
©UKW
„Immer noch ist der Graue Star (Katarakt) weltweit die häufigste Erblindungsursache“, betont der Europäische Facharzt für Augenheilkunde und Ärztliche Direktor der Universitäts-Augenklinik in Würzburg, Professor Jost Hillenkamp. Obwohl ein rund zehnminütiger Eingriff die vom Katarakt ausgelöste Linsentrübung des Auges beseitigen könnte. In Deutschland werden rund eine Million Katarakt-OPs jährlich durchgeführt, der häufigste Eingriff überhaupt. Auch weltweit führt die Graue-Star-OP die Statistik der am meisten durchgeführten OPs an – mit mittlerweile rund 20 Millionen Eingriffen pro Jahr. In ärmeren Ländern fehlt meist der Zugang zu dieser Operation, obwohl sie eine Erblindung verhindern könnte. Die häufigste Form des Grauen Stars sei der altersbedingte Katarakt (Cataracta senilis), der im Laufe des normalen Alterungsprozess bei jedem Menschen irgendwann auftrete, genauso wie graue Haare oder faltige Haut, so der Professor. Die meisten altersbedingten Veränderungen könne man nicht so einfach rückgängig machen. Das schlechte Sehen durch den Grauen Star schon – wenn bei der OP alles komplikationslos verlaufe, was es in der Regel tut. „Viele sehen sogar deutlich besser als vorher. Die dankbarsten Patientinnen und Patienten sind die stark Kurzsichtigen mit Katarakt. Die sehen hinterher so viel besser, weil die Linse jetzt klar ist.“ Das und die Tatsache, dass die Katarakt-OP inzwischen ein ambulanter, minimalinvasiver Eingriff ist, erkläre auch die Vielzahl der hierzulande durchgeführten OPs, so Jost Hillenkamp, der in Israel, Großbritannien und den USA Erfahrungen gesammelt hat. „Patientinnen und Patienten waren früher nach einer Grauen-Star-OP ein, zwei Wochen im Krankenhaus. Heute dauert der Eingriff rund zehn Minuten und die Leute gehen danach nach Hause“, sagt der Ophthalmologe. Mittels Ultraschall werde die getrübte, natürliche Linse im Auge zertrümmert und anschließend herausgesaugt. „Ein kleiner Schnitt von zwei Millimetern ist nötig, um die Kunstlinse einzubringen, die sich dann im Auge entfaltet“, erklärt Hillenkamp das Prozedere der Kataraktchirurgie. Während vor der OP verschwommenes Sehen, „wie durch eine schmutzige Fensterscheibe“ angesagt war mit blassen Farben und meist Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht, hieße es nun klare Sicht voraus! „Wenn es eine einfache, unkomplizierte Kateraktoperation ist, ist die Sehschärfe oft schon am ersten Tag sehr gut. Je nachdem, wie trüb, wie dicht, wie dick diese Linse war oder wie widerstandsfähig die Hornhaut ist“, erklärt der Ärztliche Direktor der Würzburger Universitäts-Augenklinik. Nach der OP bekomme man erst einmal eine Augenklappe verpasst, um das frisch operierte Auge zu schützen. Ein Tool, das vor allem nachts sinnvoll sei, um unbeabsichtigtes Hinfassen oder Reiben im Schlaf zu vermeiden, weiß Hillenkamp. Innerhalb von vier bis sechs Wochen pendle sich dann die endgültige Sehschärfe ein. Je nachdem, ob man sich für eine bessere Sicht in der Nähe oder in der Ferne entschieden hat, braucht man dann eine Sehhilfe für den anderen Bereich mit meist niedriger Dioptrienzahl. Egal für welche Art von Kunstlinsen (monofokal oder multifokal) man sich entscheide, so ganz ohne Brille in allen Lebenslagen gehe es hinterher in den seltensten Fällen, berichtet Professor Hillenkamp aus langjähriger Erfahrung. „Auch wenn man sich vom Sehergebnis postperativ beflügelt fühlt, Autofahren darf man mit dem frisch operierten Auge erst mal nicht“, sagt der Experte. Die Fahrtauglichkeit müsse nach der Katarakt-OP durch eine Augenärztin oder einen Augenarzt erst wieder bestätigt werden. Aber dann heißt es endlich: Klare Sicht voraus!
