Wetten, dass…

Palmöl, Liebling der Lebensmittelindustrie – problematisch für Gesundheit und Umwelt

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Foto: depositphotos/©tristantan71

Machen Sie doch mal den Test: Öffnen Sie Ihre heimischen Küchenschränke und lesen Sie die Zutatenlisten auf den Verpackungen von Brotaufstrichen, Süßigkeiten und Fertigprodukten.

Wetten, dass eine Zutat Ihnen häufiger begegnen wird?

Oder werfen Sie einen Blick ins Badezimmerschränkchen… auch da werden Sie unter den Inhaltsstoffen von Kosmetika und Waschmitteln sicher fündig: Palmöl, die „Universalzutat“, scheint der Liebling der Lebensmittel- und Chemieindustrie zu sein.

Das Pflanzenfett, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird, steckt inzwischen in jedem zweiten Produkt aus dem Supermarkt. Mit über 30 Millionen Tonnen ist es das am meisten angebaute Pflanzeöl der Welt. Es stammt heute überwiegend aus Indonesien und Malaysia. Für die Industrie bietet es viele Vorteile: Es ist billiger in der Produktion als andere Pflanzenöle, dabei hitzestabil, lange haltbar und in raffinierter Form nahezu geschmacksneutral.

Speisen beigesetzt, sorgt es für eine cremige und streichfeste Konsistenz, und in Kosmetika wirkt es hautglättend und rückfettend. Der Anbau des Alleskönners verursacht allerdings in den Herkunftsländern immense Umweltprobleme: Die Abholzung von tropischen Wäldern und die Trockenlegung von Torfmoorböden schaden dem Klima und die riesigen Monokulturen rauben Tierarten den Lebensraum.

Die Artenvielfalt wird bedroht. Darüber hinaus sind Menschenrechtsverletzungen auf den Plantagen keine Seltenheit. Auch für die Gesundheit hiesiger Verbraucher birgt das „flüssige Gold“ zumindest in raffinierter, also gereinigter Form, erhebliche Risiken.

„Beim Erhitzen auf zirka 200 Grad werden 3-MCPD- und Glycidol-Fettsäureester gebildet“, erklärt Sandra Hartl vom Team der Ernährungsberatung in der Missioklinik Würzburg. „Aus diesen Stoffen wird beim Verdauen Glycidol abgespalten und das gilt als krebserregend.“

Zwar würden alle gereinigten Speisefette Glycidol-Fettsäureester aufweisen, doch sei die Konzentration in Palmölen und -fetten besonders hoch. Aus diesem Grund warnte im Mai 2016 die Europäische Lebensmittelbehörde vor dem übermäßigen Verzehr von palmölhaltigen Produkten, bei jüngeren Altersgruppen rät sie sogar von einer durchschnittlichen Verzehrmenge ab.

„Der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren in Palmöl kann sich, wenn man zuviel davon zu sich nimmt, auch negativ auf die Blutfettwerte auswirken“, weiß die Diätassistentin. „Insbesondere das ‚schlechte Cholesterin‘, das LDL-Cholesterin, kann die Wirkung von Insulin im Körper beeinträchtigen und damit das Diabetesrisiko erhöhen.“

Auch die Schädigung von Gefäßwänden respektive ihr Verkalken sei möglich, was wiederum schwerwiegende Erkrankungen wie einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zufolge haben könne.

„Dennoch muss man sagen, dass gesättigte Fettsäuren an sich nicht ungesund sind. Wie sooft ist die Menge entscheidend und das Verhältnis zwischen gesättigten, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren.“

Mit 900 Kilokalorien pro 100 Gramm sei Palmöl aber in jedem Fall keine leichte Kost.

Quelle: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, www.efsa.europa.eu

www.utopia.de
www.greenpeace.de
www.wwf.de
www.efsa.europa.eu

 

Seit Dezember 2014 haben Lebensmittelhersteller die Pflicht, Palmöl in der Zutatenliste explizit auszuweisen – doch oft verbirgt es sich unter anderen Bezeichnungen wie  „Palmate“, „Sodium Palm Kernelate“, „Palmitic Acid“ oder „Hydrogenated Palm Glycerides“. Auch Produkte mit dem Bio-Siegel können Palmöl enthalten. Palmölfreie Produkttipps finden sich unter www.umweltblick.de und unter www.utopia.de. Online-Shops, die palmölfreie Produkte anbieten, sind beispielsweise www.veglifeenterprise.com oder www.sonnentor.com. 

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