Die leise Kraft, die trägt

Bestsellerautorin Florence Brokowski Shekete über Vertrauen, Offenheit und innere Stärke

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©Tanja Valérien

Hoffnung ist für Florence Brokowski Shekete kein großes Wort, sondern eine innere Haltung. Sie entstehe aus Erfahrung, aus Beziehungen und aus der Entscheidung, Menschen zunächst mit einem positiven Blick zu begegnen. „Ich unterstelle Menschen zunächst nichts Negatives. Mein Glas ist immer halb voll“, so die Podcasterin und erste schwarze Schulamtsdirektorin in Deutschland. Die Kolping Akademie hat sie in Kooperation mit dem Kolpingwerk Würzburg zur Veranstaltungsreihe „Hoffnung, die mich trägt“ eingeladen. Ein Glücksgriff in Zeiten, in denen Hoffnung für viele Menschen dringend nötig ist. Ihre Grundhaltung habe sie früh gelernt, betont sie in ihrem Vortrag, geprägt durch ihre Kindheit bei ihrer Pflegemutter. Verlässlichkeit, Zugewandtheit und ein stabiler Rahmen seien für die gebürtige Hamburgerin mit nigerianischen Wurzeln entscheidend gewesen. „Das, was gesagt wird, muss auch umgesetzt werden. Das ist für ein Kind sehr wichtig.“ Auch schwierige Erfahrungen haben diesen Blick nicht trüben können, sondern eher geschärft. Rassistische Situationen habe sie vielfach erst im Nachhinein als solche erkannt. „Ich habe die Situationen oft gar nicht so wahrgenommen. Das waren eher die Menschen um mich herum.“ Gleichzeitig habe sie lernen müssen, Grenzen zu setzen. „Je älter ich wurde, desto früher habe ich gemerkt: Es gibt Menschen, die nutzen meine positive Einstellung aus.“ Hoffnung bedeute für sie nicht, alles hinzunehmen, sondern Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und für andere. Besonders prägend waren ihre Jahre in Nigeria. Dort habe sie erlebt, was es heißt, fremd zu sein. „Ich galt dort als die Weiße.“ Diese Erfahrung habe ihr einen Blick verschafft, der sie bis ­heute trägt. „Ich kann wunderbar die Perspektive wechseln. Das könnte ich nicht, wenn ich nicht dort gelebt hätte.“ Hoffnung entstehe für sie genau an diesem Punkt: wenn Menschen bereit sind, zuzuhören und sich in andere Lebensrealitäten hineinzuversetzen. Ihr Glaube spielte dabei lange eine wichtige Rolle, heute beschreibt sie sich als spirituell. „Ich glaube, dass es eine höhere Macht geben muss.“ Hoffnung sei für sie keine naive Weltverklärung. „Wenn ich in die Nachrichten schaue, graust es mich.“ Und doch halte sie am Guten im Menschen fest. Was sie hoffnungsvoll stimmt, sei die Bereitschaft vieler Menschen, für Gemeinschaft einzustehen und sich gegen Ausgrenzung zu positionieren. Hoffnung bedeute für Florence Brokowski Shekete aber auch Dialog. „Wie können wir Menschen uns sehen, wahrnehmen und aufeinander zugehen?“ Polarisierung halte sie für gefährlich. „So kommen wir nicht auf die Brücke in die Mitte.“ Sie wünsche sich wieder mehr Offenheit, auch für Streitgespräche. „Wir müssen Dinge ansprechen können, ohne dass Menschen sofort in eine Ecke gedrängt werden.“ Am Ende sei Hoffnung für sie eine bewusste Entscheidung. „Jeder soll leben, wie er möchte, solange er niemand anderem schadet.“ Es sei diese innere Haltung, die trägt – gerade in Zeiten, die verunsichern. „Ich hoffe, dass wir lernen, wieder miteinander zu reden. Und dass wir unser Ego ein bisschen runterschrauben.“

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