Keine Ordnung, kein Sinn mehr

Britta Schramm inszeniert im Würzburger Theater an Neunerplatz die Tragikomödie „Vater“

0

„Vater“ steht noch bis 14. April auf dem Spielplan des Theaters am Neunerplatz. Foto: Theater am Neunerplatz

Mit seinem Stück „Vater“ katapultiert der französische Dramatiker Florian Zeller das Publikum mitten hinein in die Wahrnehmungswelt eines demenziell veränderten Menschen. Der Zuschauer sieht, was André sieht. Er kann nicht wissen, ob das, was sieht, auch in der Realität der anderen zu sehen ist. Oder ob es sich um Erinnerungen handelt.

Bizarre Wahrnehmungsverzerrungen. „Es ist wie ein nicht auflösbares Puzzlespiel“, sagt Britta Schramm, deren Inszenierung von „Vater“ im Würzburger Theater am Neunerplatz zu sehen ist.

Vor einem Jahr begann Britta Schramm mit der Arbeit an ihrer Inszenierung. Damals lebte ihr eigener, an Demenz erkrankter Vater noch. Hautnah erfuhr sie, was „Demenz“ bedeutet.

„In den letzten zwei Jahren seines Lebens war der Abbau rasant“, erzählt sie. Ihr Vater verlor nicht nur die Fähigkeit, Gegenstände oder Menschen zu erkennen. Auch die körperlichen Kräfte versagten. Irgendwann konnte er nicht mehr schlucken. Er verweigerte jegliche Nahrung. Im Juli letzten Jahres, Schramm war mitten in der Konzipierung ihrer Inszenierung, starb er.

Dass Britta Schramm selbst erfahren hat, wie es ist, wenn die Welt eines Demenzkranken aus den Fugen gerät, macht ihre mit alten Familienvideos aufgelockerte Inszenierung so authentisch. Viele inszenatorische Details entstammen ihren eigenen Erlebnissen.

So spielt das Fenster in der Wohnung, in der Vater André (Uwe Bergfelder) lebt, eine große Rolle: „Mein Vater starrte stundenlang aus dem Fenster.“ Auch André lässt sie immer wieder vor dem Fenster stehen. Wo er versucht, seine Gedanken zu sammeln. Klarheit zu gewinnen in einer bestürzend chaotischen, verworrenen Welt.

„Vater“ steht noch bis 14. April auf dem Spielplan des Theaters am Neunerplatz.
Alle Termine unter: www.neunerplatz.de/produktion/vater-von-florian-zeller/

Teile.