Man kann etwas tun, wenn es einem Kollegen, der Nachbarin oder dem eigenen Kind psychisch schlecht geht. Vor diesem Hintergrund machte sich Dieter Schneider von der „Stiftung Depression-Inklusion“ vor zwei Jahren daran, einen Ersthelferkurs Mentale Gesundheit (EMG) zu entwickeln. Ist akut etwas Schlimmes passiert oder bedrücken schwerwiegende Erlebnisse aus der Vergangenheit, könne sich bei Menschen eine Depression entwickeln. „Davor ist niemand gefeit”, betont Schneider. Im sechsstündigen Ersthelferkurs der „Stiftung Depression-Inklusion“ lernen jeweils zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer entweder an einem Tag oder an drei Abenden, wie sie auf depressive Menschen reagieren können. Auch wenn psychische Krankheiten heutzutage nicht mehr so stark stigmatisiert sind wie früher: Noch immer schaue die Umgebung oft weg, so Schneider. Schlicht und einfach aus Unsicherheit, wie man sich verhalten solle. Dabei sei es so wichtig, Betroffene anzusprechen, betont er und verweist auf ein typisches Beispiel aus der Arbeitswelt. Da fällt zum Beispiel auf, dass ein Kollege stark in seiner Leistung nachgelassen hat. Vielleicht ist er auch wesentlich häufiger krank als früher. Möglicherweise roch er schon einmal nach Alkohol. Dann sollte man das Gespräch suchen. Stellt sich heraus, dass der Kollege tatsächlich depressiv sein könnte, sollte man nachfragen: „Sag mal, denkst du manchmal daran, dir das Leben zu nehmen?” Dass man das wirklich tun sollte, sei für viele Menschen befremdlich, erklärt der Initiator der Motorradausfahrt „Fellow Ride“ zugunsten der Suizidprävention und Depressionshilfe, dessen eigener Sohn sich das Leben genommen hat: „Für mich war es das anfangs auch.” Dieter Schneider will einen Beitrag leisten, dass seelische Erkrankungen, allen voran Depressionen, in der Gesellschaft nicht mehr tabuisiert werden. Man gehe inzwischen schneller zu Psychologinnen und Psychologen, Psychiaterinnen und Psychiatern oder Psychotherapeutinnen und -therapeuten – und das ist gut so. In den EMG-Kursen erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber hinaus, welche Hilfen es sonst noch gibt. Die Entstigmatisierung gehe nach Schneiders Beobachtungen so weit, dass seelische Erkrankungen selbst in Betrieben kein Mäntelchen mehr umgehängt bekommen. Viele Unternehmen seien bereit, die um sich greifende Problematik offensiv anzugehen. Wobei auch hier oft Know-how fehle. Schneiders Stiftung bietet aus diesem Grund eigene Kurse für Firmen an. Während die EMG-Basiskurse normalerweise online stattfinden, werden die Kurse in Betrieben in aller Regel in Präsenz organisiert. Im Mittelpunkt steht das Thema Burn-out.
Rund 100 Ersthelferkurse Mentale Gesundheit mit fast 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fanden bisher statt. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 99 Euro. Entwickelt wurde der Kurs mit Unterstützung der Vogel-Stiftung an der Würzburger Universitätsklinik für Psychiatrie.
