Gesundheit: Verbundenheit   & Beziehung

Der Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Klaus-Dieter Preis über die Heilung des Ganzen

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Für Dr. Klaus-Dieter Preis findet sich Gesundheit nicht in einer Diagnose, die sich allein auf technische Daten gründet. Für ihn beginnt sie, wenn sich Ärztin oder Arzt und Patientin oder Patient wirklich begegnen. „Gesundheit setzt für mich voraus, dass die beiden in Beziehung treten“, betont der erfahrene Allgemeinmediziner im Gespräch mit der Lebenslinie. Dieses Verständnis habe sich im Laufe seiner Tätigkeit, die er mehr als 40 Jahre in eigener Praxis in Gößweinstein ausübte, verfestigt. Gespräch und körperliche Untersuchung gehörten untrennbar zusammen. Entscheidend dabei sei das gegenseitige Vertrauen. Ohne diese Basis verliere Medizin an heilender Kraft. Dr. Preis ist schulmedizinisch ausgebildet, doch früh kamen Naturheilweisen hinzu. Sie hätten ihm gezeigt, wie unzureichend die Behandlung von Krankheit sei, wenn sie auf das Ergebnis technischer Daten verkürzt werde. Mit einem ganzheitlichen Verständnis von Gesundheit hat er in mehr als zehnjähriger Arbeit zwei Bücher verfasst. Sie setzen sich nicht nur mit dem verkürzten Verständnis von Gesundheit in der Medizin auseinander, sondern auch mit dem Gesundheits-/Krankheitszustand unserer Gesellschaft. Für den Arzt ist es von größter Bedeutung, den Menschen in seiner familiären, beruflichen und sozialen Bezogenheit wahrzunehmen. Wird er nur nach messbaren Daten beurteilt, gehe er als Mensch verloren. Er stellt klar: Wer ausschließlich Parameter behandle, verliere den heilsamen Impuls der Beziehung zwischen zwei Menschen. Erst damit fühlen sich Kranke verstanden und begleitet, nicht „verwaltet“. Die Verkürzung der Sicht von Problemen auf technische Lösungen sieht Preis aber nicht nur im Sprechzimmer, sondern im gesamten gesellschaftlichen System. Die zunehmende Ökonomisierung und Effizienzsteigerung treibe dies unheilvoll voran. Sehr kritisch blickt er auf die Schließung kleiner Kliniken. „Das ist fatal!“ Dort gebe es oft noch persönliche Bindung. Angehörige könnten leicht kommen, man kenne Pflegepersonal und Behandelnde. So entstehe Nähe, alles Teil von Gesundheit. Das lasse sich durch technische Effizienz nicht ersetzen. Ein zentrales Motiv seines Denkens sei die umfassende Verbundenheit des Menschen mit der Natur. Der Rückgang an Artenvielfalt, die Monotonisierung der Landschaft und der Verlust an Schönheit seien daher Signale unserer Krankheit. Der Verlust an Verbundenheit führe Menschen in Einsamkeit und Depression oder mache sie aggressiv und gewaltbereit. Die Vielfalt der Natur sei dagegen Ausdruck unserer Gesundheit. Ihr Erlebnis lasse uns staunen, mache lebendig und dankbar. Anders gesagt: Je größer die Verbundenheit, desto gesünder werde der Mensch. Krankheit versteht Dr. Preis daher nie ausschließlich als biologisches Phänomen. Selbst bei klar körperlichen Ereignissen entscheide die Lebenssituation darüber, wie Heilung verläuft. „Krankheit ist immer eine Anfrage an mein Leben, an meinen Umgang mit dem Leben, an Beziehungen, Belastungen und Sinnfragen.“ Gesundung hänge wesentlich davon ab, wie eingebettet ein Mensch sei, wie getragen er lebe. Der Arzt ist überzeugt: Würde sich Medizin wieder stärker in Verbundenheit verstehen, könnten beide Seiten gewinnen. Ärztinnen und Ärzte würden mehr Freude empfinden, weil sie Leben kennenlernen dürften, nicht nur Befunde. Patientinnen und Patienten fühlten sich angenommen und ernst genommen. Sein Wunsch für die Zukunft ist klar: „Ich wünsche mir, dass Medizin offener und mutiger wird und sich in den großen Zusammenhang hineinbegibt, wo sie sich auch für die Gesundung unserer Erde zuständig weiß.“ Gesundung, so sein Fazit, sei nichts Technisches. Sie sei lebendig, verbunden und immer Teil des Ganzen.  

Dr. Klaus-Dieter Preis: Die fatale Verkürzung der Welt. Plädoyer für eine gesunde Medizin und Gesellschaft. Band 1: Der Wert ganzheitlich medizinischen Denkens für den Einzelnen und das Gesundheitswesen, Band 2: Der Wert ganzheitlich medizinischen Denkens für den Einzelnen und die Gesellschaft, R.G. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024, Band I:
ISBN: 978-3-8301-1936-4, Band II: ISBN: 978-3-8301-1935-7, Band I: 29,90 Euro, Band II: 19,90 Euro, www.rgfischer-verlag.de

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