Angehörige wissen, dass sie an sehr heißen Tagen kontinuierlich am Ball sein müssen: Trinkt der betagte Vater genug, nimmt die demenziell veränderte Mutter ausreichend Wasser zu sich? „Flüssigkeitsmangel ist wahrlich ein großes Problem im Alter, da der Körper dann weniger Reserven an Flüssigkeit hat“, sagt dazu der Würzburger Geriater Dr. Michael Schwab. Aber nicht allein durch das Alter, sondern auch durch Krankheiten und Medikamente können Regulationsmechanismen bei Seniorinnen und Senioren beeinträchtigt sein. Die meisten medizinischen Laien wissen inzwischen, wie wichtig Trinken an Hitzetagen ist. In den vergangenen Jahren wurde hierüber massiv aufgeklärt, und zwar konkret mit Blick auf alte Menschen, bei denen das Durstgefühl in vielen Fällen nachlässt. Vor allem bei Frauen ist das so. Dr. Michael Schwab hat es dennoch immer wieder mit den Konsequenzen des Mangels an Flüssigkeit gerade in der Geriatrie zu tun. „Leider gibt es aber keine verlässlichen Zeichen für Flüssigkeitsmangel“, erläutert Schwab. Mögliche subjektive Beschwerden könnten Schwäche, Verwirrtheit und Schwindelbeschwerden insbesondere beim Aufstehen sein. Dass immer wieder zum Teil drastische Fälle von Flüssigkeitsmangel auftauchen, erscheint angesichts der intensiven Aufklärungskampagnen erstaunlich. Doch Michael Schwab hatte vor gar nicht so langer Zeit erst wieder einen ganz konkreten Fall. „Eine 81 Jahre alte Seniorin, die zu Hause lebt, reduzierte ihre Trinkmenge, um Einlagen zu sparen und um nachts nicht so oft zur Toilette zu müssen, da sie inkontinent war“, schildert er. Wegen der geringen Menge an Harn entzündete sich die Blase: „Ich wurde am Morgen vom Ehemann gerufen, als er seine Frau im Dämmerzustand vorfand.“ Nach einer Infusion sei die Frau wieder wach und ansprechbar gewesen. Auch wenn nicht grundsätzlich Flüssigkeitsmangel als Beweis für einen plötzlich deutlich verschlechterten Zustand herbeigeführt werden kann: Während der warmen Jahreszeit liegt der Verdacht in jedem Fall nahe. „Im Hitzesommer 2003 starben in Europa rund 70.000 ältere Menschen zusätzlich wegen unzureichender Flüssigkeitsaufnahme, zum Teil begünstigt durch wassertreibende Medikamente“, so Dr. Schwab. In der Krankenhausbehandlung sähen er und seine Kolleginnen und Kollegen oft Patientinnen und Patienten, die mit akutem Nierenversagen aufgenommen werden, und zwar eindeutig ausgelöst durch einen Mangel an Flüssigkeit. Weil man betagten Angehörigen die Entscheidung über das Trinken nicht ganz alleine überlassen könne, rät der Arzt, die Flüssigkeitszufuhr zu kontrollieren: „Dabei hat sich bewährt, die angestrebte Trinkmenge zu Beginn des Tages bereitzustellen.“ So sieht man am Abend sofort, ob das Pensum geschafft wurde. Man darf dies aber auf keinen Fall völlig über den Kopf der Seniorin oder des Seniors hinweg tun: „Man sollte erklären, warum diese Menge zu trinken ist.“ Ein Liter sollte das Minimum sein. Klettern die Temperaturen über 30 Grad hinaus, liegt das Minimum bei zwei Litern: „Bei stärkerer Herz- oder Nierenschwäche muss die Trinkmenge aber mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.“
Trinken, trinken, trinken?
Geriater Dr. Michael Schwab gibt Tipps, um Flüssigkeitsmangel im Alter vorzubeugen
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