Sehr gute Heilungschancen

Erfolgreicher erster Prostata-Tag im Vogel Convention Center

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Machen sich für Aufklärung im Kampf gegen Prostatakrebs stark (von links): Dr. Knut Müller und Dr. Frank Schiefelbein von der Prostata Hilfe Deutschland sowie Dr. Gunther Schunk von der Vogel-Stiftung, die sowohl den Verein Prostata Hilfe Deutschland als auch den ersten Info-Tag im VCC tatkräftig unterstützt hat. Neben der Demenzforschung ist die Prostata-Aufklärung nun das zweite große medizinische Sujet, dem sich die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp annimmt. Foto: ©Pat Christ

„Männer, kümmert euch um eure Gesundheit!“ Dies war die Kernbotschaft des ersten Prostata-Tages im Vogel Convention Center (VCC) Würzburg. Nur ein kleiner Teil aller Männer, so der Würzburger Mediziner Dr. Frank Schiefelbein, nehme Vorsorgeangebote in Anspruch. Gerade bei Prostatakrebs sei Früherkennung jedoch von überragender Bedeutung.

„Wird Prostatakrebs frühzeitig erkannt, beträgt die Zehn-Jahres-Überlebensrate 90 Prozent“, so der Chefarzt der Urologie in der Missio-Klinik (Klinikum Würzburg Mitte). Um über Prostatakrebs aufzuklären, wurde vor zwei Jahren der in Würzburg ansässige Verein „Prostata Hilfe Deutschland“ gegründet. „Wir möchten Patienten mit Informationen beistehen, die seriös, medizinisch korrekt und aktuell sind“, erläuterte Dr. Knut Müller, der aus eigener Betroffenheit Initiator des Vereins wurde.

Mit Dr. Frank Schiefelbein fand er einen engagierten Mitstreiter. Vor allem familiär belastete Männer sollten sich frühzeitig untersuchen lassen, appellierte Schiefelbein. “Sind Vater und Groß- vater von Prostatakrebs betroffen, steigt das eigene Risiko um das Achtfache, ist nur der Vater betroffen, ist das Risiko zweieinhalb Mal höher“, betonte der Arzt.

Jeder Mann ab 45 Jahren, unterstrich Gesundheitsministerin und Ärztin Melanie Huml, hat Anspruch auf eine jährliche kostenlose Früherkennungsuntersuchung. Bayernweit, so die Schirmherrin der Veranstaltung, werde jedes Jahr bei über 7.000 Männern Prostatakrebs festgestellt. Die Referenten des Info-Tages gaben im voll besetzten VCC-Konferenzsaal einen Einblick, was künftig neben der derzeitigen Routinediagnostik, also dem Abtasten der Prostata durch den Enddarm, möglich sein werde. Durch verbesserte Gendiagnostik werde das Tumorrisiko in Zukunft zum Beispiel noch früher entlarvt werden können.

Bei der Auswertung der immensen Datenmengen durch Gendiagnostik werde laut Dr. Schiefelbein Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Hautkrebs werde bereits heute durch Künstliche Intelligenz zuverlässiger diagnostiziert als von den besten Dermatologen, berichtete Peter Reinhardt, Chefredakteur des Fachmedi- ums „DeviceMed.“ Auch könnten schwierige Operationen inzwischen mit Schnittmodellen vorbereitet werden.

Urologe Dr. Frank Schiefelbein demonstriert, wie in der Missio-Klinik seit zehn Jahren mit Hilfe des„DaVinci“-Roboters operiert wird. Foto: ©Pat Christ

Künstliche Intelligenz werde in Zukunft schließlich helfen, Bilder von Computertomografen auszuwerten. Dr. Schiefelbein: „Was aber Radiologen keines- wegs überflüssig macht.“ Überhaupt müssten beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz immer ethische Aspekte beachtet werden. So dürften Patienten niemals gezwungen werden, sich dem zu unterziehen, was tech- nologisch möglich ist. Bereits Realität ist der Einsatz von OP-Robotern.

Die Missio-Klinik gehörte vor zehn Jahren zu den deutschland- weit ersten Kliniken, die mit dem Operationssystem „DaVinci“ zu arbeiten begann. „Wir operieren damit 600 Patienten im Jahr minimalinvasiv“, so Urologe Schiefelbein, der nach eigener Aussage rund 2.000 „DaVinci“-Operationen und rund 2.000 OPs „offen“ getätigt hat.

Der Roboter-Einsatz bedeutet einen Qualitätsschub im OP-Saal: „Denn der Roboter kann Bewegungen durchführen, zu denen wir mit unseren Fingern nicht imstande sind.“ Auch die 15-fach vergrößerte 3D-Sicht in den Bauchraum sorge für sehr gute OP-Ergebnisse. Für den Chefarzt sei der DaVinci-Roboter ein „Vorbote der Künstlichen Intelligenz“ in der Chirurgie.

„Prostatakrebs ist ein Tumor mit vielen Gesichtern“, erläuterte Dr. Tobias Egner, Oberarzt an der Missio-Klinik. Im Anfangsstadium würden heute viele Patienten aktiv überwacht: „Verlaufsstudien zeigen aber, dass nach fünf Jahren aktiver Überwachung bereits mehr als die Hälfte doch eine Therapie erhält.“ Alternative, nebenwirkungsarme Behandlungen könnten die Lücke zwischen Abwarten und aggressiver Therapie schließen. Hierzu zählen die Kryotherapie, die auf Kälte basiert, sowie die Therapie mit hochintensivem, fokussiertem Ultraschall (HIFU).

„Die neueste HIFU-Gerätegeneration lässt eine punkt- genaue Behandlung zu, sodass eine Teiltherapie der Prostata sehr gut möglich ist“, so Dr. Egner. Über 70 klinische Studien wurden über die generelle Wirksamkeit der HIFU-Therapie bisher veröffentlicht: „Zur Teilbehandlung der Prostata laufen aktuell acht weitere Studien.“ Zu den ganz neuen alternativen Therapieverfahren gehört die Irreversible Elektroporation. „Hierbei wird über zwei in die Prostata eingeführte Elektroden ein starkes elektrisches Feld aufgebaut“, erläutert der Erste Oberarzt. Der Strom schädige die Zellwände, die Tumorzelle gehe zugrunde. Noch sei dieses Verfahren jedoch als „hoch experimentell“ zu werten.

Prostatakrebs macht nicht nur Angst. „Die Krankheit hat auch unmittelbare Auswirkungen auf das Leben von Patienten und Angehörigen“, erklärte Markus Besseler, Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft. Psychoonkologen der Krebsgesellschaft bieten Patienten an, sich mit ihren Belastungen auseinanderzusetzen. „Neben körperlichen Einschränkungen können das auch Fragen zur weiteren Lebensführung oder sozialen Hürden im Alltag sein“, so der Psychologe. Auch Sexualität sei ein wichtiges, häufig tabuisiertes Thema: „Ein weiterer Faktor stellen wirtschaftliche Aspekte dar.“ Krank zu sein, sei oft mit finanziellen Einbußen verbunden.

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