Orientierung, Halt & Kraft

Resilienz-Trainerin Isabelle Meid über das Prinzip Hoffnung

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©Daniel Pinho

„Die ganze Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzelnen Kerze nicht löschen.“, wusste schon Franziskaner-Mönch Franz von Assisi. Resilienz-Trainerin und Gesundheits-Coachin Isabelle Meid aus Estenfeld greift das Bild der Kerze in Bezug auf das Prinzip Hoffnung auf und sagt: „Hoffnung wirkt wie eine Kerze in der Dunkelheit: Sie beseitigt zwar nicht sofort ein Problem – aber sie gibt Orientierung, Halt und Kraft, um weiterzugehen.“ Diese innere Ausrichtung sei eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Heilung möglich wird. Es sei nicht so, dass Hoffnung per se heilt, indem sie Probleme verschwinden lässt, sondern indem sie unseren inneren Zustand verändere – und damit die Art, wie wir leben, handeln und auf uns selbst und die Welt blicken. Meid: „Wenn Hoffnung entsteht, erlebt das autonome Nervensystem als eine Art  inneren Sicherheitsmanager: ‚Es gibt eine Möglichkeit. Ich kann etwas tun.‘ Wir fühlen uns sicher genug, da wir uns als handlungsfähig erleben.“ In diesem Zustand würden innere Prozesse aktiviert, die Heilung überhaupt erst erlauben. „Wenn wir uns innerlich sicher genug fühlen, kann der Parasympathikus seine regenerative Arbeit verrichten. Das Immunsystem arbeitet effizienter, Schlaf, Verdauung und Zellregeneration verbessern sich“, erklärt die Resilienz-Trainerin. „Auf psychischer Ebene erleben wir wieder mehr Handlungsspielraum, Sinn und Motivation. Wir fühlen uns freier und lebendiger.“ Umgekehrt sei es in Phasen, in denen wir keinen Ausweg mehr sehen. Das Nervensystem verändert dann seine Arbeitsweise. „Wir fühlen uns nicht mehr verbunden und sicher – stattdessen geht es gefühlt ums Überleben.“ Ohne Hoffnung fehle oft der innere Impuls, sich zu bewegen, Hilfe anzunehmen oder etwas zu verändern. Der Körper bleibe in einem Rückzugszustand, der zunächst schützen soll, auf Dauer jedoch krank machen kann, so Meid. Dabei sei wichtig zu begreifen, dass Hoffnungslosigkeit kein Zeichen von Schwäche oder fehlender positiver Einstellung ist. Sie entstehe, wenn das Nervensystem über längere Zeit ­Belastung, Überforderung oder Bedrohung erlebt hat – ohne ausreichende Entlastung auf der anderen Seite. „Der Körper versucht in diesem Zustand nicht, uns zu schaden, sondern uns zu schützen“, betont die Therapeutin. Wenn keine Sicherheit mehr wahrgenommen werde, fährt das System Erwartungen und Energien herunter. „Hoffnungslosigkeit erzählt deshalb nichts über den Wert eines Menschen, sondern über das, was er erlebt hat.“ Und auch beim Wiedererstehen von Zuversicht nach Zeiten der Hoffnungslosigkeit sei das Bild der Kerze ein adäquates Symbol. Isabelle Meid: „Man kann sich das vorstellen wie das Anzünden einer Kerze: Sie vertreibt nicht sofort die Dunkelheit, aber sie schenkt Orientierung. Mit jedem Schritt wird das Licht stärker!“

Fotos: Isabelle Meid ©Daniel Pinho, Freepik.com, Pixabay.com

 

www.isabelle-meid.de

Link für ein paar kleine praktische Anleitungen zum Orientieren, Verbinden und Hoffnungs-Glimmer erkennen in turbulenten oder dunklen Zeiten.

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