„Pflegekraft“ Anna

Würzburger Professorin Birgit Lugrin erforscht Service- und Pflegeroboter

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Professor Birgit Lugrin (links) und Studentin Andrea Bartl (rechts) zeigen Pflegeroboter Anna. Foto: Michaela Schneider

Professor Birgit Lugrin (links) und Studentin Andrea Bartl (rechts) zeigen Pflegeroboter
Anna. Foto: Michaela Schneider

Die Menschen werden immer älter, die Pflegekosten steigen – und Pflegekräfte sind rar. Allerorten diskutiert wird der Einsatz von Service- oder auch Pflegerobotern.

So hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung Umfrageergebnisse bekannt gegeben, die besagen: Satte 83 Prozent der Bundesbürger könnten sich vorstellen, einen Serviceroboter zuhause zu nutzen, wenn sie dadurch im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnten.

Und auch in Mainfranken wird zum Thema Serviceroboter geforscht: Studenten der Julius-Maximilians-Universität wollten herausfinden, welche Form der Kommunikation mit dem Serviceroboter bei Senioren am besten ankommt.

Erinnern sollte der kleine Serviceroboter die Testsenioren an Termine. Dafür trat er einmal als Anna auf, die mit dem Gesprächspartner per Du ist und persönlich plaudert. Das andere Mal trafen die Senioren auf die recht unpersönlich kommunizierende Roboterassistentin Kathrin Schmidt.

„Die meisten wählten Anna als Favoritin“, erzählt Prof. Birgit Lugrin, die eine Professur für Medieninformatik inne hat, das Projekt betreute und deren Forschungsschwerpunkt soziale Roboter sind. Einige hätten dies mit ihrem Bauchgefühl begründet, andere empfanden Anna als netter, als freundlicher, ergänzt Studentin Andrea Bartl, die im 4. Mastersemester Medienkommunikation studiert und den Testdurchlauf begleitete.

Aktuell stoße man in der Altenpflege häufig auf eine ablehnende Haltung, wenn das Gespräch auf die soziale Robotik komme, beobachtet Prof. Lugrin. Entsprechend wichtig sei es zum einen, in fundierten Forschungsprojekten psychologisch wichtige Fragen zu stellen. In einem weiteren Schritt könnte man zum Beispiel untersuchen, in welchen Fällen männliche, in welchen weibliche Stimmen besser ankommen.

Zum anderen macht Lugrin deutlich: Es soll bei Service- und Pflegerobotern keineswegs darum gehen, Pflegekräfte zu ersetzen. Vielmehr sollen diese entlastet und durch die Roboter soll Zeit für andere Dinge geschaffen werden.

Warum aber braucht es dafür die Robotik-Verpackung –Treppenlifter oder Erinnerungsfunktionen am Handy gibt es schließlich längst? „Viele Senioren wünschen sich ein menschliches Gegenüber“, sagt Lugrin. Roboter Anna sieht zwar allenfalls im Ansatz menschlich aus, kann aber immerhin den Mund bewegen und mit den Augen klimpern.

Kommen die Alltagsbegleiter zu lebensecht daher, sorgt dies rasch für ethische Diskussionen, wie das Beispiel der Roboterrobbe Paro vor einigen Jahren zeigte: Diese sieht tatsächlich wie das Junge einer Sattelrobbe aus, kann sich bewegen und wird auch in Deutschland in einigen Pflegeheimen vor allem in der Demenztherapie ähnlich wie Therapiehunde eingesetzt.

Im Bürgerspital in Würzburg entschied man sich gegen den Einsatz von Paro. Dr. Michael Schwab, Chefarzt der dortigen Geriatrischen Reha-Klinik und Ärztlicher Direktor des Geriatriezentrums, begründet dies folgendermaßen: Dem Senior werde vorgelogen, er habe es mit einem Lebewesen zu tun.

„Man muss nicht jeden irrigen Glauben korrigieren, aber darf nicht bewusst lügen“, sagt er, verweist auf die Notwendigkeit von Authentizität und Ehrlichkeit in der Altenpflege. Den Einsatz und die Weiterentwicklung von pflegeunterstützender Technik lehnt er indes keineswegs pauschal ab – entsprechende Technik habe in vielen Bereichen längst Einzug gehalten, könne Autonomie fördern und entlasten.

Er betont aber auch: „Die beste Therapie für den Menschen ist der Mensch.“ Die Bereitstellung ausreichender Ressourcen müsse das Ziel bleiben, Technik dürfe nicht als Sparmodell technischer Betreuung dienen.

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