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	<title>Geschichte &#8211; Lebenslinie</title>
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	<description>Gesundheitsmagazin für Mainfranken</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Apr 2026 09:29:39 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Als Heilkunde noch ein Handwerk war</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/als-heilkunde-noch-ein-handwerk-war/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sabine Trost]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 09:29:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer sich im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit die Schulter ausgerenkt oder die Säge in die Hand gejagt hatte, ging nicht unbedingt zu einem Arzt (Ärztinnen gab es zu der Zeit noch nicht). Hilfe suchte die Bevölkerung in solchen Notfällen eher beim Bader, Barbier oder Chirurgus. Diese kümmerten sich um die Versorgung von Wunden, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer sich im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit die Schulter ausgerenkt oder die Säge in die Hand gejagt hatte, ging nicht unbedingt zu einem Arzt (Ärztinnen gab es zu der Zeit noch nicht). Hilfe suchte die Bevölkerung in solchen Notfällen eher beim Bader, Barbier oder Chirurgus. Diese kümmerten sich um die Versorgung von Wunden, zogen Zähne, setzten Schröpfköpfe und wagten sich teilweise sogar an schwierigere Operationen wie beispielsweise die Beseitigung von Blasensteinen. Dafür hatten sie eine Ausbildung durchlaufen, ähnlich wie Handwerker mit Gesellenzeit und Meisterbrief, und waren so wie diese in Zünften organisiert. Im Unterschied dazu hatten Ärzte eine akademische Ausbildung durchlaufen. Im Studium an Universitäten in Bologna, Paris oder Würzburg hatten sie die Werke antiker Autorinnen und Autoren wie Galen und Hippokrates gelesen und sich viel theoretisches Wissen angeeignet. Ihre praktische Erfahrung war hingegen oft gering, da das Studium kaum klinische Praxis beinhaltete. Trotzdem genossen sie in der Regel hohes Ansehen bei Adel, Klerus und städtischen Eliten. Die ärztliche Praxis und die Medizingeschichte der Frühen Neuzeit sind Forschungsschwerpunkte von Professor Sabine Schlegelmilch. Nach dem Referendariat am Gymnasium ist sie 2009 an das Institut für Geschichte der Medizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ­gekommen. Seit dem 1. Oktober 2025 leitet sie es. In Zukunft möchte Schlegelmilch den Fokus der Forschung am Institut neu ausrichten – weg von den akademisch ausgebildeten Ärzten, hin zu den handwerklich organisierten Berufen, zu denen neben Badern und Chirurgen beispielsweise auch Hebammen und kräutersammelnde Frauen zählen. „In diesem Bereich ist noch wenig geforscht worden, obwohl deren Tätigkeit den medizinischen Alltag in der frühen Neuzeit bestimmte“, sagt sie. Außerdem passe dies gut zu den neuen Studienangeboten der Medizinischen Fakultät: dem Studium der Hebammen- und der Pflegewissenschaft, für die Schlegelmilch auch Lehrveranstaltungen anbietet. <i></i></p>
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		<title>Quitt mit der Quitte?</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/quitt-mit-der-quitte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Regina Rodegra]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 06:56:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[„Carpaccio von der Quitte mit Ziegenkäse“ &#8230; mhmm lecker! Vom Quittensaft über Quittengelee bis hin zum Quittenbrot – alles richtig gut! Die Quitte soll aber auch als Hausmittel gegen verschiedenste Krankheiten verwendet worden sein. Das bestätigt Tobias Niedenthal von der Würzburger Forschergruppe Klostermedizin. „Die Quittenäpfel sind dem Magen wohlbekömmlich, gebraten werden sie milder, denen dienlich, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Carpaccio von der Quitte mit Ziegenkäse“ &#8230; mhmm lecker! Vom Quittensaft über Quittengelee bis hin zum Quittenbrot – alles richtig gut! Die Quitte soll aber auch als Hausmittel gegen verschiedenste Krankheiten verwendet worden sein. Das bestätigt Tobias Niedenthal von der Würzburger Forschergruppe Klostermedizin. „Die Quittenäpfel sind dem Magen wohlbekömmlich, gebraten werden sie milder, denen dienlich, die an Magen, Dysenterie (Darmentzündung), Blutspeien und Cholera leiden, vorzüglich aber roh.“ So steht es in der Arzneimittellehre des antiken Arztes Dioskurides. Wobei die Medizin die Quitte noch sehr viel länger auf dem Zettel hatte. Schon die Hippokratiker vor fast 2.500 Jahren setzten sie ein. „Aus den frisch zerstoßenen Früchten und Wasser wurde ein Trank bereitet, der bei Durchfall während hitziger Fieber gereicht wurde“, so Niedenthal. Plinius der Ältere, der sich vor allem durch die Naturalis historia, ein enzyklopädisches Werk zur Naturkunde, einen Namen machte, soll die Quitte im 1. Jahrhundert gegen 21 Leiden eingesetzt haben. In einigen pharmazeutischen Abschnitten seiner Bücher empfahl er Quitten als Hilfskraft begleitend zu anderen Mitteln: „Er zieht auch die Früchte und deren Geruch heran, um andere Pflanzen zu beschreiben, was darauf hindeutet, dass Quitten geläufige Früchte waren.“</p>
<p>Der persische Arzt Ibn Sina, besser bekannt als Avicenna, erwähnt die Früchte ebenfalls. Im „Liber aggregatus in medicinis simplicibus“ aus dem 11. Jahrhundert heißt es von den Quittenkernen: „&#8230; und der Schleim ihrer Kerne erweicht zusammen mit Zucker die Luftröhre und befeuchtet ihre Trockenheit.“ Ein Loblied auf die Quitte singt zu Beginn der Neuzeit der Mediziner Leonhart Fuchs. 1543 schrieb er: „Kütten seind dem magen dienstlich. Die rowen Kütten seind gut zu dem bauchfluß/denen so die roten rhur haben/und blut speien.“ Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen empfahl „Gichtbrüchigen“, Quitte häufig zu essen. Heute allerdings wird zur Vorsicht beim Quittenverzehr geraten. „Grundsätzliches Problem sind die Vorstufen von Blausäure, die sich insbesondere in den Samen finden“, so Niedenthal. Wobei die Samen auf Basis von Angaben im Deutschen Arzneibuch noch bis in die 1960er-Jahre hinein als Hilfsmittel zur Herstellung von Suspensionen und Cremes verwendet wurden. Laut „Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe”, 1875 erstmals erschienen, wurden Quittensamen in Indien gegen Halsentzündung, Fieber und Ruhr eingesetzt. In dem Nachschlagwerk heißt es allerdings auch, dass die Anwendung nicht näher untersucht sei. Auch auf die Früchte der Quitte gehen die Autoren des „Hager“ ein. Wörtlich heißt es: „Die frischen Quittenfrüchte in Form des Kompottes für Hals-, Magen- und Lungenkranke. Die Abkochung der frischen oder getrockneten Früchte gegen Durchfall und Blutspeien, außerdem gegen Fluor albus (weißlicher Ausfluss) und mangelnde Menstruation. In Indien werden die Früchte bei Herzschwäche und Atemwegserkrankungen verwendet. Nähere Untersuchungen zu den angegebenen Anwendungsgebieten liegen nicht vor.” Im Großen Lehrbuch von Gerhard Madaus von 1938 findet sich die Quitte nicht mehr.</p>
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		<title>Weshalb es Moulagen gibt</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/weshalb-es-moulagen-gibt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Regina Rodegra]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Apr 2024 15:56:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Einmal im Vierteljahr erfahren Interessierte bei der „Abendsprechstunde“,was Forscher, die sich mit der Medizinhistorischen Sammlung der Uni Würzburg befassen, herausgefunden haben. “Ich bringe immer einige Objekte mit und erzähle etwas über deren Geschichte”, so die Medizinhistorikerin Sabine Schlegelmilch. Am 24. April um 19 Uhr wird sie medizinische Moulagen vorstellen. “ Das sind Wachsabformungen von Patienten”, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Einmal im Vierteljahr erfahren Interessierte bei der „Abendsprechstunde“,was Forscher, die sich mit der Medizinhistorischen Sammlung der Uni Würzburg befassen, herausgefunden haben. “Ich bringe immer einige Objekte mit und erzähle etwas über deren Geschichte”, so die Medizinhistorikerin Sabine Schlegelmilch. Am 24. April um 19 Uhr wird sie medizinische Moulagen vorstellen. “ Das sind Wachsabformungen von Patienten”, erklärt Dr. Schlegelmilch. Die Würzburger Hautklinik habe hierzu eine große, wichtige Lehrsammlung. An einigen Objekten wird Schlegelmilch den Herstellungsprozess der Moulagen erläutern: “Und warum es die überhaupt gibt.” Alle, die interessiert sind, seien willkommen. Der Hörsaal des BRK befindet sich in der Zeppelinstraße. Veranstaltet wird die „Abendsprechstunde“ vom 2022 gegründeten Förderverein “Medizinhistorische Sammlungen Würzburg”. Weitere Termine für die zweite Jahreshälfte stehen laut Dr. Schlegelmilch noch nicht fest, da die Raumbelegung beim BRK nicht langfristig geplant werden kann. „Es gibt auch keine langfristig festgelegten Themen, da es um Neugier und Überraschung gehen soll“, so die Medizinhistorikerin.</p>
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		<title>Antisemitismus – Ausgrenzung – Aufarbeitung</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/antisemitismus-ausgrenzung-aufarbeitung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Regina Rodegra]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Oct 2023 16:59:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Rolle der Ärzt:innen im Nationalsozialismus war keine rühmliche. Sie schwiegen nicht nur und sahen weg, sondern wirkten aktiv mit an der systematischen Ermordung. Die Ärzt:innenschaft habe mit der Aufarbeitung dieser Vergangenheit erst begonnen, sagt der Mediziner und Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, Jahrgang 1954. Das Thema beschäftigt ihn vor allem auch [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_15916" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-15916" class="size-medium wp-image-15916" src="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2023/10/Rede-Gedenkfeier-Dachau-2015-Christian-Rudnik-Kopie-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2023/10/Rede-Gedenkfeier-Dachau-2015-Christian-Rudnik-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2023/10/Rede-Gedenkfeier-Dachau-2015-Christian-Rudnik-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2023/10/Rede-Gedenkfeier-Dachau-2015-Christian-Rudnik-Kopie-1536x1024.jpg 1536w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2023/10/Rede-Gedenkfeier-Dachau-2015-Christian-Rudnik-Kopie-218x145.jpg 218w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2023/10/Rede-Gedenkfeier-Dachau-2015-Christian-Rudnik-Kopie.jpg 2000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-15916" class="wp-caption-text">©Marco Limberg</p></div>
<p>Die Rolle der Ärzt:innen im Nationalsozialismus war keine rühmliche. Sie schwiegen nicht nur und sahen weg, sondern wirkten aktiv mit an der systematischen Ermordung. Die Ärzt:innenschaft habe mit der Aufarbeitung dieser Vergangenheit erst begonnen, sagt der Mediziner und Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, Jahrgang 1954. Das Thema beschäftigt ihn vor allem auch deshalb, weil er bis 2020 selbst eine Internistische Praxis in der Würzburger Innenstadt hatte, 32 Jahre lang unter eigenem Namen. Die ersten sechs Jahre an der Spitze des Zentralrats der Juden praktizierte er noch an durchschnittlich vier Tagen pro Woche. Doch wo steht seine Berufszunft in Sachen Geschichtsaufarbeitung?<span class="Apple-converted-space">  </span>Beim 92. Deutschen Ärztetag 1989 in Berlin hielt Medizinhistoriker Professor Dr. Richard Toellner ein viel beachtetes Referat über „Ärzte im Dritten Reich“. 1996, beim 99. Deutschen Ärztetag, ging es um die Verstrickungen der Ärzt:innenschaft in nationalsozialistische Verbrechen. Weitere Initiativen wie die so genannte „Nürnberger Erklärung“ oder auch eine Ausstellung folgten. Der Aufarbeitungsprozess sei aber längst nicht abgeschlossen, sagt Schuster, und betont: „Selbst nach einer umfassenden Aufarbeitung bleibt es wichtig, immer wieder auf das Thema hinzuweisen, es muss immer wieder auf die Tagesordnung.“ Es gehe längst nicht nur um Antisemitismus, sondern auch um Fremdenfeindlichkeit, die Ausgrenzung von Minderheiten und Rassismus. „Das sind Themen, die uns alle angehen.“ Tatsächlich zeigen Umfragen, dass ein nicht unerheblicher Anteil unter Ärzt:innen mit der AfD sympathisiert, der Ärztenachrichtendienst kam 2017 auf 15 Prozent. Das könne er sich genauso wenig erklären wie die Tatsache, dass 15 Prozent der Gesamtbevölkerung im Moment die AfD wählen würden, sagt Schuster. Es zeige einfach, dass die Ärzt:innenschaft einen Querschnitt der Bevölkerung darstelle. Gleichzeitig irritiere es ihn in einem Berufsstand von Mediziner:innen, bei dem man ein gewisses Ethos und eine intellektuelle Begabung voraussetzt. „Ärzte tragen mit ihrer Rolle in der Gesellschaft eigentlich eine besondere Verantwortung, die in meinen Augen mit einem Engagement für oder in der AfD nicht vereinbar ist“, so Schuster wörtlich. Auch andere Themen liegen dem Unterfranken am Herzen, seit 2020 engagiert er sich als Mitglied im deutschen Ethikrat. Sehr aktuell geht es hier um Sterbehilfe, sprich assistierten Suizid. Medizinethische Fragen stellen sich auch mit Blick auf die Präimplantationsdiagnostik. Auch „Gesundheit und Datenschutz“ beschäftigen Dr. Josef Schuster: „Forschung kann sich durch einige datenschutzrechtliche Fragen nicht in vollem Maß entfalten. Datenschutz ist schön und gut, aber alles mit Maß und Ziel.“<span class="Apple-converted-space">  </span>Zur Medizin kam der Unterfranke ein Stück weit durch Zufall. Als er am Röntgengymnasium Abitur machte, war dieses Versuchsschule für die sogenannte Kollegstufe. Dass er dadurch Fremdsprachen abwählen konnte, kam ihm gelegen &#8211; und seiner Abiturnote sehr zugute. Josef Schuster erzählt: „Dadurch hatte ich die Möglichkeit, mich um einen Medizinstudienplatz zu bewerben. Gleichzeitig machte ich ein Pflegepraktikum und sagte: Nur wenn mir dieses Spaß macht, studiere ich Medizin. Ansonsten mache ich Jura.“ Es wurde Medizin, die Berufswahl habe er nie bereut. Zwei Nächte pro Monat übernimmt er bis heute in Stadt und Landkreis Würzburg die Notarzt-Bereitschaft. „Die Notfallmedizin ist für mich immer ein bisschen medizinisches Hobby gewesen“, sagt der Arzt. Schon während des Studiums fuhr er Rettungsdienste beim Bayerischen Roten Kreuz und rückte dann später direkt in den Notarztdienst.</p>
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			</item>
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		<title>Mitbegründer der Zelltheorie</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/mitbegruender-der-zelltheorie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Loretta Klevenow]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Oct 2022 10:04:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Würzburg hat im Laufe seiner Geschichte viele renommierte Wissenschaftler:innen beherbergt. Mit zu den bedeutendsten gehört Rudolf Virchow, der am 5. September vor 120 Jahren starb. Virchow war jedoch nicht nur Forscher: Als liberaler Politiker begehrte er gegen gesellschaftliche Missstände auf. Weil er sich 1848 an der Märzrevolution beteiligt hatte, musste er Berlin verlassen. Daraufhin kam [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Würzburg hat im Laufe seiner Geschichte viele renommierte Wissenschaftler:innen beherbergt. Mit zu den bedeutendsten gehört Rudolf Virchow, der am 5. September vor 120 Jahren starb. Virchow war jedoch nicht nur Forscher: Als liberaler Politiker begehrte er gegen gesellschaftliche Missstände auf. Weil er sich 1848 an der Märzrevolution beteiligt hatte, musste er Berlin verlassen. Daraufhin kam er nach Würzburg, wo heute das Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität an ihn erinnert. </p>
<p>Virchow engagierte sich zudem für die jüdische Bevölkerung, und damit gehörte er zu jenen Wissenschaftler:innen, die in der NS-Zeit diffamiert wurden. Im Deutschen Reichstag setzte er sich für eine medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ein. In Würzburg lehrte er bis 1856. Als zweiter Amtsinhaber leitete er das Pathologische Institut, das im Gartenpavillon des Juliusspitals untergebracht war. Zu Virchows Zeit kursierte noch die feste Überzeugung, dass Krankheiten auf einer Störung des „Säftesystems“ beruhen. Damit brach der Pathologe. In Würzburg gelangte er zu der Erkenntnis „omnis cellula e cellula“ („jede Zelle entsteht aus einer Zelle“): Daraus abgeleitet, weiß man seitdem, dass alle Krankheitszustände auf krankhafte Veränderungen der Körperzellen zurückgeführt werden können. Er gilt als Mitbegründer der Zelltheorie. </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Festschrift zum Hundertjährigen</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/festschrift-zum-hundertjaehrigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Loretta Klevenow]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Apr 2022 13:41:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[100 Jahre Luitpoldkrankenhaus: Die Festschrift ist Anfang des Jahres in den Würzburger Buchhandlungen Hugendubel, Knodt und Schöningh erhältlich. In der Festschrift thematisiert werden neben beispielhaften wissenschaftlichen und technischen Fortschritten auch Problemfelder wie die Rolle Würzburger Mediziner im Nationalsozialismus. Die chronologisch geordnete Darstellung in fünf Kapiteln wird durch Einschübe von Quellen und vertiefenden Informationen angereichert. Abgerundet [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>100 Jahre Luitpoldkrankenhaus: Die Festschrift ist Anfang des Jahres in den Würzburger Buchhandlungen Hugendubel, Knodt und Schöningh erhältlich. In der Festschrift thematisiert werden neben beispielhaften wissenschaftlichen und technischen Fortschritten auch Problemfelder wie die Rolle Würzburger Mediziner im Nationalsozialismus. Die chronologisch geordnete Darstellung in fünf Kapiteln wird durch Einschübe von Quellen und vertiefenden Informationen angereichert. Abgerundet wird der großzügig bebilderte Band durch ein umfassendes Personen- und Sachregister sowie durch Lagepläne, die die bauliche Entwicklung des Universitätsklinikums veranschaulichen. Der Autor Dr. Andreas Mettenleiter (Jahrgang 1968), Arzt und Medizinhistoriker, beschäftigt sich seit seiner Würzburger Studienzeit mit der Würzburger Medizingeschichte. Ein zweiter Band, der die Entwicklung der einzelnen Kliniken und Institute näher beleuchtet, wird aktuell bearbeitet. In dem Artikel „Der Kampf um Kranke“ hat auch die Lebenslinie im Oktober letzten Jahres „100 Jahre Lukra“ gebührend gewürdigt. </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Von Impfgegner:innen &#038;  autonomen Patient:innen</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/von-impfgegnerinnen-autonomen-patientinnen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Loretta Klevenow]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Apr 2022 18:14:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Sie erschließen frühneuzeitliche Ärzt:innenbriefe, erforschen die anatomische Lehre im Padua des 16. Jahrhunderts oder untersuchen, wie die gelehrte Medizin über vier Jahrhunderte auf beleibte Menschen blickte: Das wissenschaftliche Team am Institut für Geschichte der Medizin an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg um dessen Leiter Prof. Michael Stolberg haben sich auf die Medizingeschichte der frühen Neuzeit [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie erschließen frühneuzeitliche Ärzt:innenbriefe, erforschen die anatomische Lehre im Padua des 16. Jahrhunderts oder untersuchen, wie die gelehrte Medizin über vier Jahrhunderte auf beleibte Menschen blickte: Das wissenschaftliche Team am Institut für Geschichte der Medizin an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg um dessen Leiter Prof. Michael Stolberg haben sich auf die Medizingeschichte der frühen Neuzeit spezialisiert. 2021 feierte das Institut sein 100-jähriges Bestehen. Eine Jubiläumsfeier musste pandemiebedingt entfallen, sie soll nun am 21. Juli um 19 Uhr im Toscanasaal der Würzburger Residenz nachgeholt werden. Institutsbegründer war 1921 der Hygieniker und Seuchenforscher Dr. Georg Sticker. </p>
<p>Nach Leipzig handelt es sich um das zweitälteste medizinhistorische Institut in Deutschland. Es verfügt über umfangreiche medizinhistorische Sammlungen, darunter zahlreiche Instrumente des 19. Jahrhunderts und Wachsmoulagen. In die Schlagzeilen geriet das Institut 2004 durch Michael Stolbergs direkten Vorgänger Gundolf Keil: Der Verdacht kam auf, dass der Medizinhistoriker und Altgermanist Zahlungen für die Ausgabe von Dissertationen und wesentliche Hilfeleistungen angenommen habe. Zunächst ging die Universität den Vorwürfen nach, dann wurde der Vorgang an die Staatsanwaltschaft übergeben. Keil wurde wegen Vorteilsnahme zu 90 Tagessätzen verurteilt und erhielt 2009 einen Strafbefehl in Höhe von 14.400 Euro. In zwei Fällen erkannte die Universität drei Jahre später den Doktorgrad wieder ab. Heute arbeiten am Institut neben Medizinhistoriker Dr. Michael Stolberg mit Dr. Sabine Schlegelmilch und Dr. Alexander Pyrges zwei fest angestellte wissenschaftliche Mitabreiter:innen, mehrere wissenschaftliche Mitabreiter:innen in Drittmittelprojekten kommen hinzu. </p>
<p>In seinen frühen Forscherjahren hatte sich Stolberg intensiv mit der Seuchen- und Umweltgeschichte des 19. Jahrhunderts beschäftigt – und sieht hier durchaus Parallelen zur Gegenwart: Als Bayern im August 1807 als erstes Land weltweit eine Impfpflicht gegen Pocken einführte, formierten sich auch damals sehr schnell Impfgegner:innen. „Hätte man zurückgeschaut, hätte man mit Widerständen gegen die Coronaimpfung rechnen können“, sagt der 64-Jährige. Seit Ende der 1990er-Jahre beschäftigt er sich vor allem mit der Medizin-, Körper- und Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit sowie seit 2005 mit der Geschichte von Palliativmedizin und Medizinischer Ethik. Das bislang längste und größte Akademieprojekt am Institut läuft nunmehr über 15 Jahre. </p>
<p>Das Team um Stolberg erschließt dabei zahlreiche Briefe frühneuzeitlicher Ärzt:innen aus dem deutschsprachigen Raum. In eine Datenbank aufgenommen sind inzwischen rund 155.000, erschlossen um die 60.000. Bleibt die Frage: Was bringt dem Mediziner der Blick in die Geschichte? „Weiß man nicht, wo man herkommt, weiß man nicht, wer man ist“, sagt Prof. Stolberg. So reicht zum Beispiel die Historie der Sprechstundenpraxis weit zurück. Auch im 16. Jahrhundert traten Patient:innen und ihre Angehörigen sehr selbstbewusst an Ärzt:innen heran und forderten Aufklärung über Krankheiten ein. Der Begriff „autonome Patient:innen“ ist also auch nicht so brandneu.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Dem Tod von der Schippe springen</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/dem-tod-von-der-schippe-springen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Loretta Klevenow]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Oct 2021 12:31:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Der 27. Juli 1921 war ein besonderes Datum. An diesem Tag vor 100 Jahren gelang den Medizinern Frederick Banting und Charles Best ein Meilenstein in der Medizingeschichte¹. Erstmals isolierten sie Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Hunden. Der Grundstein für die Behandlung einer bislang tödlichen Krankheit, nämlich Diabetes, war gelegt. „Die beiden Kanadier waren allerdings nicht [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der 27. Juli 1921 war ein besonderes Datum. An diesem Tag vor 100 Jahren gelang den Medizinern Frederick Banting und Charles Best ein Meilenstein in der Medizingeschichte¹. Erstmals isolierten sie Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Hunden. Der Grundstein für die Behandlung einer bislang tödlichen Krankheit, nämlich Diabetes, war gelegt. „Die beiden Kanadier waren allerdings nicht die Ersten, die sich mit dem Thema befassten“, weiß Dr. Helmut Strohmeier, Inhaber der Theater Apotheke in Würzburg. Bereits 1894 habe der Franzose Eugene Gley ein Extrakt aus dem Pankreas von Rindern und Schweinen gewonnen, mit dem er eine blutzuckersenkende Wirkung beim Menschen erzielen, dies aber wegen fehlender finanzieller Mittel nicht weiterverfolgen konnte.</p>
<p>1916 sei es auch dem Rumänen Nicolae Paulescu gelungen, einen wässrigen Pankreasextrakt herzustellen, der in der Veterinärmedizin zum Einsatz kam. Last but not least sei der Internist Georg Ludwig Zülzer auf dem Gebiet der Behandlung der Zuckerkrankheit forschend tätig gewesen. Ihm glückte die Extrakt-Herstellung 1908. Das Potenzial seines Patents sei damals aber nicht erkannt und die Produktion gestoppt worden. Anders sei die Geschichte bei Banting und Best verlaufen. „Sie überließen ihr Patent für einen Dollar der Universität von Toronto, da sie keinerlei Vermarktungsrechte beanspruchten“, verweist der Apotheker auf diesen „selbstlosen Akt.“ „Diabetes war bis dato ein Todesurteil. Die Betroffenen konnten aufgrund des fehlenden Insulins ihre Nahrung nicht verstoffwechseln. Sie magerten ab, fielen in einen ­präkomatösen Zustand und verstarben.“ Der erste mit Insulin erfolgreich behandelte Patient sei ein 13-jähriger Junge gewesen. Ganze 14 Jahre habe er noch gelebt und sei am Ende an einer Lungenentzündung verstorben.</p>
<div id="attachment_12552" style="width: 218px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-12552" class=" wp-image-12552" src="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/BLAK-248x300.jpg" alt="" width="208" height="252" srcset="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/BLAK-248x300.jpg 248w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/BLAK-846x1024.jpg 846w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/BLAK-1269x1536.jpg 1269w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/BLAK-1692x2048.jpg 1692w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/BLAK-218x264.jpg 218w" sizes="(max-width: 208px) 100vw, 208px" /><p id="caption-attachment-12552" class="wp-caption-text">Dr. Strohmeier ©Schmelz Fotodesign</p></div>
<p>Heute ist die Stoffwechselstörung Diabetes gut behandelbar, sowohl Typ 1 als auch Typ 2. Nicht nur die Entdeckung von Insulin, sondern vieles mehr, was danach kam, hat der Diabetologie einen Schub verliehen und ein Leben mit Zucker ermöglicht. Auch die Theater-Apotheke ist seit gut 15 Jahren auf dem Gebiet der Diabetes- und Ernährungsberatung aktiv. „Wir bieten ein sogenanntes Disease-Management an, das von der Zuckerwertbestimmung bis zum individualisierten Kochbuch reicht“, berichtet Strohmeier. Der Apotheker und sein Team möchten früh – möglichst schon in der Prävention – ansetzen und die Patient:innen in die Eigenverantwortung nehmen. Auch an Studien, die immer neue Erkenntnisse bringen, haben sie sich schon beteiligt, etwa mit der Teilnahme an „Glicemia 2.0“², die Menschen mit Diabetes Typ 2 ein Jahr lang betreute. Eines der Ergebnisse war: „Die Hilfestellung zu einer medikamentösen Therapie ist das A und O.</p>
<p>So kann eine Änderung des Lebensstils mit 10.000 Schritten am Tag und drei ausgewogene Mahlzeiten mit wenig Zucker, Weißmehl und tierischem Fett sowie eine regelmäßige Kontrolle den Langzeitzucker signifikant senken und die Lebensqualität enorm steigern“, so der Pharmazeut. Man müsse „nur“ den inneren Schweinehund an die Leine nehmen und mit ihm Gassi gehen – zweimal eine halbe Stunde am Tag (10.000 Schritte).</p>
<p><em>Quellen:<br />
¹<a href="https://www.diabetesde.org/100-jahre-insulin-geschichte-lebenswichtigen-hormons">https://www.diabetesde.org/100-jahre-insulin-geschichte-lebenswichtigen-hormons</a>,<br />
²<a href="https://www.wipig.de/ueber-uns/wissenschaft/wissenschaftliche-projekte/item/glicemia-2-0">https://www.wipig.de/ueber-uns/wissenschaft/wissenschaftliche-projekte/item/glicemia-2-0</a></em></p>
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		<title>Der Kampf um Kranke</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/der-kampf-um-kranke/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Loretta Klevenow]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Oct 2021 12:39:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Er gilt als Meilenstein in der Geschichte des Universitätsklinikums Würzburg (UKW): Der Umzug der „Universitätskliniken im Juliusspital“ im Jahr 1921 hinaus aus der Innenstadt ins hochmoderne, am Stadtrand angelegte staatliche Luitpoldkrankenhaus. Das ist jetzt 100 Jahre her, im November wird das UKW bei einem Festakt an die einstige Eröffnung erinnern. Der Würzburger Medizinhistoriker Dr. Andreas [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Er gilt als Meilenstein in der Geschichte des Universitätsklinikums Würzburg (UKW): Der Umzug der „Universitätskliniken im Juliusspital“ im Jahr 1921 hinaus aus der Innenstadt ins hochmoderne, am Stadtrand angelegte staatliche Luitpoldkrankenhaus. Das ist jetzt 100 Jahre her, im November wird das UKW bei einem Festakt an die einstige Eröffnung erinnern. Der Würzburger Medizinhistoriker Dr. Andreas Mettenleiter erarbeitete dazu eine Festschrift, in der die Geschichte des UKW ab 1921 bis in die Gegenwart abgebildet wird.</p>
<p>Als sich Anfang des Jahrtausends die Grundsteinlegung des Juliusspitals jährte, hatte er bereits das Werk „Das Juliusspital in Würzburg“ verfasst. Die aktuelle Festschrift setze die Geschichte nun fort, sagt der Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg. Bis zur Grundsteinlegung 1921 in Grombühl war der Weg weit. Schon 1907 hatte der Magistrat der Errichtung eines städtischen, konfessionell ungebundenen Krankenhauses zugestimmt.</p>
<div id="attachment_12556" style="width: 203px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-12556" class=" wp-image-12556" src="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/ApothKommissionierung1960_braun-c-Archiv-Uniklinikum-Würzburg-300x219.jpg" alt="" width="193" height="141" srcset="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/ApothKommissionierung1960_braun-c-Archiv-Uniklinikum-Würzburg-300x219.jpg 300w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/ApothKommissionierung1960_braun-c-Archiv-Uniklinikum-Würzburg-1024x748.jpg 1024w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/ApothKommissionierung1960_braun-c-Archiv-Uniklinikum-Würzburg-1536x1121.jpg 1536w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/ApothKommissionierung1960_braun-c-Archiv-Uniklinikum-Würzburg-218x159.jpg 218w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/ApothKommissionierung1960_braun-c-Archiv-Uniklinikum-Würzburg.jpg 2000w" sizes="(max-width: 193px) 100vw, 193px" /><p id="caption-attachment-12556" class="wp-caption-text">©Archiv Andreas Mettenleiter</p></div>
<p>1910 erwarb die Stadt das Gelände „Am Sündlein“ für 550.000 Mark, im März 1912 folgte der erste Spatenstich mit einem strammen Zeitplan: 1917 sollte das nach dem in der Würzburger Residenz geborenen Prinzregent Luitpold I. von Bayern benannte „Luitpoldspital“ eröffnen. Eine Ausstellung in Bad Kissingen bis Februar 2022 erinnert an ihn. Krieg und Inflation allerdings machten die Pläne zunichte, die Eröffnung verzögerte sich um mehrere Jahre. Und auch von einer anderen Idee musste man absehen: Zwar hatte sich Würzburg an der Finanzierung des Neubaus von 1910 bis 1921 beteiligt. Dann aber fehlte es am Geld und die Stadt schied aus dem Vertrag mit dem bayerischen Staat aus, das UKW liegt seither in alleiniger Trägerschaft des Freistaats. Grombühl bestand in den 1920er-Jahren aus wenigen Häusern, erzählt Mettenleiter. Und viele Würzburger:innen schauten mit einer gewissen Skepsis auf das neue Lehrkrankenhaus am Stadtrand. „Die Leute waren immer ins Juliusspital gegangen und kannten es. Hinzu kam: Das neue Krankenhaus war nicht katholisch, sondern konfessionell ungebunden“, sagt der 52-Jährige.</p>
<div id="attachment_12558" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-12558" class="size-medium wp-image-12558" src="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/Lukra-Krankenzimmer-BQ-MET-c-Archiv-Andreas-mettenleiter-300x185.jpg" alt="" width="300" height="185" srcset="https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/Lukra-Krankenzimmer-BQ-MET-c-Archiv-Andreas-mettenleiter-300x185.jpg 300w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/Lukra-Krankenzimmer-BQ-MET-c-Archiv-Andreas-mettenleiter-1024x631.jpg 1024w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/Lukra-Krankenzimmer-BQ-MET-c-Archiv-Andreas-mettenleiter-1536x946.jpg 1536w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/Lukra-Krankenzimmer-BQ-MET-c-Archiv-Andreas-mettenleiter-2048x1262.jpg 2048w, https://www.lebenslinie-magazin.de/wp-content/uploads/2021/10/Lukra-Krankenzimmer-BQ-MET-c-Archiv-Andreas-mettenleiter-218x134.jpg 218w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-12558" class="wp-caption-text">©Archiv Andreas Mettenleiter</p></div>
<p>Nun konkurrierten die beiden Kliniken – das Traditionshaus und der hochmoderne Neubau mit zentraler Dampfversorgung und Zentralküche. Vergleichbar Modernes gab es laut Mettenleiter andernorts nicht. Der Konkurrenzkampf der beiden Krankenhäuser ging anfangs so weit, dass Posten und Gegenposten aufgestellt wurden, um gegenseitig Patient:innen abzuwerben. Es sei ein regelrechter Kampf um Kranke gewesen. Von der breiten Bevölkerung tatsächlich angenommen wurde das „Lukra“ erst, als es durch die Erweiterung der Straßenbahnlinie ab 1926 an die Kernstadt direkt angebunden war. Schon wenige Jahre später, 1932 bis 1934, vergrößerte sich der Luitpold-Campus durch den Neubau einer Frauenklinik. ­Heute gehören zum Universitätsklinikum der Maximalversorgung 19 Kliniken und drei Polikliniken und verschiedene Forschungseinrichtungen. Mit 7.100 Mitarbeiter:innen handelt es sich 2021 um den größten Arbeitgeber der Region, 3.000 Medizinstudierende kommen hinzu. Einige Gebäude des Luitpoldkrankenhauses, Gartenanlagen, die Umfassungsmauern, die Frauenklinik und das Kopfklinikum stehen heute unter Denkmalschutz.</p>
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		<title>Eine tatkräftige Frau</title>
		<link>https://www.lebenslinie-magazin.de/artikel/eine-tatkraeftige-frau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Loretta Klevenow]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Apr 2021 11:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung & Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Mitten in Würzburgs Innenstadt, und zwar am Kürschnerhof, eröffnete Klara Oppenheimer am 3. Juni 1918 eine „Spezialpraxis für Säuglings- und Kinderkrankheiten“. Das war zu jener Zeit mehr als ungewöhnlich. „Klara Oppenheimer war damit die erste niedergelassene Ärztin in Würzburg“, weiß Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle. Kinderärzte an sich waren in Würzburg rar: „Nur drei praktische Ärzte [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mitten in Würzburgs Innenstadt, und zwar am Kürschnerhof, eröffnete Klara Oppenheimer am 3. Juni 1918 eine „Spezialpraxis für Säuglings- und Kinderkrankheiten“. Das war zu jener Zeit mehr als ungewöhnlich. „Klara Oppenheimer war damit die erste niedergelassene Ärztin in Würzburg“, weiß Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle. Kinderärzte an sich waren in Würzburg rar: „Nur drei praktische Ärzte führten damals die zusätzliche Berufsbezeichnung ‚Kinderarzt‘.“</p>
<p>Mit der Praxis hatte Klara Oppenheimer die letzte Hürde zu ihrem Traumberuf genommen. 50 Jahre war sie zu diesem Zeitpunkt alt. Hinter der Jüdin lag ein verschlungener Weg. Oppenheimer war ausgebildete Lehrerin. Im Verein „Frauenheil“, der laut Steidle ersten feministischen Organisation in Würzburg, kämpfte sie von 1898 an für höhere Frauenbildung. Zwei Jahre später wurde sie Gasthörerin an der Uni Würzburg. 1903 begannen die ersten beiden Frauen, in Würzburg Medizin zu studieren. Klara Oppenheimer war nicht unter ihnen, da sie zunächst das Abitur nachmachen musste. Im Jahr 1906 immatrikulierte sie sich als Medizinstudentin. Dass sie Jüdin war, wurde Oppenheimer von 1933 an zum Verhängnis. Kurz nachdem Hitler an die Macht gekommen war, schloss die promovierte Ärztin aus gesundheitlichen Gründen ihre Praxis: Klara Oppenheimer war zu diesem Zeitpunkt 66 Jahre alt. „Am 14. November 1933 wurde sie Opfer einer Denunziation“, berichtet der Würzburger Stadtheimatpfleger.</p>
<p>Die staatsfeindlichen Aktivitäten, die ihr vorgeworfen wurden, konnten nicht nachgewiesen werden. Doch die Schikanen und Repressalien seien weitergegangen. Vergeblich beantragte Oppenheimer im Oktober 1934 einen Pass für die Ausreise in die Schweiz. 1943 wurde sie im Holocaust im KZ Theresienstadt ermordet. In Gedenken an Klara Oppenheimer wurde 2007 beschlossen, die Würzburger Berufsschule für kaufmännische, soziale und Ernährungsberufe in „Klara-Oppenheimer-Schule“ umzubenennen. In der „Sozialen Frauenschule“ der im Jahr 1900 gegründeten Sophienschule unterrichtete sie neben ihrem Beruf als Kinderärztin während der Weimarer Republik das Fach „Gesundheitslehre“. Was Klara Oppenheimer aus eigener Kraft geschaffen habe, sei bewundernswert. „Dennoch wäre diese tapfere, tatkräftige Demokratin und Frauenrechtlerin fast aus dem Gedächtnis Würzburgs verschwunden“, so Steidle bei der Namensgebungsfeier 2007. Dass das früher Kaufmännische Berufsbildungszentrum nach Klara Oppenheimer benannt wurde, setzt laut dem Stadtheimatpfleger einen wichtigen Akzent in Würzburgs Erinnerungskultur.</p>
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