Was Ärzte können sollten

Im Schauspielpatienten-Programm trainieren Studierende ihre Kommunikationsfähigkeit

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Isabel Odeh stellt im Rollenspiel mit einem Medizinstudenten eine Diabetespatientin dar, deren Werte sich verschlechtert haben. Foto: Pat Christ

Egal, was der Arzt Frau Müller vorschlägt – es zieht nicht. Zwar macht sich die Immobilienkauffrau wegen ihres hohen Blutdrucks Sorgen.

Doch Medikamente nimmt sie nicht: „Die machen mich müde.“ Nun gut. Wie wär’s dann mit Sport?“, fragt der junge Mann im weißen Arztkittel, der ihr am quadratischen Tisch gegenübersitzt. Das geht leider auch nicht. Denn Frau Müller ist wegen ihres Jobs in chronischer Zeitnot.

Mit solchen Situationen haben es Ärzte immer wieder zu tun. Sie wissen genau, was ihre Patienten tun müssten, damit es ihnen besser ginge. Doch es ist schwer, auch nur kleine Verhaltensveränderungen zu bewirken.

Im Schauspielpatienten-Programm am Würzburger Universitätsklinikum trainieren Medizinstudierende in Rollenspielen, wie sie sich in schwierigen Gesprächen gut verhalten. „Insgesamt 30 Schauspieler kommen bei verschiedenen Lehrveranstaltungen zum Einsatz“, informiert Matthias Lukasczik, der für das Programm verantwortlich ist.

Heute übernimmt Gisela Ruppert die Rolle der Frau Müller. Ihr gegenüber sitzt ein Zweit­semesterstudent. „Schön, dass sie die Zeit gefunden haben, herzukommen“, begrüßt er die Patientin. „Guter Einstieg!“, findet später eine seiner elf Kommilitoninnen und Kommilitonen, die das Gespräch zusammen mit Dozent Hans Dieter Wolf im Seminarraum beobachten.

Doch die Harmonie zerbröckelt bald. Der „Arzt“ hat das Gefühl, dass Frau Müller einfach nicht den Ernst der Lage begreifen will. Frau Müller ihrerseits fühlt sich vom Arzt unverstanden. Kapiert der denn nicht, wie arg sie beruflich eingespannt ist?

Nicht ganz so schwer hat es ein Student, der im Parallelkurs von einer Diabetespatientin konsultiert wird. Anders als bei Frau Müller geht es nicht darum, generell zu Verhaltensveränderungen zu motivieren.

Frau Schröder, so heißt die junge Patientin, die von Isabel Odeh gespielt wird, ist durch ihre Reha bereits informiert, wie sie mit ihrer Diabeteserkrankung umgehen muss. Doch irgendetwas scheint noch nicht zu funktionieren, denn ihre Werte verschlechterten sich.

Im simulierten Gespräch berichtet die Patientin, dass sie gerne Snacks zu sich nimmt: „Damit ich zwischen den Mahlzeiten keinen Hunger bekomme.“

Bananen isst sie zum Beispiel gerne zwischendurch. Möglicherweise ist das der Knackpunkt, meint ihr Arzt: „Versuchen Sie doch einmal, mit drei Mahlzeiten auszukommen.“ War das Gespräch für die Patientin hilfreich? Im Plenum wird die Frage kontrovers diskutiert. Die Initiative der Uni für eine Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit kommt bei den Medizinstudierenden gut an.

Die Rollenspiele zeigen, wie schwierig es jenseits des Fachlichen ist, Patienten zu behandeln. Wer sich nicht einfühlen kann, hat kaum eine Chance, dass das, was er rät, auch umgesetzt wird.

Denn Patienten wollen nicht nur Fakten hören. Sie möchten gestärkt und verstanden werden. Gerade wenn es darum geht, Liebgewonnenes zu ändern.

Das 10jährige Bestehen des Würzburger Schauspielpatienten-Programms wird am 11. Oktober 2017 mit einer Jubiläumsveranstaltung am Uniklinikum Würzburg gefeiert. Zur Feier sind eingeladen: Aktuelle und ehemalige Schauspielpatienten, am Programm beteiligte Dozenten und Tutoren sowie Vertreter der Universität und des Universitätsklinikums.

Weitere Informationen zum Schauspielpatienten-Programm der Universität Würzburg finden Sie unter: www.psychotherapie.uni-wuerzburg.de/schauspielpatienten/

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