Jedes Gefühl hat seine Berechtigung, auch Angst sollte als Emotion akzeptiert werden. „Angst wie Hoffnung sind elementare Gefühle“, bestätigt die Würzburger Berührungsmedizinerin Michaela Maria Arnold. Beide Gefühle seien unmittelbar mit dem körperlichen Erleben verbunden. Und sie haben eine deutlich spürbare körperliche Wirkung: „Angst bedeutet ‚Enge‘, sie lässt uns zusammenziehen, die Muskeln anspannen, den Atem flach werden, der Körper steht unter Alarm.“ Zwischenmenschliche Aktionen, so befriedigend sie auch sonst sind, können mit Angst kaum wahrgenommen werden. „Kontakt zu anderen fällt dann schwer“, betont die Ärztin und staatlich anerkannte Masseurin. Arnold kennt viele Patientinnen und Patienten in genau diesem Zustand: „Angespannt, erschöpft und vereinsamt.“ Bewusst lenkt sie dann den Blick auf den Aspekt „Hoffnung“. Fast ein wenig so, wie man Haare umfärben lassen kann, könne man auch Gefühle anders, und zwar positiv färben. Es sei möglich, Hoffnung zu wecken. Und das sei auch wichtig für den Körper, denn Hoffnung wirkt der Angst entgegen: „Hoffnung bringt Weite in den Körper, der Atem wird freier, die Haltung richtet sich auf, Wärme kehrt zurück.“ Damit sich dieses positive Körpergefühl entfalten kann, brauche es Momente der Verbundenheit: „Zu sich und zu anderen.“ Mehr oder weniger jeder kennt das Gefühl, wie schön es ist, im Team gemeinsam an einer Aufgabe zu arbeiten. Oder sich in einer Gruppe wohlgesonnener Menschen auszutauschen. Es wäre wichtig, sich in Momenten der Angst an solche Erlebnisse zu erinnern. Oder als Ärztin oder Arzt solche Erinnerungen bei Patientinnen und Patienten hervorzuholen. „Vielleicht liegt Hoffnung gerade heute weniger in großen Versprechen als in kleinen Momenten der Verbundenheit“, sagt Michaela Maria Arnold. In diesen Momenten, wo Menschen füreinander da sind, sich wahrnehmen und berühren, entstehe etwas Hoffnungsvolles, das durch schwere Zeiten trage. Wer Abend für Abend angstvoll vor dem Fernseher sitze und sich berichten lässt, welcher Krieg, welche Krise oder welche Naturkatastrophe irgendwo auf der Welt wie viele Todesopfer gefordert hat, bleibe in der Angst stecken. „Wer hingegen den Abend in wohlwollender Gesellschaft verbringt, wacht am nächsten Morgen oft anders auf“, sagt die Berührungsmedizinerin. In diesem körperlich besseren Zustand könne es gelingen, selbst einem einfachen Sonnenaufgang Beachtung zu schenken. Der Blick in die Welt zeigt, dass sie nicht ausschließlich von Schlimmem und Angsteinflößendem übersät ist. Es gibt Hoffnungsmomente. Konkret könnten diese im Kontakt mit Ärztinnen oder Ärzten in einem aufrichtigen Gespräch oder achtsam zugewandter Behandlung geschehen, so Arnold. Schon das Gefühl, mit den eigenen Nöten nicht allein zu sein, lasse Hoffnung wachsen. Vor allem aber im Privaten liege eine leise, oft unterschätzte Kraft. Die Ärztin appelliert, ganz bewusst liebevolle Beziehungen zu pflegen: „Und sich einander anzuvertrauen.“