
©Daniel Meeh
„Ich kann mein Zuhause doch nicht einfach für mehrere Wochen verlassen!“, so oder so ähnlich mag es so mancher oder so manchem gehen, der sich plötzlich mit der Notwendigkeit einer Rehabilitation konfrontiert sieht. Die berechtigte Frage steht im Raum: „Gelingt Genesung daheim genauso gut wie in einer Einrichtung?“ Das Team im Therapiehaus Ludwigstraße in Würzburg kennt solche Bedenken und weiß: Es gibt einen „Mittelweg“, die ambulante Intensivtherapie. Sie verbindet die Therapiedichte einer stationären Rehabilitation mit den Vorteilen des Verbleibs im gewohnten häuslichen Umfeld. „Die Patientinnen und Patienten kommen über mehrere Wochen an vier bis fünf Tagen pro Woche zu uns ins Therapiehaus und erhalten dort ein eng abgestimmtes, interdisziplinäres Therapieprogramm aus Physiotherapie, Osteopathie, Ergotherapie und Logopädie.“, erklärt Inhaberin Kirsten Möller. Im Unterschied zur klassischen ambulanten Therapie, die meist nur ein- bis zweimal wöchentlich stattfindet, ermögliche die hohe Frequenz deutlich intensivere Lern- und Anpassungsprozesse, betont die Physiotherapeutin. Gleichzeitig bleibe der Alltag erhalten, was einen wesentlichen Unterschied zur stationären Reha darstellt, bei der der Transfer in das häusliche Umfeld oft erst nach Abschluss der Maßnahme erfolgt. Die hohe Therapiefrequenz sieht Möller als entscheidend. „Sie erlaubt kontinuierliches, aufeinander aufbauendes Arbeiten ohne lange Unterbrechungen.“ Bewegungsabläufe, kognitive Strategien oder sprachliche Fähigkeiten könnten der Expertin zufolge gezielt angebahnt, wiederholt und stabilisiert werden. Fortschritte würden schneller sichtbar, Rückschritte durch Therapiepausen reduziert und Therapieziele konsequenter verfolgt. Eine besondere Rolle spiele dabei das häusliche Umfeld. Fähigkeiten, die im Therapiehaus erarbeitet werden, könnten direkt im Alltag angewendet, überprüft und angepasst werden. Probleme würden nicht theoretisch, sondern konkret im Lebenskontext der Patientinnen und Patienten bearbeitet, etwa bei der Selbstversorgung, beim Gehen in der eigenen Wohnung oder in der Kommunikation mit Angehörigen. „Der kontinuierliche Austausch im Team stellt sicher, dass alle Maßnahmen aufeinander aufbauen und die Patientinnen und Patienten ganzheitlich begleitet werden“, so die Physiotherapeutin. Besonders geeignet sei die ambulante Intensivtherapie für Menschen nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma sowie bei neurodegenerativen Erkrankungen in stabilen Phasen. Auch orthopädische oder komplexe funktionelle Einschränkungen könnten profitieren. Kinder mit Sprach- und Entwicklungsdefiziten fänden ebenfalls die Möglichkeit, intensiv gefördert zu werden. Grenzen sehe ihr Team dort, wo eine durchgehende medizinische Überwachung erforderlich ist oder die Belastbarkeit für ein ambulantes Setting nicht ausreicht. Angehörige profitieren ebenfalls von der wohnortnahen Therapie, da sie aktiv in den Therapieprozess einbezogen werden könnten. Gleichzeitig reduziere das Setting organisatorische Belastungen und ermögliche es, Fortschritte im Alltag mitzuerleben – „ein wichtiger Faktor für langfristige Stabilität“, betont Möller. In der Praxis werde die ambulante Intensivtherapie zudem häufig als Alternative bei langen Wartezeiten auf stationäre Reha genutzt. „Gerade nach Akutereignissen ist ein zeitnaher Therapiebeginn entscheidend“, sagt Möller. Sie stellt aber auch klar: „Die Genehmigungsprozesse sind teilweise komplex und erfordern eine enge Abstimmung mit Ärztinnen, Ärzten und Krankenkassen.“ Nichtsdestotrotz sei die ambulante Intensivtherapie für sie und ihr Team ein „zukunftsweisendes Modell, das weiter an Bedeutung gewinnen wird – insbesondere durch den demografischen Wandel und den Wunsch nach wohnortnaher Versorgung.“
