Tag & Nacht eingespannt

Die Pflege von Demenzkranken fordert Angehörigen viel ab

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Foto: ©depositphotos.com/@pressmaster

Bis jetzt kocht Sigrid Hemberger noch selbst. Jeden Tag. Auch dann, wenn es ihr nicht so gut geht. Die Tagesform der 67-jährigen schwankt, was an ihrer Krankheit liegt: Seit 1985 leidet die Würzburgerin an Multipler Sklerose. Dennoch schafft sie es, ihren schwer demenzkranken Mann Helmut zu pflegen. „Was Frau Hemberger leistet, ist außerordentlich“, sagt Burkhard Halbig, Leiter der Sozialstation St. Franziskus des Caritas-Kreisverbands Würzburg.

Seit zwei Jahren kümmert sich sein Pflegedienst um Helmut Hemberger. Die Pflegekräfte helfen dem 68-jährigen jeden Morgen, sich zu waschen und anzuziehen. Abends bringen sie ihn ins Bett. Das ist für Sigrid Hemberger hilfreich. Außerdem schätzt sie es, dass sie sich mit allen Fragen in punkto Pflege an Halbig und seine Kolleginnen wenden kann. Heute zum Beispiel bespricht sie mit dem Pflegedienstleiter, ob sie künftig zumindest einmal in der Woche „Essen auf Rädern“ ordern sollte. Er erläutert ihr, welche Möglichkeiten es gibt. Danach erkundigt er sich, wann Helmut Hemberger zuletzt eingestuft wurde. „Das war noch vor der Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade“, berichtet seine Frau. Halbig rät, den MDK noch einmal kommen zu lassen. Möglicherweise wird Helmut Hemberger von Pflegegrad 4 auf Pflegegrad 5 gestuft: „Schließlich ist er zu hundert Prozent kognitiv beeinträchtigt.“

Den Blick nicht abwenden

Dass ihr Mann mit nur 68 Jahren an hochgradiger Demenz leidet, macht Sigrid Hemberger in manchen Momenten schwer zu schaffen: „Mir fehlt er sehr als Ansprechpartner.“ Doch nach außen merkt man der junggebliebenen Seniorin nichts an. Sie wirkt ausgeglichen und in sich ruhend. Mit ihrem Mann geht sie liebevoll um. Weil er kaum noch Orientierung hat, muss sie ihn ständig im Blick haben. Sie dirigiert ihn, ohne ihn zu bevormunden.

Es sei nicht die eigentliche Pflege, die sie mitunter an die Grenzen bringt, erklärt Hemberger: „Viel schlimmer finde ich, dass man als Pflegende und Pflegebedürftige um alles kämpfen muss.“ Derzeit zum Beispiel streitet sie mit der Krankenkasse um ein Pflegebett für sich selbst. Auch ihren Rollstuhl sowie einen Ausweis für einen Behindertenparkplatz musste sie erkämpfen. So wie ihr, sagt Burkhard Halbig, gehe es vielen der 250 von seiner Sozialstation unterstützten Menschen. Sie bekämen zunächst oft nicht, was sie zur Alltagsbewältigung brauchen.

Manche notwendige Unterstützung ist noch überhaupt nicht vorgesehen. So bräuchte Helmut Hemberger zumindest einmal in der Woche einen Tag lang einen persönlichen Assistenten, damit sich seine Frau erholen kann. „In die Tagespflege kann sie ihren Mann nicht geben“, sagt Halbig. Dazu sei Hembergers Weglauftendenz zu groß. Doch persönliche Assistenten werden nicht finanziert: „Was bedeutet, dass das Budget, das Helmut Hemberger theoretisch für Tagespflege zur Verfügung steht, allmonatlich verfällt.“

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