Nicht jedem Trend nachjagen

Wie ein nachhaltiger Kleiderschrank gelingen kann

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Ein prallvoller Kleiderschrank mit lauter Sachen, die höchstens einmal, vielleicht sogar nie getragen werden, widerspricht einem nachhaltigen Lebensstil. Wie man seinen Kleiderschrank nachhaltig gestalten kann, dazu hat Annika Röding Tipps auf Lager. Die Würzburgerin engagiert sich für die globale Kampagne „Fashion Revolution”. Mission der Bewegung ist es, Konsumentinnen und Konsumenten für Nachhaltigkeit im Fashion-Bereich empfänglicher zu machen. Die wichtigste Message lautet: „Weniger Trends hinterherjagen und den eigenen Stil finden.“ Das, was dann im Kleiderschrank hängt, sollte man pflegen. Natürlich geht dennoch immer mal wieder was kaputt: „Dann sollte man die Kleidung reparieren und nicht gleich wegwerfen.“ Textilarbeiterinnen und -arbeiter in weit entfernten Ländern, die vielfach unter unsäglichen Bedingungen schuften müssen, sind bekanntlich die Verliererinnen und Verlierer der internationalen Fashionwelt. Annika Röding klärt seit über zwei Jahren mit ihrer Gruppe „Fashion Revolution Würzburg“ über Missstände in der Modeindustrie auf. Sie appelliert, keine Fast-Fashion-Marken zu kaufen: „Zu viel Kleidung ist in schlechter Qualität billig hergestellt aus umweltunfreundlichen und gesundheitsschädlichen Materialien.“ Solche Stücke hätten in einem nachhaltigen Kleiderschrank nichts zu suchen. Zumal diese Klamotten oft nur schwer oder manchmal gar nicht zu recyceln sind. Eigentlich sollten Unternehmen durch das europäische Lieferkettengesetz vertraglich zur Einhaltung der Menschenrechte entlang ihrer Lieferkette verpflichtet werden. Dieses Gesetz scheint allerdings nach aktuellen Meldungen im Vergleich zu den ersten Entwürfen deutlich abgeschwächt zu werden. Nur sehr große Unternehmen sollen verpflichtet sein, sich daran zu halten. Konsumentinnen und Konsumenten müssten es also weiterhin in erster Linie mit sich selbst ausmachen, was in ihren Kleiderschrank einzieht und was nicht. In Bezug auf Bekleidung appelliert die Aktivistin, Second-Hand-Mode zu kaufen oder Kleidung zu tauschen. Vor allem sollte man nicht immer auf die neueste Mode aus sein: „Die ist ja auch oft schnell wieder out.“ Nachhaltige Mode finde man nach ihren Worten in Würzburg etwa im Weltladen, im Naturkaufhaus oder im Zukunftshaus. Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, von dort wegziehen müssen, wo sie bisher gewohnt haben, nehmen oft mit Erstaunen wahr, was sich alles in ihrem Kleiderschrank angesammelt hat. Dies geschiehe, so Annika Röding, weil die Kernfrage nicht gestellt wird: „Brauche ich das wirklich?“ Vieles, was man neu kauft, sei unnötig. Die Fashion-Revolution-Aktivistin fordert dazu auf, Kleidung lange zu tragen. Das erscheint nur auf den ersten Blick langweilig: „Man kann ja neue Kombinationen schaffen. Tut man dies bewusst, stellt sich schnell heraus, dass man gar nicht so viele Kleidungsstücke braucht, um ein gutes Outfit zu haben.“ 

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