Endlich wieder Kaffee trinken

Vizeralchirurg Dr. Hartmut Roth über Reflux und die Fundoplicatio

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©privat

Viele Menschen nehmen Sodbrennen lange nicht ernst. Der Spezialist Dr. Hartmut Roth, Chefarzt der Abteilung Minimalinvasive Chirurgie am Fachklinikum Mainschleife, sieht genau hier Probleme für Patientinnen und Patienten. Er rät: „Eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen bei allem, was über sporadisches Sodbrennen hinausgeht.“ Sporadisch bedeute, das Sodbrennen trete sehr selten nach einer üppigen Mahlzeit auf und verschwindet spontan wieder, ohne große Maßnahmen. Sporadisches Auftreten sei nicht behandlungsbedürftig. Krankhaft werde Reflux dann, „wenn er regelmäßig und dauerhaft störend ist und mit Symptomen einhergeht. Dafür gibt es keine feste Definition. Entscheidend für Patientinnen und Patienten ist, ob sie sich eingeschränkt fühlen.“ Reflux sei heute in Europa eine der am schnellsten zunehmenden Erkrankungen, betont Dr. Roth. „Es ist ein Thema, über das ungern gesprochen wird, dabei nimmt es explosionsartig zu“, so der Facharzt für Viszeralchirurgie, für Allgemeinchirurgie und Spezialist für minimalinvasive Chirurgie. Hauptursachen seien Übergewicht und Fehlernährung. Daher: „Extrem kalorienreiche, fettreiche, zuckerreiche Ernährung meiden!“ Bei Frauen komme unter anderem die Belastung durch Schwangerschaften hinzu. Eine zentrale Rolle spielt für Roth der Zwerchfellbruch. „Ohne Zwerchfellbruch tritt Reflux prinzipiell nicht auf. Aber nicht jeder Zwerchfellbruch macht Beschwerden.“ Operiert werde nur, „wenn Symptome da sind oder wenn der Bruch so groß ist, dass sich der Magen in den Brustraum verlagert und die Funktion von Herz oder Lunge beeinträchtigt.“ Medikamente wie Protonenpumpenblocker seien leitliniengerecht der erste Schritt. „Sie nehmen das Brennen, aber nicht das Problem. Der Mageninhalt steigt weiter hoch, nur ohne Säure.“ Die Volumenbelastung bleibe bestehen und damit die latente Übelkeit und Unwohlsein. Die Operation (Fundoplicatio) setzt genau dort an. „Ich bin Chirurg und möchte die Ursachen beheben. Bei der Operation nähe ich den Zwerchfellbruch und unterstütze den unteren Schließmuskel.“ Der Magen werde dabei nicht entfernt, sondern „wie ein Mantel um die Speiseröhre gelegt und fixiert“. Dadurch entstehe wieder Spannung und Muskelkraft. Und diese sei nötig, wie er erklärt: „Durch die Operation funktioniert der Schließmechanismus wieder und der Magensaft kann nicht mehr in die Speiseröhre hochsteigen.“ Heute werde der Eingriff minimalinvasiv durchgeführt. „Wir operieren laparoskopisch mit fast keinem Blutverlust.“ Entscheidend sei das eingespielte Team. „Jede und jeder sieht jederzeit, was passiert.“ Dr. Roth bevorzugt die Toupet-Fundoplicatio. „Ich habe früher die Vollmanschette operiert, bin aber umgestiegen.“ Der Grund sei einfach. „Die Refluxkontrolle ist gleich gut, aber Schluckstörungen etwa sind deutlich seltener.“ Die Speiseröhre bleibe beweglicher. „Wenn man sich verschluckt, kann die Nahrung trotzdem passieren.“ Ängste vor Nebenwirkungen seien verständlich. „Null Risiko gibt es in der Medizin nicht, durch die modernen minimalinvasiven Methoden sind diese heute aber sehr klein und absolut vertretbar geworden.“ Entscheidend sei der Nutzen. „Viele Patientinnen und Patienten berichten mir, dass sie zum ersten Mal seit Jahren wieder Kaffee trinken können oder ein Glas Wein, ohne Schmerzen zu haben.“ Alternativen zu der Fundoplicatio wie Magnetringe sieht Dr. Roth kritisch. „Stahl gehört nicht an ein so sensibles Organ.“ Sein Rat an Betroffene ist klar. „Eine Operation ist kein Lifestyle-Eingriff. Sie ist sinnvoll, wenn Beschwerden bestehen und die Lebensqualität leidet.“ Und präventiv gelte wie so oft: „Bewegung stärkt auch das Bindegewebe. Gewichtsreduktion allein kann Reflux deutlich bessern.“ 

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