Ich sehe was,was Du nicht siehst…

Augenarzt Dr. Udo Rothe in Würzburg über altersbedingten Sehverlust

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Dr. Udo Rothe hat sich in seiner Praxis in Würzburg dem guten Sehen verschrieben. Foto: Pat Christ

Dr. Udo Rothe hat sich in seiner Praxis in Würzburg dem guten Sehen verschrieben. Foto: Pat Christ

Früher nannte man ihn Okulist. Heute ist es der Augenarzt, zu dem man geht, wenn ein Schleier die Sicht trübt, wenn die Augen tränen, jucken oder die Welt im Laufe der Jahre immer verwaschener aussieht.

„Mit eigenen Augen sehen“ ist besser als mit fremden, wusste schon Martin Luther. In der Geschichte der Menschheit sind Augenärzte von jeher Spezialisten, die für den klaren Blick sorgen, gefragt und geachtet sind.

Schon zu Lebzeiten des babylonischen Königs Hammurapi (1792 – 1750 v. Chr.) gab es Gesetzestafeln, auf denen Vorschriften für Augenoperationen verzeichnet waren.

Einem Arzt, der erfolglos Augen operierte, wurden seinerzeit beide Hände abgehackt. Auch in der Geschichte des alten Griechenlands und des antiken Roms finden sich Hinweise auf angewandte Augenheilkunde.

Im Mittelalter agierten Doktor Eisenbarth und Co sogenannte „Starstecher“, die mit einem besonderen Messer an der trüben Linse des Auges, heute als „Grauer Star“ bekannt, herumdokterten.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts und endgültig im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Augenheilkunde, die bis dahin zur Chirurgie gehörte, zu einem eigenen Fach. Mit Hilfe des Mikroskops lernte man die Funktionsweise des Auges kennen.

Die Lid- und Gesichtshaut sowie die Knochen der Augenhöhle bilden die anatomischen Grenzen der Augenheilkunde. Mit modernen Untersuchungsmöglichkeiten sind auch Netzhaut, Sehnerv und Gefäße zu diagnostizieren.

Heute ist der Augenarzt bewandert in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, weiß um Zusammenhänge zu Dermatologie und Neurologie. Immer wieder kommt es vor, dass das Auge an Allgemeinerkrankungen beteiligt ist.

Daher benötigt der Facharzt für Augenheilkunde eine umfangreiche und kostspielige technische und apparative Ausstattung. Wichtigstes Untersuchungsgerät ist die Spaltlampe, ein mit spezieller Steuer- und Beleuchtungsmechanik versehenes, starkes Stereomikroskop.

Grenzen der Sichtbarkeit

Im neu gegründeten Augenzentrum am Berliner Ring arbeiten Dr. Udo Rothe und seine Kollegin Dr. Astrid Schenkel mit all diesen Gerätschaften moderner Augenheilkunde.

Im Gespräch umreißt der Facharzt Situationen, die im Zusammenhang mit dem „Sehen im Alter“ stehen. „Sehen“ – was ist das eigentlich?

Der Augenarzt gibt Antwort: „Wenn ein Lebewesen mit dem Sehorgan Muster und Konturen wahrnehmen kann.“
Beim Menschen ist das Ausmaß dieser Fähigkeit mit Hilfe eines Sehtests bestimmbar.

Die Grenze der Sichtbarkeit ist dann erreicht, wenn ein betrachtetes Objekt, das auf der Netzhaut abgebildet ist, sich nicht mehr als Kontur oder Kontrast abgrenzt, wenn keine Helligkeitsunterschiede mehr wahrgenommen werden können.

„Mit Hilfe von Sehtestbildern, sogenannten Optotypen, können wir die Lesesehschärfe („Minimum legibile“) feststellen“. Auch das Auflösungsvermögen, das heißt zwei Sehobjekte können getrennt wahrgenommen werden, ist hierbei von Bedeutung.

Irgendwann kommt für jeden Menschen der Zeitpunkt, an dem die Augen nicht mehr sehen können wie ein Luchs. Mit zunehmendem Alter lässt die Sehkraft nach.

Dr. Rothe erklärt das folgendermaßen: „Um die Augen in verschiedene Entfernungen einstellen zu können, hat die Augenlinse einen Ringmuskel. Dieser Muskel spannt an und krümmt die Linse des Auges. Somit stellt sich je nach Anspannung und Krümmung das Auge für die Nähe und verschiedene Entfernungen ein. Wenn der Spannungszustand des Muskels jedoch nachlässt und die Linse nicht mehr flexibel ist, kann man nicht mehr so gut lesen. Nach dem 40. Lebensjahr stellt sich Alterssichtigkeit (Presbyopie) ein.“

Die Sehkraft lange erhalten

Glücklicherweise gibt es dagegen Hilfsmittel. Der Facharzt weist auf die Anpassung von speziellen Brillen wie Fern-, Lese-, Gleitsicht- und PC-Arbeitsbrillen hin.

Mit vergrößernden Sehhilfen wie Lupen, Lupenbrillen, Bildschirm-Lesegeräten oder elektronischen Lesehilfen kann man ein individuelles Sehen auch im Alter ermöglichen.

„Eine wichtige Hilfe ist eine gute Beleuchtung“, fügt Dr. Rothe hinzu und betont zusätzlich die Bedeutung einer gesunden Lebensweise. „Damit kann man den Erhalt des Augenlichts wesentlich beeinflussen und den Verlust der Sehkraft hinauszögern“.

Er nennt eine gesunde Ernährung, Stärkung des Immunsystems, Bewegung und Sport. Außerdem empfiehlt er vorbeugende Untersuchungen zur Früherkennung von Erkrankungen der Augen wie Glaukom, Katarakt, Makula- und Sehnerven-Erkrankungen.

„Zusätzlich sind Antioxidantien, die die freien Radikale – aggressive Sauerstoffverbindungen in der Zelle (in Makula und Netzhaut) – sozusagen reparieren, respektive beseitigen, eminent wichtig bei der Kompensierung des Sehverlustes“.

Häufigste OP „Katarakt“

Seinerzeit reimte der Schweizer Dichter Gottfried Keller folgende Zeilen: „Trinkt, ihr Augen, was die Wimper hält/von dem goldnen Überfluss der Welt.“ Natürlich können Augenerkrankungen dieser poetischen
Aufforderung im Weg stehen.

Zu ihnen gehört der „Graue Star“ (Katarakt), einer der am häufigsten durchgeführten Eingriffe der Medizin weltweit. Er ist eine relativ harmlose, altersbedingte Erkrankung, bei der die Linse sich eintrübt.

Eine Linsentrübung kann sich auch sekundär nach Augenoperationen, nach Entzündungen oder Augapfel-Prellung entwickeln.

„Eine Operation mit Austausch der trüben Linse und Implantation mit Kunststofflinsen ist heute sehr gut möglich“, erklärt Dr. Rothe.

Circa 500.000 bis eine Million Deutsche sind vom Grünen Star (Glaukom) betroffen, circa zehn Prozent von ihnen droht die Erblindung. Zu hoher Augeninnendruck kann zu Grünem Star führen, der unbehandelt den Sehnerv schädigt.

Erhöhter Augeninnendruck entsteht, wenn der Abfluss des Kammerwassers, das die Linse benetzt, behindert wird oder es zu einer Kammerwasser-Überproduktion kommt. Daraus wiederum resultieren oft
Gesichtsfeldausfälle.

Weitere Ursachen des „Grünen Stars“ können hohe Kurzsichtigkeit oder auch Weitsichtigkeit, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen sowie sekundäre Folgen nach Entzündungen, Verletzungen oder nach Augenoperationen sein.

Eine familiäre Disposition ist oft Ursache dieser Erkrankungen. Laut Dr. Rothe erfolgt die Behandlung durch spezielle Augentropfen, spezielle Lasertherapien oder spezielle Operationen. Für eine AMD (altersbedingte Makuladegeneration) gibt es mehrere Gründe.

Neben familiärer Vorbelastung können unter anderem durch Bündelung des Sonnenlichts in der Makula aggressive Sauerstoffverbindungen („freie Radikale“) entstehen und damit Defekte in den makülären Zellen. Auch Diabetes, Hypertonie und Stoffwechsel-Erkrankungen verursachen unter Umständen
eine Veränderung in der Makula.

„Aber auch eine feuchte Makuladegeneration wird zunehmend diagnostiziert, beispielsweise bei Ischämien der Netzhaut, bei Gefäßverschlüssen und Ödembildung. Diese Erkrankungen lassen sich oft durch spezielle Behandlungen mit Injektionen erfolgreich verbessern“, weiß Dr. Udo Rothe.

Viele Erkrankungen entstehen durch mangelnde Sorgfalt im Umgang mit dem eigenen Körper und insbesondere mit den Augen.

Dabei gilt die Jahrtausende alte Empfehlung aus der Bibel damals wie heute: „Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein. Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. …“

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