Sehnen: belastbar, aber verletzlich

Orthopäde Piet Plumhoff spricht über operative und nicht-operative Therapien nach einem Riss

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Oberarzt Piet Plumhoff,
Schwerpunktleiter der Schulter-
und Ellenbogenchirurgie an der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus in Würzburg, zeigt am Modell die Sehnen am Schultergelenk. Foto: Michaela Schneider

Nur durch das Zusammenspiel von Muskeln und Sehnen kann der Mensch laufen oder springen, Klavier spielen oder Bälle werfen. Denn die Sehne leitet die Kraft, die der Muskel ausübt, auf den Knochen weiter.

Piet Plumhoff, Oberarzt in der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus (KLH) in Würzburg, spricht von einer Funktionseinheit aus Muskel und Sehne. Zudem erfüllt die Sehne laut dem 43-Jährigen als zweite Aufgabe eine Art Federwirkung und verstärkt dadurch passiv die Kraft des Muskels. Die stärkste Sehne des Körpers ist die Achillessehne, sie kann bis zu eine Tonne Zuglast aushalten. Sehnen sind also an sich sehr kräftig, gleichzeitig jedoch verletzlich.

Die Achillessehne treffen

Bei rund 30 Prozent aller Sportverletzungen ist eine Sehne betroffen, nicht selten die Achillessehne. „Zu einer Überlastung kann es etwa kommen, wenn man beim Fußballspielen abrupt anspannen muss“, sagt Plumhoff. Die Muskelkraft ist zu groß, die Sehne reißt. Doch Prävention ist möglich, denn: Das Zusammenspiel zwischen Sehne, Gelenk und Muskel, ebenso spezifische Belastungen, lassen sich trainieren.

Experten sprechen vom Training der Tiefensensibilität. Wichtig ist zudem die unmittelbare Vorbereitung vor der sportlichen Betätigung durch Aufwärmen, aber vor allem Dehnen. Kommt es doch zum Sehnenriss, hängt die Form der Therapie – ob konservativ oder operativ – von der Sehnenart, der Schwere der Verletzung, aber auch vom Alter des Patienten und seinen Ansprüchen an die künftige Belastbarkeit ab.

„Die Sehne ist zwar eine passive Struktur, aber hängt am aktiven Muskel. Reißt sie, zieht der Muskel die beiden Sehnenenden auseinander“, erklärt Plumhoff. Bei der Therapie müssen diese wieder zusammengeführt werden, um zusammenwachsen zu können. In einigen Fällen gelingt dies nur mittels Operation. „Braucht es keine Operation, umso besser“, sagt Plumhoff. Bei der Diagnose greifen Ärzte auf klinische sowie bildgebende Verfahren zurück, vor allem auf Ultraschall und MRT.

Bei einem Achillessehnenriss kann laut dem Orthopäden im Ultraschall geprüft werden, wie weit die Sehnenenden auseinander liegen. Nehme der Patient nun die sogenannte Ballerinastellung mit gestreckten Zehenspitzen ein und die Sehnenenden berühren sich, könne man eine nicht-operative Therapie in Erwägung ziehen. Die Schwierigkeit: Das Heilungspotenzial einer Sehne ist eher schlecht, weil es sich um zellarmes Gewebe mit wenigen Blutgefäßen handelt. Um einigermaßen zu heilen, braucht eine Sehne mindestens sechs Wochen, in dieser Zeit ist Schonung angesagt.

Verletzungen & Verschleiß

Verletzungen sind die eine Gefahr für die Sehnen, Verschleiß die andere. Betroffen ist nicht selten die Schulter. Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen treten häufig erst spät auf, wenn der Verschleiß fortgeschritten ist.

Der Orthopäde erklärt: „Der Körper arbeitet sehr effizient: Geht ein Teil kaputt, muss ich das nicht gleich der Schaltzentrale im Gehirn melden. Stattdessen versuchen andere Muskel- und Sehnengruppen, das Defizit auszugleichen.“ Das Positive: Rund 30 Prozent der 70-Jährigen haben laut Plumhoff Risse in Sehnen, aber keinerlei Beschwerden. Eine der wichtigsten Maßnahmen bilde bei Sehnenverletzungen die Physiotherapie.

„Ohne diese kann ich meine Operation vergessen“, betont er. Selbst in der Schonungsphase direkt nach der Operation muss die Funktionseinheit bewegt werden. „Die gerissene Sehne muss sich neu ausrichten, sie muss vernarben, aber diese Narbenbildung muss strukturiert verlaufen. Erreichen kann ich dies, indem ich leichte Reize durch Bewegung setze. Geschieht das nicht, kann das Gelenk einsteifen“, erläutert der Schwerpunktleiter Schulter- und Ellenbogenchirurgie im KLH.

Gleichzeitig können gerade bei Verschleiß, selbst wenn eine Sehne gerissen ist, die anderen Sehnen und Muskeln häufig soweit trainiert werden, dass sie das Funktionsdefizit ausgleichen und auf eine Operation verzichtet werden kann.

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