Armdrücken mit dem Tod

Dr. Frank Stirkat über den abwechslungsreichsten Job der Welt: Notarzt

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„Natürlich geben wir in jeder Situation unser Bestes – besonders, wenn es um Leben und Tod geht. Aber manchmal ist unser Bestes einfach nicht genug und die Patienten sterben. Wie man sich dann fühlt? Schuldig. Auch wenn man weiß, dass man nichts dafür kann“, schreibt Frank Stirkat in „Ich kam, sah und intubierte“. Foto: © Emotion in Frames Photographie

Dr. Frank Stirkat (33) gibt in seinem Buch „Ich kam, sah und intubierte“ Einblicke in einen der abwechslungsreichsten Jobs der Welt, den eines Notarztes: „Ich gehe jeden Morgen zur Arbeit, ohne zu wissen, was mich erwartet. Vielleicht werde ich ein Leben retten, vielleicht aber auch eins verlieren“, so der Leiter einer großen Notarztwache, der seine Assistenzarztzeit in Erlangen absolvierte.

Sein Onkel sagte einmal zu ihm: „Du spielst jeden Tag Armdrücken mit dem Tod. Und manchmal gewinnst du!“ Ob Herzinfarkt oder Verkehrsunfall, sobald das Schicksal zuschlägt, sind Frank Stirkat und sein Team zur Stelle.

Um Menschenleben zu retten, müssen Rettungskräfte oft bis ans Limit gehen und manchmal darüber hinaus. Sie unterstützen Patienten bei der Bewältigung dramatischer Situationen und erhalten Einblicke in Lebensumstände, bei denen andere lieber wegsehen.

„Leben retten und am Leben bleiben“, ist ein Merksatz, der sich Dr. Stirkat fest ins Gedächtnis eingebrannt hat. Denn anders als in den amerikanischen Fernsehserien, wo junge (gutaussehende) Ärzte ihr Leben für ihre Patienten riskieren und am Ende das Happyend steht, geht es im wirklichen Leben nicht immer gut aus.

„Das Team muss den Einsatz überleben“, das ist die oberste Maxime des Notfallmediziners. Auch wenn das Buch stellenweise nichts für schwache Nerven ist, ist man froh es gelesen zu haben! Alltägliche, nachdenkliche und skurrile Geschichten erzählt der Lebensretter auf anschauliche, aber auch humorvolle Weise.

Die beiden Songs, die den Takt angeben, wenn es um Reanimation geht, sind „Staying Alive“ und „Highway to Hell“. „Nur laut mitsingen sollte man besser nicht – das könnte andere irritieren“, meint der Arzt augenzwinkernd.

Humor ist überlebensnotwendig in diesem Beruf, vor allem für die eigene Psychohygiene, aber nicht immer ist dieser angebracht: „Denn seien wir ehrlich: Jeder von uns rechnet mit der Ewigkeit … unser Verstand ist nicht dafür ausgelegt, elementare Dinge wie Liebe, das eigene Leben oder das von anderen als endlich zu betrachten. Wird uns die Endlichkeit des Seins dann vor Augen geführt, geraten wir an unsere Grenzen“, sagt der Notarzt, der neben der lebensrettenden Aufgabe im Einsatz und der Sorge um sein Team auch Einfühlungsvermögen und Empathie für die Angehörigen der Opfer aufbringen muss.

Falk Stirkat:
Ich kam, sah und intubierte, Wahnwitziges und Nachdenkliches aus dem Leben eines Notarztes,
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH Berlin, 5. Auflage Mai 2016,
ISBN 978-3-86265-496-3, Preis: 9.99 Euro,
www.schwarzkopf-verlag.net

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