Was sind Phytopharmaka?

Herausforderungen bei der Produktion von Arzneitees – auf Recherchetour in Abtswind bei Kräuter Mix

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Damit die Qualität stimmt, setzen Michael Kämmerer (Marketing), Doris Korittke, Apothekerin und Leiterin Qualitätskontrolle, sowie Harold Van Gampelaere (BSc Herbal Medicine und Vertrieb) hohe Qualitätsstandards bei Kräuter Mix in Abtswind (v.l.n.r.). Foto: Susanna Khoury

Wenn die Erkältungszeit beginnt, greifen viele Menschen auf erste Hilfe aus der Natur zurück – etwa in Form eines Husten- und Bronchialtees. Die hier verwendeten Blätter, Blüten, Rinden und Wurzeln von Pflanzen unterliegen strengen Prüfungsverfahren.

Sie werden für die Herstellung von Arzneitees eingesetzt, die eine Zulassung benötigen und nur in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Der Begriff „Phytopharmaka“ leitet sich aus den griechischen Bezeichnungen phytón (Pflanze) und phármakon (Arzneimittel) ab. Diese für Arzneitees verwendeten pflanzlichen Stoffe werden als Drogen bezeichnet.

„Beim Husten- und Bronchialtee gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Wirkungen, eine schleimlösende und eine reizlindernde“, erklärt Apothekerin Doris Korittke, sachkundige Person und Leiterin der Qualitätskontrolle bei Kräuter Mix in Abtswind.

„Eine Mischung, die bei Reizhusten eingesetzt wird, wirkt beruhigend und besteht zum Beispiel aus Spitzwegerich, Eibisch- und Malvenblättern. Süßholzwurzel, Fenchel und Thymian sind in Mischungen enthalten, die schleimlösend wirken“, so die Lebensmittelchemikerin.

Um die Qualität der verwendeten Drogen zu gewährleisten, arbeite die Traditionsfirma – mit einem Jahresumsatz von rund 110 Millionen (2016) – eng mit Lieferanten in über 70 Ländern zusammen, betont Marketingreferent Michael Kämmerer.

Um die strengen Qualitätsanforderungen für Arzneitees zu erfüllen, arbeitet das hauseigene Labor in Abtswind mit modernster Technologie und sachkundigem Personal. Foto: Kräuter-Mix GmbH

Schulungen und unangekündigte Prüfungstermine vor Ort in den Partnerbetrieben sowie Rohstoffveredelung mit validen Hygienekonzepten zur Keimreduzierung und engmaschiges Qualitätsmanagement zuhause in Abtswind würden höchstmögliche Qualität und Sicherheit gewährleisten, so der für den Vertrieb zuständige studierte Kräutermediziner (BSc HerbalMedicine) Harold Van Gampelaere.

Absolute Sicherheit, dass alle Chargen komplett frei von Pyrrolizidinalkaloide (PA)-haltigen Beikräutern sind, könne zur Zeit niemand aus der ganzen Branche garantieren, so Doris Korittke. Mit Hochdruck werde an Lösungen etwa beim Ernten der Pflanzen gearbeitet, so die Leiterin der Qualitätskontrolle.

„Nur eine PA-haltige Unkrautpflanze auf zehn Hektar kann schon eine Charge sozusagen unbrauchbar machen“, erklärt die Apothekerin. Nun bestehen die Herausforderungen darin, erstens die Beikräuter erst gar nicht mit zu ernten, und zweitens, wenn dann geerntet wurde, festzustellen: Sind PAs darin?

Akute Gesundheitsgefährdung bestehe laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) selbst bei hohem PA-Gehalt nur bei Vieltrinkern. Das sind Erwachsene, die täglich mehr als drei Tassen Kräutertee zu sich nehmen.

Bei Kindern allerdings schon ab einer Tasse täglich. Bei Normalverzehrern, die täglich eine oder zwei Tassen Kräutertee trinken (Kinder eine viertel Tasse) würden nach heutigem Wissen mitgeerntete PAs kein erhöhtes karzinogenes oder leberschädigendes Potenzial entwickeln, so das BfR.

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