Kalium gehört zu den Mineralstoffen, über die kaum jemand nachdenkt … bis der Körper signalisiert, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dabei spielt Kalium eine zentrale Rolle für zahlreiche Funktionen im Organismus. „Kalium steuert Muskelvorgänge“, erklärt Apotheker Michael Dickmeis, Inhaber der Sonnen-Apotheken in Würzburg und Kürnach. Das betreffe nicht nur die Skelettmuskulatur, sondern auch das Herz mit seiner Pumpleistung, den Verdauungstrakt, die Blase und die Spannung der Blutgefäße und damit auch den Blutdruck. Zudem sei Kalium an der Energieversorgung beteiligt. Ohne Kalium könne die körpereigene Energiewährung Adenosintriphosphat (ATP) nicht gebildet werden. Fehle dieses zentrale Molekül, fühle man sich schnell schlapp und müde. Ein Kaliummangel entstehe dabei nur selten durch eine zu geringe Zufuhr über die Nahrung. „Eigentlich nehmen wir Kalium über die Ernährung ausreichend auf“, sagt Dickmeis. Häufiger liege die Ursache auf der Ausscheidungsseite. Kalium und Natrium wirken als Gegenspieler. Wer sehr salzreich esse, Fertiggerichte bevorzuge oder Speisen grundsätzlich nachsalze, verdränge Kalium aus dem Körper. Auch starkes Schwitzen, etwa bei Leistungssport, könne den Kaliumverlust erhöhen. Hinzu kämen Medikamente, insbesondere entwässernde Arzneimittel. Einige würden die Kaliumausscheidung fördern, andere sparen Kalium. In solchen Fällen müsse der Kaliumwert regelmäßig kontrolliert werden. Dem Experten zufolge seien die Symptome eines Kaliummangels oft unspezifisch. Betroffene fühlen sich müde, schwach und wenig leistungsfähig. Auch die Muskulatur ermüde schneller. Der Darm kann träge werden, Verstopfung ist möglich. Kritisch werde es, wenn das Herz betroffen sei, betont Dickmeis. Die Crux: Herzrhythmusstörungen könnten sowohl bei zu niedrigen als auch bei zu hohen Kaliumwerten auftreten. Genau darin liegt die Gefahr. „Der Bereich, in dem der Kaliumwert normal ist, ist relativ eng“, betont der Apotheker. Anders als bei Magnesium könne eine Überdosierung also ernsthafte Folgen haben. „Ist der Mangel leicht ausgeprägt, lässt er sich häufig über die Ernährung ausgleichen“, erklärt Michael Dickmeis. Seine Empfehlung: Salzarm essen und verstärkt zu Gemüse und Obst greifen. Besonders kaliumreich seien Brokkoli, Spinat, weiße Bohnen, Hülsenfrüchte und Bananen. Wichtig sei die Zubereitung. Gemüse sollte nicht in großen Wassermengen gekocht werden, da Kalium ins Kochwasser übergehe. Dünsten sei schonender und erhalte den Mineralstoff. Bei einem ausgeprägten Mangel kommen Kaliumpräparate zum Einsatz, allerdings nur unter ärztlicher Kontrolle. „Gefährlich ist das Herumdoktern auf eigene Faust“, warnt Dickmeis. Ohne Kenntnis des Blutwertes lasse sich nicht einschätzen, ob ein Mangel oder möglicherweise bereits ein Überschuss vorliege. Beides könne das Herz belasten. Deshalb gilt: erst messen, dann handeln. Für gesunde Menschen ohne entsprechende Medikamente reguliert der Körper den Kaliumhaushalt meist zuverlässig selbst – vorausgesetzt, die Ernährung stimmt.
Wenn dem Körper die Kraft ausgeht
Apotheker Michael Dickmeis erklärt, wie Kaliummangel entsteht und warum Selbstmedikation riskant ist
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