Stressig war der Job, überhaupt, den ganzen Tag über war es wieder eine Hetze gewesen. Wie schön, endlich nach Hause zu kommen, etwas Leckeres zu essen und dann in aller Ruhe Musik zu hören. Die meisten Menschen haben schon erlebt, wie wohltuend das sein kann. Doch Musik entspannt nicht nur. Sie fördert Gesundheit, Entwicklung und soziale Teilhabe. Wie sie das schafft, dazu wird seit Mitte Mai im Würzburger Kooperationsprojekt „MusiCare” geforscht. In einem Aperçu lobte Elton John einmal die „heilende Kraft der Musik“: „Sie kann es schaffen, Menschen für ein paar Stunden aus sich selbst herauszuholen.“ Laut Regina Götz von der Würzburger Musikhochschule sei die Wirkung von Musik auf den Menschen prinzipiell bekannt. Mit „MusiCare” soll nun in Bayern ein Kompetenzzentrum aufgebaut werden, in dem neue Fragen gestellt werden, was Musik im Menschen bewirken kann. Dies geschieht interdisziplinär mit Expertinnen und Experten der Würzburger Universität und der Universitätsklinik. Damit finden künstlerische Praxis, wissenschaftliche Erkenntnis und medizinische Expertise zusammen. Geforscht werden soll nicht zuletzt zu der Frage, wie es denn jenen Profis geht, die am Abend ihre Mitmenschen im Konzert erfreuen, die vormittags in der Schule Musik unterrichten oder die am Nachmittag in einer Musikschule tätig sind. Musikerinnen und Musiker würden laut Fabian Kraus, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der Universitätsklinik, vor besondere Anforderungen gestellt. Jeder einzelne Auftritt bedeute eine Herausforderung. Groß sei oft die Angst, nicht gut genug zu sein, sich im Konkurrenzkampf nicht behaupten zu können und als Konsequenz künstlerisch einen Abstieg zu erleben. Auch Auftrittsängste sind weit verbreitet. Ebenso ein psychisch belastender Hang zum Perfektionismus. Musikprofis benötigen, um langfristig gesund zu bleiben, Wissen über Stresskompetenz, Emotionsregulation und Selbstfürsorge. Musikerinnen und Musiker sind jedoch nicht nur häufig abgespannt bis dorthinaus. Auch körperliche Probleme durch ungünstige Haltungen oder Schwierigkeiten mit der Stimme können zu schaffen machen. „Durch Veranstaltungsformate, Dialogangebote und die Vernetzung mit gesellschaftlichen und politischen Akteurinnen und Akteuren möchten wir das Wissen über Musik und Gesundheit stärker in die Öffentlichkeit tragen“, erklärt Kraus. Für November ist ein erstes großes Format namens „M3 – Music Meets Medicine“ geplant. Zwei ausdrucksstarke „Instrumente“ werden dabei künstlerisch und wissenschaftlich beleuchtet: die menschliche Stimme und die Konzertorgel. Fabian Kraus wie auch Regina Götz, Leiterin des Bereichs „Musik & Gesundheit“ an der Musikhochschule, betonen, dass das so harmlos klingende Thema „Musik & Gesundheit“ politisch brisant sei. Musik müsse stärker als gesellschaftliche Ressource betrachtet werden, wünscht sich Regina Götz. In einer Zeit, in der Themen wie „Zusammenhalt”, „Resilienz” und „Gesundheitskompetenz” von wachsender Bedeutung sind, gewinne Musik an Stellenwert. „Wenn ‚MusiCare‘ dazu beiträgt, den Blick auf das zu lenken, was Musik im Menschen bewirken kann, wäre ein wichtiger erster Schritt getan”, so die Schulmusikerin.
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