Ein geliebter Mensch, verliert sein Ich

Künstlerin und Psychologin Sarah Straub mit einer Konzert-Lesung über Demenz

0

Es ist schrecklich, wenn sich das Verhalten der Partnerin oder des des Partners, der Mutter oder des Vaters allmählich verändert. Wenn Fähigkeiten nachlassen. Desorientierung einsetzt. Dass dies ängstigt, daraus macht Sarah Straub keinen Hehl. Doch sei es möglich, mit dieser Angst umzugehen, sagt die Demenzexpertin und Liedermacherin, die mit ihrem Bühnenprogramm „Lebensmut trot(z) Demenz“ am 24. April in Bad Brückenau und am 11. September in Kitzingen auftritt. Leicht könnte man sagen, dass alles nur eine Sache der Haltung wäre. Der inneren Einstellung. Leicht sei es, zu sagen, dass man doch „das Beste aus der Situation machen“ sollte. Menschen mit demenzkranken Angehörigen wissen: Das ist nicht leicht, es ist unglaublich schwer. Auch Sarah Straub weiß das. Von 2012 bis 2022 pflegte sie ihren an Demenz erkrankten Schwiegervater. Davor hatte sie sich um ihre demenziell veränderte Großmutter gekümmert. In einer Ulmer Spezialsprechstunde hat sie es mit ungewöhnlich früh an Demenz erkrankten Menschen und ihren Familien zu tun. Bei ihrer 90-minütigen Konzert-Lesung erzählt Straub von ihren persönlichen Erfahrungen in der eigenen Familie und ihrem Beruf. Zwischendurch liest sie aus dem im August 2025 erschienenen Buch „Lebensmut trot(z) Demenz” aus Biografien Betroffener vor. Und sie singt selbstgeschriebene Lieder, die mit Demenz zu tun haben. Demenz sei ein Thema, das normalerweise bei leichterer Konversation ausgespart bleibt, weil es nicht so „gesellschaftsfähig“ ist: Da verliert ein Mensch, den man liebt, allmählich sein Ich! „Dass sich Menschen mit dem Thema auseinandersetzen, ist mein Ziel”, sagt Straub. Dieses Ziel erreicht sie durch ihre sehr spezielle Art, das Thema aufzubereiten, spielend. Gerade das Interesse an ihrem neuen Bühnenprogramm ist enorm. Bis Ende 2026 wird sie damit auf Tour sein. 80 Auftritte sind geplant. Das Wirkliche ohne Verschönerung so darzustellen, wie es ist, gleichzeitig aber auch Mut zu machen, das ist ein ungeheures Kunststück. Ihr gelingt das immer wieder. Wobei sie es nicht dabei bewenden lässt, ihre positiven, mutmachenden Erfahrungen mit Demenzkranken künstlerisch weiterzugeben und sich auf den Stand der Dinge in Sachen Demenzforschung zu halten. Das würde nicht reichen: „Ich bin auch mit der Politik in Kontakt.“ Alles, was sie erlebt und erfährt, gerade auch im Nachgang von Auftritten, wenn sie regelmäßig neue Geschichten von Zuschauerinnen und Zuschauern geschildert bekommt, sammelt sie und trägt sie, sowie sich eine Gelegenheit ergibt, Politikerinnen und Politikern gegenüber vor. Pflegende Angehörige, betont die Musikerin aus Gundelfingen, müssten sehr viel besser unterstützt werden. Zwar gibt es viele Familien, eben davon erzählt ja ihr Bühnenprogramm, die gute Wege gefunden haben, mit Demenz umzugehen. Nicht wenige pflegende Angehörige jedoch sind dann, wenn die Partnerin oder der Partner ausgelitten hat, mangels ausreichender Unterstützung nach Jahren der Sorge und Pflege persönlich selbst am Ende und ausgebrannt.  

24. April, 19 Uhr: Bad Brückenau, Konzert-­Lesung (Haus Volkersberg, Kapellsaal);
11. September, 14 Uhr: Kitzingen, Konzert-­Lesung (Landratsamt)

www.sarah-straub.de

Share.