Süß mit leichter Anisnote

Bamberger Süßholz ist noch heute Würz- und Heilmittel

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In der TCM wird Süßholz bei Hormonschwankungen und
gegen Wechseljahresbeschwerden eingesetzt, da die
Inhaltsstoffe der Wurzel sowohl einen Östrogenmangel
als auch einen -überschuss ausgleichen können sollen. Foto: ©Frauke Gabriel & Monika Meinhart

In der Bamberger Altstadt sind sie oft anzutreffen: Besucher, die auf einem kleinen Stückchen Holz herumknabbern. Manch einer tut dies mit Genuss. Andere blicken skeptisch drein. Das Aroma ist Geschmackssache: süß mit leichter Anisnote. Das, was sie in Händen halten, ist ein Markenzeichen der Stadt – das „Bambercher Süßholz“. Es „hat den Ruf und den Ruhm der Bamberger Gärtner mehr begründet als jedes andere ihrer Erzeugnisse“, schreibt Auto Georg Willibald Lang in einem Beitrag ¹ für die Interessengemeinschaft „Gärtnerstadt Bamberg“.

Im zwölften Jahrhundert sei Süßholz aus dem Mittelmeerraum in unsere Breiten gelangt. „Die erste schriftliche Quelle berichtet im Jahr 1563, dass Süßholz in Bamberg seit langem bekannt ist.“ Gertrud Leumer, Chefin der Bamberger Süßholz-Gesellschaft, und Frauke Gabriel (ihre Stellvertreterin) hat es „die älteste Kulturpflanze in Bamberg“ angetan. Ihre anspruchsvolle Ernte sei einst Bestandteil der Gärtner-Meisterprüfung gewesen, erinnert sich Leumer.

„Süßholz richtig und unbeschadet auszugraben, die lange Wurzel ans Tageslicht zu befördern, ist eine echte Kunst.“ Verwendet und weiterverarbeitet worden sei die getrocknete, harte Wurzel. So sei aus ihrem Auszug zum Beispiel Lakritze („Bärendreck“) hergestellt worden. Darüber hinaus sei ihr Einsatzgebiet vielfältig. Süßholz eigne sich zum Verfeinern von Speisen, Backwaren oder Getränken – nicht zuletzt von Bier. Oder als frisch aufgebrühter Tee – etwa in Kombination mit anderen Kräutern wie Minze. Selbst in Tabak sei Süßholzextrakt enthalten.

„Die chinesische Variante des Süßholzes gehört zu den fünf wichtigsten Kräutern der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und zu den sogenannten Hildegard-Kräutern“, berichtet Gertrud Leumer. „Eingesetzt wird es zum Beispiel für Bronchialkrankheiten“, weiß die Expertin, die auf die wohltuende Wirkung auf Hals, Brust und Stimme verweist. „Auch bei Magen-Darm-Beschwerden kann es zur Beruhigung der Schleimhäute zum Einsatz kommen“, ergänzt Gabriel.

Ebenso bekannt sei der Einsatz in der Mundhygiene, entweder am Stück als alternative Zahnbürste, als Kaugummi oder aber als Inhaltsstoff in Mundwässern oder Zahnpasten. Der Grund: Süßholz enthält Glycyrrhizin, einen Stoff, dem entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt werden, sowie Flavonoide, die ebenfalls antiallergische und sogar Anti-Asthma-Effekte haben sollen. Bei übermäßigem Konsum von Süßholzwurzeln sei jedoch Vorsicht geboten, vor allem Hypertonie-Patienten müssten aufpassen. Im Zweifelsfall sollte vor dem Verzehr ein Arzt konsultiert werden.

Quellen: ¹www.gaertnerstadt-bamberg.de/index.php/lokalsorten/suessholz

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