Alte Frucht, neue Kraft?

Kräuter-Expertin Romina Höchner über die Hagebutte

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„Wenn im September der Herbst seine Farben auspackt, leuchten sie aus den Hecken wie kleine Rubine: Hagebutten“, schwärmt Romina Höchner, Inhaberin des Würzburger Kräuterladens „Kraut Allerliebst“. Die Früchte der Wildrose seien Multitalente, die schon seit Generationen als kräftigende Begleiter geschätzt würden. „Ob als Tee, Mus oder Pulver: Die Hagebutte hat ihren festen Platz in der Pflanzenwelt.“ Zu Recht, wie Romina Höchner erklärt: „Hagebutten enthalten eine ganze Schatzkiste an Pflanzenstoffen: Vitamin C, Carotinoide, Flavonoide, Pektine und besonders die viel beachteten Galaktolipide.“ Diese Mischung mache sie zu einer beliebten Pflanze für die Gelenke. Schon im Mittelalter wurden Hagebutten-Zubereitungen bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt, und diese Tradition erhält inzwischen eine nachvollziehbare wissenschaftliche Grundlage. Lipophile Inhaltsstoffe aus Schalen und Samen hemmen nachweislich entzündungsfördernde Zytokine und jene Enzyme, die am Knorpelabbau beteiligt sind. Damit besitzt die Hagebutte ein breiteres entzündungshemmendes Wirkspektrum als synthetische Schmerzmittel, wie moderne Laborstudien zeigen1. Gleichzeitig bestätigen mehrere klinische Untersuchungen eine relevante Wirksamkeit von Hagebuttenpulver bei Arthrose und chronischen Rückenschmerzen, wenngleich die Studienlage nicht als abgeschlossen gilt, wie Professor Dr. Sigrun Chrubasik-Hausmann vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg darlegt. Höchner unterstreicht das: „Bei uns im Kräuterladen wird Hagebuttenpulver besonders häufig von Menschen gekauft, die ihren Gelenken etwas Gutes tun möchten.“ Doch die Hagebutte könne mehr … Ihr hoher Vitamin-C-Gehalt mache sie zu einem hilfreichen Begleiter in der Erkältungszeit, weiß die Kräuterfrau. Zudem spiele Vitamin C eine zentrale Rolle in der körpereigenen Kollagenbildung. Diese sei wichtig für die Spannkraft und Elastizität der Haut. Antioxidative Pflanzenstoffe wie Carotinoide und Flavonoide würden vor freien Radikalen schützen, während Hagebuttenkernöl traditionell zur Pflege empfindlicher oder trockener Haut genutzt werden könne. Auch für die Verdauung sei die Frucht wertvoll: Die enthaltenen Pektine können, je nach Flüssigkeitszufuhr, sowohl regulierend als auch leicht abführend wirken. Die Zubereitung der Hagebutte sei vielfältig, und ihre Qualität hänge entscheidend von der Verarbeitung ab, so Höchner. Damit Galaktolipide und andere wertvolle Inhaltsstoffe erhalten blieben, sollte das Pulver aus vollreifen Früchten stammen, schonend unter 40 Grad getrocknet und weder schockgefroren noch von Kernen getrennt worden sein. Ihr Tipp: Als Tee zwei Teelöffel getrocknete Schalen mit heißem Wasser übergießen und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen. Das Pulver lasse sich auch problemlos in Joghurt, Saft oder Wasser einrühren, idealerweise in Kaltes, um die Galaktolipide zu schonen. Wie jedes Heilmittel könne auch die Hagebutte Nebenwirkungen haben. Gelegentlich könnten allergische Reaktionen auftreten, darunter Hautausschläge oder Magen-Darm-Beschwerden. Daher sei eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr angeraten wegen des hohen Ballaststoffgehaltes. Zudem sollte ein Einnahmeabstand von zwei Stunden zu Medikamenten eingehalten werden, da Pflanzenfasern deren Resorption verzögern können. Personen mit Neigung zu Oxalat-Nierensteinen sollten vor der Einnahme Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt nehmen. Denkt man an das selbst gemachte Hiffenmark der Oma, muss man zugeben: Die Hagebutte ist und bleibt ein Klassiker. Romina Höchner: „Sei es zur Stärkung des Immunsystems, zur Unterstützung der Haut, zur Regulierung der Verdauung oder zur Linderung chronischer Gelenkbeschwerden. Die Hagebutte ist kein modernes Superfood, sondern ein traditioneller kraftvoller Klassiker, der sich seit Jahrhunderten bewährt hat.“

Quelle: 1pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18707854

www.krautallerliebst.de

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