Fragen Sie Ihren Apotheker!

Am Uniklinikum Würzburg ist eine von drei Arzneimittelinformationsstellen in Bayern

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Fachapotheker Dr. Tobias Schmidt leitet die Arzneimittelinformationsstelle Würzburg. Foto: ©Michaela Schneider

Es geht häufig um Wechsel- und Nebenwirkungen, alternative Therapien und zunehmend um Nahrungsergänzungsmittel. Rund 350 Anfragen im Jahr gehen in der Apotheke des Uniklinikums Würzburg ein, weil Kollegen aus öffentlichen Apotheken bei komplexen Sachverhalten fundierten Rat einholen wollen.

Seit 2003 ist sie – neben Regensburg und Erlangen – eine von drei Arzneimittelinformationsstellen (AMI) der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK) im Freistaat.

Eingerichtet wurden die AMI im Jahr 2001, um die Beratungskompetenz öffentlicher Apotheken zu stärken. Anfragen schicken öffentliche Apotheken über ein standardisiertes Formular an einen Zentralserver, von dort aus werden sie nach chronologischem Eingang gleichmäßig an die drei AMI in Bayern verteilt.

Zugang zu dem System haben nur Apotheker. Das bedeutet jedoch nicht, dass Patienten oder Ärzte keine Fragen stellen können. Doch einreichen muss diese der Apotheker vor Ort. Immer wieder geht es um Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln. „Es wird viel auf den Markt geworfen, oft mit reißerischen Versprechen“, sagt Dr. Tobias Schmidt, Leiter der AMI in Würzburg.

Die Produkte gelten dabei nicht als Arznei-, sondern als Lebensmittel und unterliegen damit anderen, weniger strengen Gesetzen. Und werden Präparate übers Internet aus dem Ausland bezogen, unterliegen sie oft nicht einmal den Kriterien des deutschen Lebensmittelrechts.

Auch beobachtet Dr. Schmidt einen „Hang in Deutschland, verstärkt individuelle Rezepturen zu verschreiben“. Für Apotheker kann dies eine Herausforderung bedeuten, denn sie sind rechtlich dazu verpflichtet, die Plausibilität jeder Rezeptur zu überprüfen.

Und immer wieder geht es in der Arzneimittelinformationsstelle in Würzburg zudem um Anfragen, die „Volksleiden“ oder Menschen mit chronischen Krankheiten betreffen. „Wir sind nicht Experten auf jedem Gebiet, aber wir wissen, wo wir Informationen finden“, sagt Dr. Schmidt.

Man habe Zugriff auf kostenintensive Datenbanken, die sich eine kleine Apotheke kaum leisten könne. Und die Apotheker des Uniklinikums verfügten über viel Erfahrung in der Suche und Interpretation von Studiendaten. Jeder Text wird dabei nach dem Vier-Augen-Prinzip kritisch gegengelesen, ehe er die Arzneimittelinformationsstelle verlässt.

Die AMI-Mitarbeiter lassen den Kollegen vor Ort dann eine wissenschaftliche Grundlage zukommen, inklusive wichtiger Texte aus Literatur und Forschung in Auszügen. Eine Entscheidung für den Apotheker vor Ort treffen sie nicht.

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