Was Kinder stark macht!

Ernährungsberaterin Sina Wittmann über bewusste Ernährung vor und nach der Geburt

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©LouStudio Fotografie in Rimpar

Hermann Hesse wusste schon: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Nicht von ungefähr hat Sina Wittmann aus Leinach nach ihrer Ausbildung als Erzieherin im Kleinkindbereich einen Schnitt gemacht und eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin mit Spezialisierung auf Schwangerschaft, Beikost-Beratung, Säuglings- und Kleinkind-Ernährung absolviert. Ein Anfang in einem neuen Bereich, der sich wiederum auf den Anfangszauber des Mutterseins fokussiert. Hier möchte die 27-Jährige mit ihren Seminaren im Bereich gesunder Ernährung unterstützen. Was in Schwangerschaft und Stillzeit auf den Teller kommt, ist für die junge Frau mehr als eine Geschmacksfrage. „Grundsätzlich sollte man alle Rohprodukte meiden“, erklärt Wittmann. Dazu zählen rohes Fleisch, rohe Wurst, Rohmilchprodukte, roher Fisch und rohe Eier. Der Grund ist simpel: „Die Keimbelastung ist zu hoch.“ Auch Klassiker wie Sushi, Tiramisu oder Salami fallen damit raus. Weniger bekannt sei ein anderes Risiko: Soft-Eis. „Gerade an der Ausgabedüse sammeln sich oft Bakterien“, warnt die Fachfrau. Auch Fertigprodukte, stark verarbeitete Lebensmittel, gehärtete Fette und zu viel Zucker sollten möglichst gemieden werden. Denn was die Mutter isst, gelange über Plazenta und Muttermilch ins Kind. Und: Eine zuckerreiche Ernährung könne bereits früh Vorlieben prägen. Sie empfiehlt dagegen frische Lebensmittel: viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser oder Tee. „Sanddorn ist eine kleine Geheimwaffe“, sagt die Ernährungsberaterin. Die Beeren seien Vitaminbomben. Kaffee sei erlaubt, aber in Maßen. Stillen gilt aus ernährungsphysiologischer Sicht als optimal. In der Praxis rät Wittmann zu mindestens einem Jahr – und darüber hinaus so lange, wie es für Mutter und Kind stimmig ist. Mit etwa fünf bis sechs Monaten beginnt die Beikostphase. „Nicht vor dem fünften und nicht nach dem siebten Monat“, so Wittmann, da sonst das Eisen aus der Muttermilch nicht mehr ausreiche. Gestartet wird idealerweise mit Gemüsebrei aus Karotte, Pastinake oder Kürbis. Später kommen Kartoffeln und gegebenenfalls Fleisch hinzu. Vegetarisch sei ebenfalls möglich, etwa mit Haferflocken als Eisenquelle. Parallel empfiehlt Wittmann eine Mischung aus Brei und stückiger Kost. Problematisch sieht sie industriell hergestellte „Quetschies“. „Da bleibt vom Obst nichts außer Fruchtzucker.“ Auch Honig sei im ersten Lebensjahr wegen des Botulismus-Risikos verboten. Gesüßt werden kann stattdessen sparsam mit Datteln oder Agavendicksaft. Zwischen einem und drei Jahren essen Kinder idealerweise am Familientisch mit. Wichtig sei dabei ein bewusster Umgang mit Wurst, die viele Zusatzstoffe enthält. Beim Thema Süßigkeiten plädiert Wittmann für klare Regeln. „So lange wie möglich hinauszögern und niemals als Belohnung einsetzen.“ Und ihr gut gemeinter Rat zum Thema neue Lebensmittel: Sie brauchen Geduld. „Zehn bis fünfzehn Versuche sind ganz normal.“ Helfen könne es, Kinder einzubeziehen – beim Einkaufen, Kochen und gemeinsamen Essen. Denn eine entspannte Atmosphäre sei oft die wichtigste Zutat.

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