Füße, das sind Extremitäten, die man ganz selbstverständlich hat. Aber in deren Besitz man eigentlich gar nicht so richtig ist. Das Potenzial, das Füße bieten, wird von den wenigsten Menschen ausgenutzt. Das ist schade. Denn in Füßen steckt genauso viel Geschick und Gefühl wie in Händen. „Mit den Füßen kann man die Umwelt sensorisch genauso wahrnehmen“, bestätigt Fußtheater-Künstlerin Anne Klinge aus dem oberfränkischen Betzenstein. Klinge lässt Fußpuppen bei ihren Vorstellungen Geschichten erzählen, die emotional berühren. 30 Jahre ist es her, dass sie begann, mit ihren Füßen aufzutreten. Von Kindheit an, erzählt sie, hatten ihre Füße für sie eine besondere Bedeutung: „Ich bin im Wald in der Erdbebenforschungsstation meines Vaters aufgewachsen, da sind wir viel barfuß gelaufen.” Das Barfußgehen war angesagt, um Erschütterungen möglichst zu vermeiden. Auch noch als Studentin an der Uni Erlangen hatte Anne Klinge das Barfußlaufen praktiziert. In jenen Jahren frönte sie auch dem Hobby des Geräteturnens: „Beim Turnen sind Füße ebenfalls sehr wichtig.” Dass Füße eine so geringe Bedeutung haben, ist vor allem in unseren Breitenkreisen so. In anderen Regionen dieser Erde ist es weitaus selbstverständlicher, barfuß zu gehen. Durch ihr Fußtheater möchte sie nicht zuletzt dazu anregen, wieder mehr auf die Füße zu achten. Üben könne man dies dadurch, dass man barfuß achtsam über verschiedene Oberflächen läuft: „Man kann auch mal versuchen, mit den Füßen statt mit den Händen den Rücken der Partnerin oder des Partners zu massieren.“ Dazu braucht es keinerlei Übung. Das funktioniert besser, als gedacht. Aha-Effekte sind garantiert. Durch Contergan-Geschädigte ist bekannt, was alles mit den Füßen möglich ist: zeichnen, bügeln und putzen und sehr viel mehr. Klinge zeigt, wie gut Füße als Schauspieler taugen. „Wenn ich auf die Bühne gehe, funktioniere ich zuerst meine Füße zu Puppen um”, erklärt sie ihr choreografisches Konzept. Die Fußpuppen bekommen Nasen, Perücken und Kostüme. Dann erst geht es los mit dem eigentlichen Stück: „Und dann passieren durch die Fußpuppen sehr oft Dinge, die ich selbst gar nicht geplant habe.” Die Füße geben also den Takt an. Aus diesem Grund erlebt Anne Klinge jede ihrer Aufführungen so, als wäre sie die erste. Es ist mehr als eindrücklich, was die Oberfränkin mit ihren Füßen bewerkstelligt. Auf etlichen Festivals hat sie ihre Kunst schon vorgeführt. Mehrfach war sie auch schon im Würzburger „Theater Spielberg“ zu Gast.
Nächster Auftritt mit dem Stück „Der Fußmord und andere Liebesdramen“ in Franken ist am 25. September in St. Hedwig in Nürnberg.
