Aus dem Bauch heraus

Die Künstlerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, Silke Fechner-Ostertag, über die Praxis des Art Journaling

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Tagebuch zu schreiben, ist eine super Idee, um den eigenen Gedanken und Gefühlen auf die Spur zu kommen, wobei es manchen Menschen schwerfällt, einen Text zu verfassen. Möglicherweise aus Angst, nicht über einen ausreichenden Wortschatz zu verfügen, um ausdrücken zu können, was man gern ausdrücken möchte. Silke Fechner-Ostertag bietet in Würzburg eine Alternative an: Art Journaling. Auch hier wird ein Tagebuch gestaltet, um zu tieferer Selbsterkenntnis zu gelangen und um emotionale Turbulenzen zu glätten. Allerdings geschieht dies durch kreatives Gestalten. „Man versucht dabei, herauszufinden, was aus dem Inneren kommt, und zwar, indem man beim Prozess der Bildgestaltung bewusst nicht mit dem Verstand dabei ist“, erklärt die Würzburger Künstlerin und Kunsttherapeutin.  Egal, ob man nun schreibt oder kreativ gestaltet: Das sogenannte Journaling kann Dinge, die ungünstig im Leben laufen, beeinflussen. Der Begriff „Journaling” werde im Übrigen deshalb als Alternative zu „Tagebuch” benutzt, weil es eben nicht allein darum geht, festzuhalten, was den Tag über passiert ist. „Es geht um Selbstreflexion. Es geht darum, sich persönliche Ziele klarzumachen. Und es geht darum, sich schreibend oder gestaltend mental zu entlasten“. Bei Fechner-Ostertag lernen Interessierte, sich ohne inneren Widerstand auf einen kreativen Weg zu sich selbst zu machen. „Dabei arbeiten wir hauptsächlich mit Collagen”, erzählt die Heilpraktikerin für Psychotherapie. Wer Art Journaling zu Hause betreiben möchte, dem empfiehlt sie, Zeitungen, Zeitschriften, Geschenkpapierreste, Tickets, Flyer oder was einem sonst so unterkommt, zu sammeln. Aus diesem Allerlei suche man sich beim Journaling zehn bis 15 Teile aus, zu denen man aktuell Bezug hat. Dann schneidet man aus, arrangiert, klebt auf. Die Würzburger Künstlerin vermittelt im Einzelsetting Art Journaling, sie bietet aber auch einmal im Monat eine Gruppe an. Momentan nehmen meist sechs Personen, zufällig allesamt Frauen, teil. Hier müsse niemand eigene Erinnerungsstücke mitbringen: Die Kunsttherapeutin stellt Materialien für die Collagen zur Verfügung. Und sie gibt Impulse für Resilienz förderndes Arbeiten: „Ich stelle zum Beispiel die Frage, wie ein Krafttier am heutigen Tag ausschauen würde, und welche Eigenschaften es auf meine aktuelle Situation bezogen haben sollte.” Aus dem Bauch heraus wird dann eine Collage gestaltet. Vielleicht steht jemand gerade vor einer unangenehmen Auseinandersetzung und würde sich einen brüllenden Löwen als Krafttier wünschen. Ziel im kreativen Prozess sei es nicht, den Löwen dann exakt nachzubilden: „Es gibt keinerlei Ansprüche an die Bilder, alles darf dabei herauskommen.“ Beim Art Journaling wird niemand aufgefordert, ausdauernd jeden Tag irgendetwas in sein Tagebuch einzutragen. Manche von Silke Fechner-Ostertags Klientinnen setzen sich einmal in der Woche zu Hause hin, um eine Collage zu fertigen. Andere arbeiten ausschließlich einmal im Monat in der Gruppe weiter. Am Ende der Gruppenstunde gibt es immer eine Abschlussrunde. Wer möchte, erzählt, was er mit seiner Collage verbindet: „Wobei die Bilder Gefühle zeigen, die man mit Worten oft gar nicht so ausdrücken kann.“

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