
@Universitätsklinikum Würzburg
Laut einer in „The Lancet“ publizierten Studie steigt die Zahl der Menschen mit Adipositas rasant an. Demnach hat sich der Anteil der stark Übergewichtigen weltweit seit 1990 mehr als verdoppelt. In Deutschland lag der Anteil bei Frauen mit Adipositas der Studie zufolge 2022 bei 19 Prozent. Männer waren zu 23 Prozent betroffen. Am 4. März 2026 ist Welt-Adipositas-Tag. Er soll das Bewusstsein für die chronische Erkrankung schärfen und zur Diskussion über Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten anregen. Der WHO zufolge, ist Fettleibigkeit ein globales Problem. Auf dem Inselstaat Amerikanisch-Samoa im Pazifik sind beispielsweise 70 Prozent aller Männer adipös. Weltweit gesehen zählen einige Staaten mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu den „dicksten der Welt“, bestätigt Dr. Ann-Cathrin Koschker, Endokrinologin am Uni-Klinikum Würzburg. Dazu gehörten Polynesien oder Mikronesien. Die dortigen Einwohnerinnen und Einwohner scheinen, sofern sie dafür genetisch vulnerabel sind, besonders stark an Adipositas und ihren Folgen wie Typ-2-Diabetes zu erkranken, werden sie mit dem westlichen Lebensstil konfrontiert. Gemäß WHO ist hier jeweils knapp die Hälfte der Bevölkerung adipös. Adipositas nehme fast überall zu, weiß auch Professor Martin Fassnacht von der Adipositas-Ambulanz der Uniklinik. In den vergangenen zehn Jahren stieg aber auch die Nachfrage nach dem Angebot der Würzburger Einrichtung an. „2024 sahen wir in unserer Adipositas-Ambulanz über 1.600 Patienten an über 2.800 Terminen, das sind fast doppelt so viele wie 2014“, berichtet der Facharzt für Innere Medizin. Der Unterstützungsbedarf könne aktuell nicht einmal annähernd gedeckt werden: „Dazu bräuchten wir deutlich mehr Personal.” Die Wartezeiten lägen derzeit bei mindestens sechs bis neun Monaten. Aus der hohen Nachfrage lasse sich jedoch nicht ableiten, dass Adipositas in der Region sprunghaft angestiegen ist. „Mehr und mehr Menschen erkennen, dass es ungesund ist, dick zu sein, sie wollen etwas dagegen unternehmen”, erläutert Fassnacht. Die Motivation sei nicht zuletzt deshalb gestiegen, weil es inzwischen Medikamente gibt, die deutlich erfolgreicher seien als noch vor zehn Jahren, so der Leiter des Lehrstuhls für Endokrinologie und Diabetologie. Das daraus folgende Hauptproblem seien kardiovaskuläre Erkrankungen, so Professor Fassnacht. In der Ambulanz stellten sich immer wieder Menschen vor, die operiert werden müssen, etwa, weil sie einen Gelenkersatz benötigen. Damit dies geschehen kann, erläutert die Fachärztin Ann-Cathrin Koschker, müsste jedoch Gewicht reduziert werden. Adipositas trage also nicht nur maßgeblich zu Erkrankungen wie Arthrose bei: „Sie verhindert gleichzeitig, dass diese Erkrankungen therapiert werden können,“ so Koschker. Quelle: Lancet Studie 2024: DOI: 10.1016/S0140-6736(23)02750-2
