Eine TIA ist nicht nichts!

Prof. Martin Berghoff, Facharzt für Neurologie, über einen „Mini-Schlaganfall‟

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©Klinikum Main-Spessart

„Der einzige Unterschied zwischen einer TIA und einem ischämischen Hirninfarkt ist der Faktor Zeit“, mahnt Professor Martin Berghoff, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Main-Spessart in Lohr am Main. Die Abkürzung „TIA“ steht für Transitorische Ischämische Attacke, also einen vorübergehenden Verschluss einer Arterie des Gehirns, meist durch ein Blutgerinnsel. Im Volksmund wird eine solche Attacke oft als „Mini-Schlaganfall“ bezeichnet. Und das aus gutem Grund: Denn die Symptome – darunter plötzlich auftretende halbseitige Lähmungen, Sprech-, Seh- oder Gefühlsstörungen, aber auch Koordinationsprobleme – verschwinden meist innerhalb von 24 Stunden vollständig. Doch darin liegt auch ihre Tücke. Während ein Schlaganfall bleibende Schäden verursachen könne, klingen die Beschwerden bei einer TIA nach kurzer Zeit ab. Doch das Risiko eines „großen“ Schlaganfalls ist in den Tagen danach deutlich erhöht. „Wir überwachen daher auch TIA-Patientinnen und -Patienten auf der Station, um sofort eingreifen zu können, sollte ein weiteres Ereignis eintreten.“ Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Rauchen oder Herzrhythmusstörungen zählen dem Arzt zufolge zu den wichtigsten Auslösern. „All das kann sowohl eine TIA als auch einen Hirninfarkt verursachen.“ Sendet das Gehirn also entsprechende Warnsignale, ist Eile geboten: „Rufen Sie sofort den Rettungsdienst– auch wenn es besser wird!“, mahnt Berghoff. In der Notaufnahme angekommen, erfolgt zunächst die neurologische Untersuchung, gefolgt von einer Computertomografie mit Gefäßdarstellung. „So sehen wir, ob noch Gewebe zu retten ist.“ Liegt der Beginn der Symptome weniger als viereinhalb Stunden zurück, kann eine Lysetherapie oder – bei Gefäßverschluss – eine Thrombektomie durchgeführt werden, um den Blutfluss wiederherzustellen. „Erst mal ist es Glück, dass sich die Symptome zurückbilden“, so Berghoff über die Zeit nach einer TIA. Doch dieser „Warnschuss“ sollte Konsequenzen haben: Blutdruck und Blutzucker einstellen, Nikotinverzicht, gesunde Ernährung und Bewegung. Er verweist in diesem Zusammenhang auf einen aktuellen Report der Deutschen Krankenversicherung AG1, der aufzeigt, dass gerade einmal zwei Prozent der Deutschen alle Kriterien für einen rundum gesunden Lebensstil erfüllen. Insgesamt würde die Bevölkerung zu viel sitzen. Das hat verheerende Konsequenzen. Denn mehr als ein Drittel der Deutschen habe dadurch ein erhöhtes Sterberisiko. Dabei sei heute, so Professor Berghoff, völlig klar, dass selbst moderates Spazierengehen das Risiko für einen Schlaganfall deutlich senke. Viele Menschen würden jedoch allein auf Medikamente setzen und ihren Lebensstil nicht nachhaltig verändern wollen. Der Mediziner unterstreicht: „Eine TIA ist kein harmloser Zwischenfall, sondern ein ernstes Signal des Körpers.“ Wer die Warnung ernst nehme und handle, könne Schlimmeres verhindern.
Quelle: 1 https://www.dkv.com/der-dkv-report.html

 

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