Schwermut, Trübsinn, tiefe Verzweiflung

Jeder Fünfte erfährt einmal im Leben eine depressive Episode, sagt Dr. Andreas Menke

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Dr. Andreas Menke, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum in Würzburg. Foto: Michaela Schneider

Dr. Andreas Menke, Oberarzt
an der Klinik und Poliklinik für
Psychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie am Universitätsklinikum in Würzburg. Foto: Michaela Schneider

Depressionen zählen zu den potentiell tödlichen Krankheiten, 10.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr durch Suizid. Entsprechend wichtig ist es, Warnzeichen früh zu erkennen.

Denn: Eine Depression ist sehr gut behandelbar, sagt Dr. Andreas Menke, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum in Würzburg.

Zu den wichtigsten Merkmalen gehören niedergedrückte Stimmung und der Verlust von Antrieb, Motivation und Interessen. Doch ist die Liste möglicher Symptome länger mit Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Schlaf- und Essstörungen, Unruhe und Anspannung, Angst, Gedanken von Schuld und Wertlosigkeit, der Angst vor Verarmung, Hoffnungslosigkeit, Selbstmordgedanken und -absichten bis hin zu suizidalem Verhalten.

Auch körperliche Symptome können die Krankheit begleiten, Menke listet Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Atembeschwerden und selbst Unterleibsbeschwerden auf. Häufig steht eine Depression zudem in Zusammenhang mit anderen Krankheiten – von einer Alkoholabhängigkeit, über Angst- und Persönlichkeitsentwicklungsstörungen bis hin zu Ess- und Zwangsstörungen.

Was aber sind die Auslöser? „Den einen Grund gibt es nicht“, sagt Dr. Menke. Gene erklären immerhin 40 Prozent des Risikos, an einer Depression zu erkranken. Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Stoffwechselstörung des Gehirns zugrunde liegt und die Ausschüttung der Nervenbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin gestört ist.

Zudem funktioniert wohl die Cortisol-Hemmung nicht richtig – also jenes Hormons, das bei psychischem wie körperlichem Stress vermehrt freigesetzt wird. Daneben stehen verschiedene Umweltursachen: Lebens-ereignisse wie Verluste, Konflikte auf der Arbeit oder in der Familie, Trauer oder Krankheit.

Auch Medikamente können eine Rolle spielen. Die gute Nachricht: Eine Depression ist heilbar. Die Behandlung baut laut Andreas Menke auf zwei Säulen auf: der Pharmakotherapie und der Psychotherapie. Der Therapeut versucht mit dem Patienten, eine Tagesstruktur zu etablieren. Mit kognitivem Training wird die Konzentration wieder hergestellt.

Mittels Ergotherapie wird der Patient über Aktion handlungsfähig gemacht. Und Studien belegen, dass Sport nicht nur während der Depression positiv wirkt, sondern auch einen guten Rückfallschutz bietet. Zum Teil bei mittelschweren, besonders bei schweren Depressionen empfiehlt sich ergänzend eine antidepressive Pharmakotherapie.

Wissen sollten Patienten: Bis Medikamente eine erste Wirkung zeigten, könnten drei bis sechs Wochen vergehen. Doch auch, wenn die Depression überwunden scheint, sollten Patienten sensibel bleiben, denn nach der ersten Episode liegt das Rückfallrisiko bei immerhin 50 Prozent, nach einer zweiten Episode bereits bei 80 bis 90 Prozent.

Info:
Wanderausstellung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe bis Mitte Januar im UKW, Vernissage und Einführung am 10. Dezember von 9 bis 13 Uhr im Hörsaal des Zentrums für Psychische Gesundheit UKW.

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