Neue Lösungsansätze zu alten Fragen

Der 10. ICW-Süd/HWX-Kongress des Instituts Schwarzkopf stellt den Menschen in den Fokus

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Dr. Schwarzkopf veranstaltet gemeinsam mit seiner Frau bereits seit zehn Jahren den Hygienekongress – jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt und immer mit namhaften Referenten. Foto: Susanna Khoury

„Für viele mag es eher wie einer der abgedroschenen Sätze aus dem Leitbild klingen, in jeder medizinischen Einrichtung zu finden und oft aus verschiedensten Gründen kaum zu leben. Menschen für Menschen“, sagen Dipl. Biochem. Claudia Schwarzkopf und PD Dr. med. Andreas Schwarzkopf.

Die Leiter des ICW-Süd/HWX-Kongresses auf der Festung Marienberg gingen, gemeinsam mit einem internationalen Referententeam, Mitte März gleich mehreren komplexen Fragen zu diesem Thema auf den Grund. Denn: „Menschen für Menschen“ – ist das im Zeitalter der Digitalisierung, Telemetrie, der Pflegeroboter und tröstender Robo-Hunde und Robo-Robben überhaupt noch ein Thema?

Sie sind sich einig: „Ja, denn die Biologie lässt sich nicht aushebeln.“ Über zwei Tage hinweg hatten die Kongressteilnehmer Gelegenheit, unter den Aspekten Hygienemanagement, Wundversorgung und Mensch im Fokus, sich diesen alten Grundsatz mit Blick auf unsere modernen Zeiten vor Augen zu führen.

Für die Veranstalter und ihr Team ist klar: „Die jahrtausendealte körpereigene Abwehr ist auf Zuwendung angewiesen, um immer neuen Varianten bekannter Erreger und der Ausbreitung bisher weniger bekannter Erreger entgegenstehen zu können.“ Dabei sollten sich die Pflegenden selbst nicht zurücknehmen.

Nur wer sich bei zunehmendem Stress auf wichtige Aspekte seiner Arbeit fokussieren könne, helfe etwa, Hygienefehler zu vermeiden. Nur wer konzentriert und analysiert handle, könne Wunden beim schließen helfen. Und last but not least: Nur wer trotz Stress noch Empathie empfinde, bringe das für das Gesundwerden so wichtige Quäntchen Menschlichkeit in die entsprechende Einrichtung.

Einblicke in die Praxis gab unter anderem Thomas Meyer, Mit-Gründer des Düsseldorfer Hygienemanagement-Unternehmens Hysyst. Unter dem Titel „Krankenhaus 4.0 – Digitalisierung und Überwachung von Hygieneprozessen“ zeigte der Fachmann auf, wie moderne Technik zur Optimierung der Hygiene, dem besseren Zusammenspiel verschiedener Akteure und zu reibungsloseren Abläufen beitragen kann, aber auch aufzeigt, wie Menschen aufgrund utopischer Leistungsvorgaben von Dienstleistern an ihre Grenzen stoßen.

So betonte Meyer, dass der Einsatz eines Tablets direkt auf Reinigungswagen und dem detaillierten Klick durch die verschiedenen Arbeitsschritte nicht nur Kontrolle ermögliche. Er gebe der Leistung auch ein Gesicht.

Claudia Schwarzkopf wiederum widmete sich in ihrem Vortrag „Flüchtlinge, Soldaten und Opfer – wie Traumen auf die Wundheilung wirken“ einem derzeit hochaktuellen Thema. Die Referentin sensibilisierte die Anwesenden unter anderem für die Situation der Menschen, die es unter teils widrigsten Umständen aus Krisengebieten bis nach Deutschland geschafft haben.

Es wurde deutlich: Der Umgang mit ihnen und ihren seelischen wie körperlichen Wunden bedürfe eines besonderen Verständnisses für deren Hintergrund. So kämen Flüchtlinge nicht einfach nur in ein anderes Land. Sie verlieren ihr Eigentum, ihre Heimat und ihren sozialen Status.

Oft seien sie monatelang extremen Widrigkeiten ausgesetzt gewesen und hätten für eine bessere Zukunft viel auf sich genommen. Hier angekommen würden sie aber feststellen: „Das versprochene Paradies bleibt verschlossen. Stattdessen werden sie mit einer völlig anderen Umgebung konfrontiert“.

Einsamkeit, Heimweh und Angst bestimmen den Alltag. Diejenigen, die ihnen jetzt zur Seite stehen, müssten nicht nur damit umzugehen wissen. „Es sind andere Arten von Verletzungen“, sagt Claudia Schwarzkopf und verweist auf Beispiele wie Schusswunden oder schwere Verbrennungen, die Flüchtlinge erlitten haben.

Auch der islamische Glaube und die Familie spiele eine entscheidende Rolle. Das Thema Gesundheit wird hier gänzlich anders angegangen. Neben divergierenden Hygieneregeln werde zum Beispiel auch mit dem Thema Schmerz anders umgegangen. Dieser Ausnahmezustand schlägt auf die Psyche und wirkt sich auf die körpereigene Abwehr aus.

„Ziel ist es, diese Menschen ins Hier und Jetzt zu holen, ihr Leiden anzuerkennen und ihnen soziale Unterstützung sowie physische, psychische und soziale Sicherheit zu geben“, sagt die Referentin.

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