
©Ästhetik im Fachklinikum Mainschleife
Hoffnung ist ein leises Wort. Es kommt selten laut daher, eher als inneres Ziehen, als Wunsch, dass etwas wieder zusammenpasst. In der ästhetischen Chirurgie begegnet sie täglich Menschen, die ihr Inneres mit dem Äußeren in Einklang bringen möchten. Das spiegelt sich auch in Zahlen wider: Laut der International Society of Plastic Surgery (ISAPS) gab es 2021 deutschlandweit 461.000 Schönheitsoperationen und damit rund doppelt so viele, wie noch zehn Jahre zuvor. Die Bundesrepublik gehört heute zu den Ländern mit den meisten ästhetisch-plastischen Eingriffen weltweit1. Dem Statistikportal Statista zufolge, seien die meisten Patientinnen und Patienten zwischen 31 und 40 Jahre alt. Doch die Altersgruppen der 41- bis 50-Jährigen und der über 61-Jährigen verzeichnen hohe Zuwachsraten. Eine Schönheitsoperation sei laut Dr. Claudia Sudik vom Fachklinikum Mainschleife in Volkach „eine Veränderung der Körperform ohne medizinische Notwendigkeit, bei der nicht die Funktion, sondern die Optik im Mittelpunkt steht“. Dennoch gehe es dabei selten um Oberflächlichkeit, betont sie. Viele Patientinnen und Patienten kämen mit einer tiefen Erwartung: sich selbst wiederzuerkennen. Besonders deutlich werde das bei Menschen, die Lebensveränderungen erlebt haben. Schwangerschaften, Gewichtsschwankungen, das Älterwerden. „Sie haben sich ihr Selbstbild mit Anfang oder Mitte 20 gebildet und sich sehr davon entfernt. Sie wollen sich dem wieder annähern.“ Hoffnung richte sich hier nicht auf Perfektion, sondern auf Vertrautheit. Anders sei die Motivation bei vielen jungen Menschen. Sie befänden sich auf einer Selbstbildsuche, oft stark beeinflusst von medialen Bildern. „Das Ich muss mit einer bestimmten körperlichen Optik verbunden sein“, erklärt sie. Hoffnung werde hier nicht aus Erfahrung gespeist, sondern aus Idealvorstellungen. Die Erwartung dieser jungen Menschen: über eine äußere Veränderung zu sich selbst finden. Ein zentraler Teil ihrer langjährigen Arbeit sei es, diese Hoffnungen einzuordnen. Dr. Sudik spricht offen über Grenzen. Sie erklärt, was real sein könnte und was ein Bild im Kopf oder am Bildschirm ist. Chirurgie sei Handwerk, kein Zauber, betont sie nachdrücklich. Narben gehörten immer dazu. Gerade Menschen ohne echten Leidensdruck hätten oft die unrealistischsten Erwartungen. Hoffnung müsse deshalb ehrlich begleitet werden, nicht genährt um jeden Preis. Zu den häufigsten Eingriffen, die sie durchführt, zählen Oberlidstraffungen, Bauchdeckenplastiken und Fettabsaugungen bei Frauen wie bei Männern. Besonders dankbar erlebe sie Patientinnen nach rekonstruktiv-ästhetischen Eingriffen. Die Erwartungen seien realistisch, die Hoffnung klar benennbar: sich wieder wohlfühlen, Kleidung tragen können, sich nicht mehr verstecken müssen. Auch minimalinvasive Behandlungen wie Botulinumtoxin können laut Sudik sichtbare, zufriedenstellende Effekte erzielen: richtig angewendet, mit Augenmaß. Der anhaltende Trend zu Schönheitsoperationen sei aus ihrer Sicht eng mit dem Prinzip Hoffnung verbunden. „Die Hoffnung, Zeit anzuhalten. Die Hoffnung, sich festzuhalten.“ Und mehr noch: „Die Hoffnung auf Selbstliebe.“ Auf den Moment, in dem das innere Bild und das äußere Empfinden nicht mehr im Widerspruch stehen. Social Media spiele dabei eine ambivalente Rolle. Es schüre keine realistischen Erwartungen, sondern baue oft unerreichbare Hoffnungen auf. Gerade junge Menschen kämen mit Wunschlisten statt mit Fragen. Für Dr. Sudik gehört es deshalb zur ärztlichen Verantwortung, auch Nein zu sagen. Hoffnung dürfe unterstützen, aber sie dürfe nicht täuschen. Am Ende bleibt Hoffnung kein Versprechen auf ein neues Leben. Sondern auf einen Schritt näher zu sich selbst.
Quelle: 1https://de.statista.com/statistik/daten/studie/221664/umfrage/anteil-der-haeufigsten-schoenheitsoperationen-in-deutschland/
