Hightech im Schuh

Physiotherapeutin Hanna Leibold über modernste Möglichkeiten in der Gangtherapie

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©Fachklinikum Mainschleife

„Die Stride-One-Sohlen sind so dünn, dass man sie kaum spürt – und trotzdem liefern sie ein hochpräzises Echtzeit-Feedback zum Gangbild“, erklärt Hanna Leibold, Leiterin der Physiotherapie im Fachklinikum Mainschleife, eine der neuesten Behandlungsoptionen. Die „intelligenten“ Einlagen erfassen mithilfe integrierter Drucksensoren jede Belastungs- und Bewegungsänderung des Fußes. Anders als herkömmliche orthopädische Einlagen, die vor allem stützen, würden „Stride One“ Patientinnen und Patienten aktiv begleiten: Über eine App werden Messdaten live analysiert und sowohl visuell als auch akustisch zurückgespielt. Gerade das Audio-Feedback sei entscheidend – so lasse sich zum Beispiel eine ärztlich verordnete Teilbelastung punktgenau einhalten. Eingesetzt wird die Technik im Fachklinikum Mainschleife vor allem nach Fuß-, Knie- oder Hüft-Operationen, aber auch bei Fehlstellungen oder nach Verletzungen. „Viele Patientinnen und Patienten entwickeln unbewusst Ausweichbewegungen oder Schonhaltungen. ‚Stride One‘ macht diese sichtbar und hörbar – und ermöglicht so eine schnelle Korrektur.“ Verschiedene Studien belegen den Nutzen: Die allgemeine Gangqualität verbessert nachweislich individuell relevante Parameter wie Symmetrie oder Belastungsverteilung sogar um bis zu 25 Prozent. Die Technik trägt dazu bei, Fehlbelastungen zu vermeiden, das Gangbild zu normalisieren und das Sicherheitsgefühl beim Gehen deutlich zu steigern. Im Fachklinikum Mainschleife gibt es drei Angebotsformate: die Gangschule direkt nach der OP, ein Doppeltermin zur individuellen Gangoptimierung sowie ein sechsteiliges Programm in Kombination mit Krankengymnastik. „Bei der Gangschule stellen wir die Belastung direkt am Patientenbett ein. Ein akustisches Signal zeigt an, ob die Belastungsgrenze ­eingehalten wird“, erklärt Hanna Leibold. Bei der Gangoptimierung analysiert das Team zunächst das individuelle Gangbild, gibt gezielte Übungsaufgaben für zu Hause und überprüft die Fortschritte in einer Anschlusskontrolle. Das größte Paket kombiniert die Sohlen mit jeder Physiotherapie-Einheit – für ein kontinuierliches Monitoring und eine laufende individuelle Anpassung. Die Kosten bewegen sich zwischen 20 Euro für eine Einzeleinheit und 99 Euro für sechs Anwendungen. Voraussetzungen sind festes Schuhwerk sowie die Fähigkeit, die akustischen Signale zu hören und kognitiv zu verarbeiten. Kontraindikationen gibt es kaum – lediglich Erkrankungen wie eine Polyneuropathie könnten die Wahrnehmung beeinträchtigen. Als erste Klinik in Deutschland mit diesem Angebot will das Fachklinikum eine Vorreiterrolle einnehmen – und Patientinnen und Patienten eine moderne, evidenzbasierte Gangschule bieten. „Die Fortschritte sind oft schon nach kurzer Zeit spürbar – und genau das ist unser Ziel: eine schnelle, sichere und motivierende Rückkehr in den Alltag.“

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