Ausstellung am Uniklinikum Würzburg: Kunsttherapie als Weg aus der Sprachlosigkeit von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen

Kunsttherapie kann helfen, die Sprachlosigkeit und die Vertrauenslücke bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zu überwinden

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Ailina, eine ehemalige Patientin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg, erläuterte den Gästen der Vernissage ihr erstes in der Kunsttherapie geschaffenes Werk. Foto: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Kunsttherapie kann helfen, die Sprachlosigkeit und die Vertrauenslücke bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zu überwinden. Das macht eine Ausstellung von Werken aus der kunsttherapeutischen Arbeit am Uniklinikum Würzburg anschaulich.

Eine Ausstellung in der Magistrale des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) an der Oberdürrbacher Straße zeigt noch bis zum 17. Dezember 2019 Bilder, die in der kunsttherapeutischen Arbeit mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen im klinischen Kontext entstanden. Veranstalter der Schau mit dem Titel „Selbstbilder“ ist die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP).

Kreatives Gestalten stärkt die Autonomie und das Selbstwertgefühl
Bei der Vernissage am 18. Juli 2019 sagte deren Direktor, Prof. Dr. Marcel Romanos: „Manche unserer jungen Patienten können ihre Gefühle und psychischen Probleme zunächst nicht benennen. Dann brauchen wir alternative Strategien.“ Nach seinen Worten schafft es die Kunsttherapie immer wieder, Wege aus dieser Sprachlosigkeit zu finden und vorhandene Vertrauenslücken zu überwinden. Wie, das beschrieb Burghilt Henzel, eine der Kunsttherapeutinnen der KJPPP bei der Ausstellungseröffnung: „Die Kunstwerke entstehen in Einzel- oder Gruppenarbeit. Im Vordergrund steht dabei immer der Prozess, nicht das Schaffen eines schönen Bildes“.

Eine der Ausdrucksformen dazu ist der therapeutische Triptychon. Hierbei werden drei zusammenhängende Bilder geschaffen, die eine mögliche Entwicklung sichtbar machen: von der problematischen Situation oder Gefühlswelt über Lösungsideen hin zu einer wünschenswerten Zukunft. „Eines der Ziele dabei ist es, durch das kreative Gestalten die Autonomie und das Selbstwertgefühl der Patienten zu steigern“, schilderte Burghilt Henzel.

Erläuterungen durch ehemalige Patientin
Für einen sehr authentischen und bewegenden Moment sorgte bei der Vernissage das öffentliche Interview mit Ailina, einer ehemaligen Patientin der Jugendstation der KJPPP. Die junge Frau erläuterte den rund 80 Gästen ihr erstes in der Kunsttherapie geschaffenes Werk. Dabei betonte sie: „Die Kunsttherapie hat mir eine Möglichkeit gegeben, mich auszudrücken, wie es sonst einfach nicht möglich war.“ Auch für ihren weiteren Lebensweg setzte dieses Erleben Ziele: Sie arbeitet derzeit an einer Präsentationsmappe für ein Kunsttherapie-Studium.

Die Ausstellung umfasst 40 Bilder aus den vergangenen fünf Jahren, denen Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, bei der Eröffnungsfeier eine „überwältigenden Qualität“ bescheinigte. Die mal lustigen, mal traurigen, mal zum Nachdenken anregenden Arbeiten können käuflich erworben werden.

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