Die Kunst, gesund alt zu werden

Ayurveda-Medizinerin Francis Dona über Ayurveda und Langlebigkeit

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©Albert Jose

Was bedeutet es eigentlich, lange zu leben? Geht es nur um die Anzahl der Jahre – oder um die Qualität der Zeit, die uns bleibt? Ayurveda, die traditionelle indische Heilkunde, beantwortet diese Frage ganz klar: Langlebigkeit heißt nicht alt werden, sondern ein bewusstes, freudvolles und gesundes Leben – körperlich, geistig und seelisch. Francis Dona, Ayurveda-Medizinerin, bringt es auf den Punkt: „Langlebigkeit bedeutet, mit Freude zu leben – klar, bewusst, ohne Krankheit. Ayurveda schenkt uns Werkzeuge, um Körper, Geist und Seele in Harmonie zu bringen.“ Im Zentrum würden die drei Lebensenergien – Vata, Pitta und Kapha – stehen, die unser gesamtes System steuerten. Gerate dieses Gleichgewicht durch Stress, Lebensstil oder falsche Ernährung aus der Bahn, entstünden Störungen. Ziel sei es daher, mit individuell angepassten Maßnahmen wie typgerechter Ernährung, Reinigung (Detox), pflanzlichen Heilmitteln, Yoga und Meditation die Balance wiederherzustellen. Ein besonderes Konzept im Ayurveda sei die Rasayana-Therapie, die auf Regeneration, Zellverjüngung und geistige Klarheit abziele, so Dona. Sie stärke das Immunsystem und helfe, altersbedingte Prozesse zu verlangsamen – auf natürliche Weise. Die Praxis gehe jedoch weit über medizinische Anwendungen hinaus: Ein achtsamer Alltag, positive Gedanken, soziale Verbundenheit und spirituelle Rituale wie Gebet oder Meditation würden ebenso verjüngend wirken. Dieses Prinzip wird im Ayurveda als Achara Rasayana bezeichnet – die Pflege des Geistes durch ethisches Verhalten, Achtsamkeit und innere Haltung. Der ayurvedische Ansatz sieht Altern nicht als Krankheit, sondern als einen natürlichen Lebensprozess, der mit Würde und Vitalität gestaltet werden könne. Begriffe wie Vayasthapana – die Erhaltung jugendlicher Frische – oder Deerghayu – ein langes, gesundes Leben – stehen sinnbildlich für diesen ganzheitlichen Blick. Die Umsetzung, so Francis Dona beginne im Alltag: mit frischer, warmer, leicht verdaulicher Nahrung, regelmäßigen Routinen, ausreichend Schlaf, Bewegung in der Natur und bewusstem Umgang mit Emotionen. Auch die Tageszeit und die Jahreszeit spielten eine Rolle: Ayurveda empfiehlt, den Lebensstil im Rhythmus der Natur zu gestalten – etwa durch angepasste Ernährung im Winter oder kühlende Gewürze im Sommer. Selbst kleine Rituale wie ein warmes Wasser am Morgen oder eine Abendmeditation könnten langfristig stabilisierend wirken. Ayurveda-Medizinerin Dona betont: „Wer seine eigene Konstitution kennt und mit sich selbst in Kontakt ist, kann ­rechtzeitig gegensteuern. Ayurveda ist ein Lebensstil – nicht nur eine Heilmethode.“ Im Fokus stehe nicht die Bekämpfung von Symptomen, sondern das Verständnis für die Ursachen, das bewusste Gestalten der Lebensführung und die Verbindung mit der eigenen Natur. So könne Ayurveda einen wichtigen Beitrag zur modernen Gesundheitsvorsorge leisten – und helfen, nicht nur länger, sondern tiefer, klarer und erfüllter zu leben.

Ayurveda-Symposium mit dem Thema „Die Darm-Hirn-Verbindung und das Mikrobiom. Auswirkung auf Neurologie und Psyche“ am 8. November von 9 bis 18 Uhr im Großen Kursaal in Bad Bocklet, Infos und Anmeldung unter rezeption@ayurveda-deutschland.org

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