht“, schrieb der indische Yoga-Meister Swami Sivananda. „Nichts in der Welt kann dies ändern. Nur manchmal vergessen wir es“, sagt Agnes Renner. Für die Würzburger Psychologin, Gestalttherapeutin, Tänzerin und Yogalehrerin wird Freiheit immer dann erfahrbar, wenn ein Mensch wieder mit sich selbst in Berührung kommt. Ihre vielen Berufsfelder empfinde Renner nicht als voneinander getrennt. Psychologie, Gestalttherapie bis hin zu Tanz und Yoga … „Allesamt sind es Aufgaben, die ich mit Feuer, mit Leidenschaft ausübe.“ Der gemeinsame Kern liege für Renner in der Frage, wie Menschen zurück zur inneren Freiheit kommen und daraus ihr volles Potenzial entfalten können. „Unsere Seele ist eigentlich frei“, sagt sie. Doch Ängste, Erschöpfung oder festgefahrene Muster können dieses Erleben im Alltag verdecken. In der Gestalttherapie gehe es zunächst darum, eigene einengende Muster und Konzepte zu erkennen und zu lockern, um „einen gewissen seelischen Binnenraum zu öffnen“. Wer sich nicht länger selbst fixiert und einschränkt, gewinne neue Handlungsspielräume und damit ein Stück Freiheit zurück. Dabei spiele der Körper eine besondere Rolle. Bewusstes Spüren oder das Wahrnehmen von Atem und Bewegung können Menschen helfen, aus kreisenden Gedanken auszusteigen und im gegenwärtigen Moment zu sein. „Ich kann nur jetzt atmen. Ich kann nicht nachher atmen oder vorher atmen.“ Menschen, die innerlich angespannt sind, empfiehlt Agnes Renner vor allem, das Tempo zu reduzieren, um wieder ins Spüren zu kommen. Auch das bewusste Anspannen und anschließende Loslassen einzelner Körperpartien könne körperliche Lockerung erfahrbar machen. Im Hatha-Yoga können Asanas dabei unterstützen, die Aufmerksamkeit zu bündeln und alltägliche Aufgaben für eine Weile zurückzustellen. Die bewusste Atmung gebe dem Geist einen festen Orientierungspunkt. Diese Erfahrung prägt auch Renners Yogaunterricht. Spätestens in der Schlussentspannung stelle sich ein Gefühl innerer Freiheit ein. Die Übenden lernen Gedanken wahrzunehmen, ohne auf sie zu reagieren oder ihnen weiter zu folgen. „Ich beobachte, das steigt auf, und lasse es los.“ Auf diese Weise verliere das Gedankenkarussell seine Macht. „In uns ist diese Freiheit immer da“, sagt Renner. Als Lehrerin könne sie nichts von außen schenken, sondern lediglich einen Raum öffnen, „um sich mit dem gesunden Kern rückzuverbinden“. Auch der improvisative Tanz bietet einen solchen Freiraum. Wer ganz mit sich in Kontakt ist, kann aus dieser Präsenz Bewegungen entstehen lassen und etwas Eigenes in die Welt bringen. Ihre erste Yoga-Ausbildung absolvierte sie 2005 und 2006 in Indien. Seitdem kehrt sie immer wieder dorthin zurück. Yoga bedeutet für sie, mitten in der Welt tätig zu sein und dennoch innerlich frei zu bleiben. Freiheit im Alltag beginne für die 45-Jährige daher nicht mit großen äußeren Veränderungen. Sie zeige sich im Kleinen, im Loslassen der Erwartung bestimmter Resultate. „Kein Wünschen, kein Wehren. Sondern mit dem Sein, was ist.“
Wo liegt wahre Freiheit?
Psychologin, Gestalttherapeutin, Tänzerin und Yogalehrerin Agnes Renner begleitet Menschen zurück zu sich selbst
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