
©Johanniter Unfallhilfe Unterfranken/Würzburg
„Hoffnung ist die Leidenschaft für das Mögliche.“ Diese Definition von Hoffnung des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard könnte als Profilbeschreibung im Rettungsdienst durchgehen. Nicht zuletzt, weil Rettungskräfte 24/7 Hoffnungsträger in Ausnahmesituationen sind. Sie spenden im Ernstfall Trost und Zuversicht, dass wir noch zu retten sind. Die Hoffnung fährt im RTW also immer mit. Und das ist gut so! Tatsächlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Hoffnung die Genesungschancen bei Krankheit erhöht. Daher kommt der Ausspruch „die Hoffnung stirbt zuletzt“ nicht von ungefähr. Im Umkehrschluss ist Hoffnungslosigkeit nachgewiesenermaßen mit einem signifikant höheren Sterberisiko verbunden. Daher wollte Lebenslinie von Daniel Stein, Wachleiter Rettungswache der Johanniter Würzburg, wissen, ob Trostspenden und Hoffnung schenken in der Ausbildung von Retterinnen und Rettern trainiert wird. Daniel Stein: „Das kann man nicht trainieren!“ Aber es gebe Eigenschaften, die professionelle Ersthelferinnen und Ersthelfer mitbringen sollten, um in Krisensituationen positiv auf die Psyche von Patientinnen und Patienten einwirken zu können. Die da wären: „Empathie empfinden können, ohne selbst mitzuleiden, Gleichberechtigung für jede und jeden, Ruhe ausstrahlen und vor allem die Fähigkeit, zuhören zu können.“ Hoffnung entstehe für die Verunglückten durch die Gewissheit, dass qualifizierte Fachkräfte des Rettungsdienstes schnell vor Ort sind und medizinische Hilfe leisten. Das werde durch eine professionelle Ausbildung mit Examen gewährleistet. Theoretisch kann jede und jeder Retterin oder Retter werden. Eine soziale Ader wäre aber vonnöten und man sollte Blut sehen können, so Stein schmunzelnd. Darüber hinaus gehörten Stressresistenz, Durchhaltevermögen, Team- und Kommunikationsfähigkeit, hohe intrinsische Motivation, mentale Stärke und körperliche Fitness zum Jobprofil. Und vor diesem Hintergrund ist die Hoffnung nicht nur für Verunfallte, sondern auch für Rettungskräfte überlebensnotwendig. Denn Hoffnung ist ein Schlüsselelement für psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Diese ist dringend erforderlich, um langfristig als Rettungskraft im Beruf bestehen zu können, ohne an den Belastungen zu zerbrechen. Und Hoffnung (auch in Form von Zuversicht) hilft Einsatzkräften, mit den emotionalen Belastungen, den oft traumatischen Erlebnissen und ihrer tagtäglichen Verantwortung umzugehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Hoffnung im Rettungsdienst nicht nur ein abstraktes Gefühl ist, sondern eine überlebenswichtige Ressource – sowohl für die Verunglückten als auch für die professionellen Ersthelferinnen und Ersthelfer. Elementar, so Daniel Stein, sei es hierbei für die Mitarbeitenden im Rettungsdienst, nicht auszubrennen und selbst zum „hoffnungslosen Fall“ zu werden. Daher sollten mit Dienstende der Job und die Hoffnung, allen zu helfen zu können, enden. Jede und jeder habe da seinen eigenen Weg, mit dem Erlebten umzugehen. Für eine gute Psycho-Hygiene in diesem Beruf sei es jedoch extrem wichtig, Schicksale und Erlebnisse nicht mit nach Hause zu nehmen, betont der erfahrene Retter.