Mehr Zecken durch Klimawandel?

Jochen Hawesch, Erste-Hilfe-Experte der Johanniter in Unterfranken, gibt Tipps zum Umgang mit Zeckenbissen

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Foto: depositphotos.com/©Sielan

Zecken gelten als typische „Sommerplagegeister“. Doch der Klimawandel sorgt möglicherweise dafür, dass die Tiere vor allem im Süden Deutschlands bald ganzjährig aktiv sind.

Das jedenfalls meint Ute Mackenstedt, Parasitologin von der baden-württembergischen Uni Hohenheim. Nach ihren Erkenntnissen sind Zecken inzwischen teilweise bereits ab Februar aktiv. Erst im Dezember machten die Spinnentiere eine kurze Pause.

Hieb- und stichfeste Dokumentationen darüber, dass der Klimawandel Einfluss auf die Zeckenplage hat, gibt es aktuell nicht, sagt dazu Aleksander Szumilas, Pressesprecher des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Es müsse allerdings damit gerechnet werden, dass sich durch den Klimawandel in Deutschland allmählich neue oder bislang selten anzutreffende Zeckenarten ausbreiteten.

Die bei uns häufigste Art, Ixodes ricinus oder „Gemeiner Holzbock“, wandert Studien zufolge gleichzeitig weiter nach Norden. Den Statistiken der LGL zufolge steigen in Unterfranken die Fallzahlen für Lyme-Borreliose an.

716 Menschen erkrankten letztes Jahr daran. 2015 wurden 391, 2013 knapp 630 Fälle registriert. Acht Unterfranken erkrankten 2016 an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Was tun, wenn eine Zecke zugeschlagen hat? „Das ist kein Grund zur Panik“, beruhigt Jochen Hawesch, Erste-Hilfe-Experte der Johanniter-Unfall-Hilfe in Unterfranken.

Wer die Zecke zügig entfernt, kann sich sehr gut vor einer Borreliose schützen. Erst zwölf bis 24 Stunden nach dem ersten Saugen gelangen die gefährlichen Erreger in die gebissene Wunde. Zecken dürfen nach Aussage des Johanniter-Spezialisten allerdings keinesfalls mit Klebstoff, Öl oder anderen Mitteln erstickt werden: „Im Todeskampf sondert das Tier vermehrt Flüssigkeit ab, die Infektionsgefahr steigt dadurch.“

Geeignet zur Entfernung seien Pinzetten oder spezielle Zeckeninstrumente. Die Johanniter selbst bieten Zeckenkarten an: „Dank des praktischen Formats hat man eine gute Hebelwirkung, durch die sich die komplette Zecke leicht heraushebeln lässt.“

Die Zecke sollte hautnah im Kopfbereich angefasst und gerade herausgezogen werden. Sinnvoll ist es laut Hawesch, die Einstichstelle mit einem wasserfesten Stift zu umkreisen: „Um beobachten zu können, ob sich ein rötlicher Hof bildet.“

Mit Hilfe einer Lupe, die in die Zeckenkarte der Johanniter integriert ist, lässt sich die Bissstelle genau erkunden. Wer die Zecke nicht selbst entfernen möchte, kann auch einen Arzt aufsuchen. Dieser sollte auf jeden Fall konsultiert werden, wenn sich ein rötlicher Hof an der Einstichstelle oder auch woanders am Körper bildet.

Wobei es auch ohne Rötung zur Lyme-Borreliose kommen kann: „Die Diagnose ist also nicht immer einfach.“ Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen oder geschwollene Lymphknoten nach einem Zeckenstich sind als Warnzeichen zu registrieren.

Bei diesen Symptomen sollte ebenfalls ein Arzt konsultiert werden: „Da die Lyme-Borreliose unbehandelt zu Nervenlähmungen, Gelenk- oder Herzmuskelentzündungen führen kann.“

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